Bewertung: 7
Harrison, Kim

Blutspur

Ihr Name: Rachel Morgen. Ihr Job: Kopfgeldjägerin. Ihre Aufgabe: Auf den nächtlichen Straßen von Cincinnati finstere Kreaturen zur Strecke bringen.

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Inhalt

Nach einer verheerenden Seuche, die vielen Menschen weltweit das Leben gekostet hat, haben sich die übernatürlichen Wesen, die viele Jahrtausende im Verborgenen gelebt haben, an die Öffentlichkeit gewagt und leben nun Seite an Seite mit den Menschen, die ihnen zahlenmäßig nicht länger überlegen sind. Die Hexe Rachel Morgan arbeitet für die Behörde I.S. und zieht all jene Wesen aus dem Verkehr, die ihre übersinnlichen Kräfte missbrauchen. Da Rachel jedoch nur noch miese Aufträge erhält, beschließt sie, sich mit der Vampirin Ivy und dem Pixie Jenks selbständig zu machen.

Unglücklicherweise ist freiwilliger Ausstieg in den Verträgen der I.S. nicht vorgesehen und so hetzt Rachels Chef ihr eine Horde übersinnlicher Killer auf den Hals. Um sich endgültig von der I.S. freizukaufen, will Rachel beweisen, dass der mächtige Geschäftsmann Trent Kalamack mit gefährlichen Drogen dealt.

Kritik

Natürlich rennt Kim Harrison mit ihrer Buchserie um die Hexe Rachel Morgan offene Türen ein. Zwei Schritte durch ein gutsortiertes Buchgeschäft oder die gleiche Anzahl Klicks auf der Hauptseite eines Online-Buchshops genügen, um zu erkennen, wie zahlreich die modernen Romane über Vampire, Hexen, Werwölfe und andere übernatürliche Wesen sind. Kim Harrison scheint sich jedoch sehr bewusst zu sein, einer Trendwelle anzugehören, und versucht so weit wie möglich abzuweichen.

Die amerikanische Autorin zeigt uns eine menschliche Gesellschaft, die sich ganz anders entwickelt hat, als wir es erlebt haben. Millionen von Menschen sind durch eine weltweite Suche gestorben, die durch genmanipulierte Tomaten ausgelöst wurde. Dies führt im Roman zu einem kleinen, tragisch-komischen Running Gag, denn obwohl die Seuche mittlerweile besiegt ist, haben die Menschen immer noch große Angst vor Tomaten und können das rote Fruchtgemüse kaum ansehen, geschweige denn essen. Die so genannten "Inderlander", die übernatürlichen Wesen, waren jedoch immun gegen die Seuche und sind damals an die Öffentlichkeit getreten, um bei der Aufrechterhaltung der Zivilisation zu helfen – und weil sie den Menschen zum ersten Mal seit dem Urknall nicht mehr zahlenmäßig unterlegen waren. Reibungslos verläuft das Zusammenleben der Menschen und der Inderlander jedoch auch Jahre später nicht, denn die Menschen bekommen nicht nur Panikattacken, wenn man ihnen Tomatensauce für ihre Spaghetti anbietet, sondern betrachten auch ihre übernatürlichen Nachbarn noch immer mit einigem Misstrauen.

Obwohl Harrison einen spürbaren Hauch Erotik in die Handlung einbringt, verzichtet sie gänzlich auf Romantik und Kitsch. Das Zusammenleben von Rachel und ihrer vampirischen Geschäftspartnerin Ivy gestaltet sich bedrohlich, denn der Blutdurst der Vampire kann durch viele Kleinigkeiten geweckt werden. Bestimmte Gerüche, Worte und Bewegungen können schon ausreichen und so kommt es zwischen Rachel und Ivy zu zahlreichen Spannungen und Beinahe-Attacken. Ivy ist Rachels beste Freundin und zugleich ihr schlimmster Albtraum. Das lässt "Blutspur" viel komplexer erscheinen als viele andere Romane dieses Genres. Zudem wird die Art, wie Rachel Magie anwendet und in Zeiten größter Gefahr zwischen schwarzer und weißer Magie schwankt, sehr ausführlich dargestellt. So schleicht sich jedoch auch die eine oder andere Länge ein. Von einer flotten und leichten Handlung lässt sich nicht sprechen.

Darüberhinaus wiederholt sich doch sehr stark das Motiv von Rachel als tapferer Soldat. Sie wird mehrfach beinahe umgebracht, stellenweise ist ihr halber Körper zerfetzt, doch sie rappelt sich immer wieder auf. Es gefällt mir zwar, dass ihre Macht Grenzen hat und sie sich nicht überall einfach durchhext, dennoch muss für meinen Geschmack nicht jedes ihrer Manöver erst einmal zu einem blutigen Desaster führen.

Fazit

Die Vielschichtigkeit ist "Blutspur" nicht abzusprechen, doch auch einige Längen sind nicht von der Hand zu weisen.

Maret Hosemann - myFanbase
13.05.2009