Hypes, Hopes & Letdowns 2010

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Enttäuschung des Jahres

Portugal. The Man - American Ghetto
Wenn man konsequent jedes Jahr ein neues Album veröffentlicht, beginnt irgendwann die Qualität der Musik darunter zu leiden - "American Ghetto" hat nichts mehr mit der Ideenvielfalt und Klasse der früheren Werke der Band zu tun. Nichtsdestotrotz befinden sich die Alaskaner aber schon wieder im Studio, um nächstes Jahr pünktlich den Nachfolger zu "American Ghetto" abzuliefern... | Stephanie Stummer

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Der Ausstieg des Carlos D.
Der Verstand sagt: Es ist nicht so schlimm. Schließlich hat auch Amanda Palmer ohne Brian Viglione ganz gut funktioniert. Und mittlerweile haben die beiden ja sogar schon wieder zusammengefunden. Die Vernunft weiß: Paul Banks' außergewöhnliche Stimme, Daniel Kesslers Wahnsinnsriffs und Sam Fogarinos Schlagzeugkünste bleiben einem erhalten. Doch das Fanherz blutet trotzdem: Denn Interpol haben mit Carlos Dengler nicht nur einen grandiosen Bassisten und Arrangeur verloren, sondern auch eine gehörige Portion Charisma und Persönlichkeit. Und nichts schmerzt mehr als miterleben zu müssen, wie einer der absoluten Lieblingsbands ein Stück dessen abhanden kommt, wofür man sie einst lieben gelernt hat. | Paulina Banaszek

Goldfrapp - Head First
Welch böser Fehlkauf! Das hat man davon, wenn man blindlings bei Alben zuschlägt, nur weil einen der Vorgänger hellauf begeistert hat. Aber wer konnte auch ahnen, dass dem melancholisch-verträumten "Seventh Tree" mit zeitlosen Perlen wie "Eat Yourself" billiger Elektropop-Trash à la "Rocket" nachfolgt? Ich (leider) nicht. "Head First" geht jedenfalls so dermaßen an meinem Geschmack vorbei, dass ich es bis heute nicht geschafft habe, mir das Album bis zum vermutlich bitteren Ende anzuhören. | Willi S. | zur Hörprobe in der Videogalerie

Christina Aguilera - Bionic
Wie sehr habe ich mich auf dieses Album gefreut? Um ehrlich zu sein, war ich nie ein großer Fan dieser "Back To Basics"-Veröffentlichungen. Doch ihre Rückkehr zum Pop ging gehörig daneben. Zu gewollt, zu angepasst, zu gagaesk klingt "Bionic" und kann nur in der zweiten Hälfte mit den tollen Balladen "I Am" und "You Lost Me" überzeugen. Die erste Hälfte des Albums gehört zu den größten Enttäuschungen und Flops des Jahres. Schade! | Christian Finck

Newsboys
Die Australier sind eindeutig keine von der stetigen Sorte. Mitglieder gingen und kamen und gingen wieder und manchmal kamen sie sogar noch mal wieder. Trotzdem klangen die Newsboys aber die letzten 24 Jahre(!) immer nach den Newsboys. Warum? Ganz einfach, weil ihre Leadsänger (zuerst John James, dann Peter Furler) ähnliche Stimmen hatten. Michael Tait nun klingt gaaaaanz anders. Und auch wenn er eine großartige Stimme hat, nun besser rockt als zu seinen glorreichen dcTalk-Zeiten und ich dcTalk auch echt liebe und vermisse, so ist die aktuelle Platte "Born again" einfach nicht mehr Newsboys. Punkt. Aus. Und mein Ausstieg aus der Bandgeschichte. | Micha S.

My Chemical Romance
Das neue Album des New Jersey-Quattros ist zwar in dem Sinne nicht schlecht, aber die Richtung, in die sie sich entwickelt haben, gefiel mir nicht. Da war zu viel Pop und zu wenig Rock. Zudem nichts, was das Album zusammenhielt. "Three Cheers for Sweet Revenge" and "Black Parade" waren wie EIN Werk und nicht wie ein paar zusammengewürfelte Lieder. Ich hatte einfach mehr erwartet. | Ameli H. | zur Hörprobe in der Videogalerie

Überraschung des Jahres

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The Bambi Molesters - As the Dark Wave Swells
Bei einem Gewinnspiel fiel mir diese Platte in die Hände – und nachdem die anderen beiden gewonnenen Werke so ziemlicher Mist waren, hatte ich auch an "As the Dark Wave Swells" keine besonders großen Erwartungen. Weit gefehlt – die Kroaten(!) entpuppten sich als "die beste Surfrock-Band der Welt", wie niemand Geringerer als Michael Stipe behauptet. Und das rein instrumentale "As the Dark Wave Swells" offenbarte sich als wahre Fundgrube für epische, detailreiche Musik im Sinne von Ennio Morricone – sprich: ganz großes Kopfkino! | Stephanie Stummer | zur Hörprobe in der Videogalerie

Stromae - Alors On Danse
Für jemanden, der Radiosender in der Regel meidet wie die Pest, gibt es kaum Schlimmeres als in einem Auto ohne CD- oder mp3-Player im Stau zu stehen. Umso überraschter war ich, als die DJs in einer solch prekären Situation Gnade mit mir walten ließen und mich zu meiner Erleichterung nicht mit den neusten Katy Perry- und Lady Gaga-Hits bombardierten, sondern stattdessen die mir bis dahin völlig unbekannte (und wie sich später zeigen sollte: unkaputthörbare) Dance-Hymne "Alors On Danse" von Stromae spielten. Für einen winzigen Moment gewann ich meinen Glauben an das Medium Radio wieder. Bevor wenig später natürlich wieder das elendige "We No Speak Americano" aus den Boxen dudeln musste. | Paulina Banaszek

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Polar Music Prize Ceremony (Stockholm, 30.8.)
Dass Musikpreisverleihungen im hohen Norden immer wieder für eine Überraschung gut sind, hat sich unlängst bei der einzigartigen Dankesrede meiner persönlichen Electronic-Göttin, Karin "Fever Ray" Dreijer Andersson, gezeigt. Noch beeindruckender war allerdings der Auftritt von Ane Brun anlässlich der Verleihung des inoffiziellen Nobelpreises für Musik: Mit imposantem Orchesteraufgebot gab sie eine "Jóga"-Coverversion zum Besten, die nicht nur Preisträgerin Björk Tränen in die Augen trieb. Hut ab! | Willi S.

Take That – The Flood
Dass es 27 Singles einer Band braucht, bis ich mal eine gut finde, kann man wohl definitiv als Überraschung bezeichnen. "Gut" ist allerdings untertrieben. "The Flood" ist nicht nur unheimlich catchy und atmosphärisch, es steigert sich zudem wunderschön und hat dabei einen ansteckenden Drive, der sowohl im Boygroup-Metier als auch im Genre des erwachsenen Pops, in dem die Jungs ja nun eher anzusiedeln sind, selten ist. | Micha S.

My Heart Belongs to Cecilia Winter
Ja, die Schweizer. Sie mögen Ricola erfunden und den derzeit besten Tennisspieler der letzten zehn Jahre hervorgebracht haben, doch im Indierock hat sich bislang eigentlich noch keine Schweizer Band wirklich hervorgetan. Umso überraschender ist das Debüt von My Heart Belongs to Cecilia Winter, einer Band, deren Name schon von der überbordenden Kreativität zeugt, die sich in den Köpfen der drei Mitglieder Thom Luz, Kusi Gerber und Betty Fischer tummelt. Mit ihrem ganz hervorragenden Album "Our Love Will Cut Through Everything", auf dem grenzenloser Pathos und tiefe Wehmut die Klangwelten bestimmen, hat die Band eines der vielversprechendsten Debüts des Jahres abgeliefert. Auf die folgende Tour 2011 darf man sich daher schon jetzt freuen. | Maria Gruber | zur Hörprobe in der Videogalerie

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Original Broadway Cast Recording American Idiot
Anfangs war ich nicht begeistert von der Idee, das "American Idiot" an den Broadway gebracht werden sollte und nach der Veröffentlichung des Soundtracks begegnete ich diesem mehr als skeptisch. Aber, einmal in New York gewesen und sich das Stück angeschaut, ist der anfängliche Zweifel wie weggewischt. Die Neuinterpretationen der Songs sind gut umgesetzt und inzwischen ziehe ich manche Versionen dem Original sogar vor, da eine 7-Personenbesetzung und Ensemble-Lieder wie "21 Guns" die Stimmung besser rüberbringen können. | Ameli H. | zur Hörprobe in der Videogalerie

Pulp
Pulp! Pulp reunited! Ich liebe, liebe, liebe Pulp. Dummerweise wusste ich sie nicht zu schätzen, als sie groß waren. Britpop skippte ich seinerzeit auf Charts Pur und ähnlichem gnadenlos weiter, immer auf der Suche nach der nächsten Boyband. Nun bin allerdings auch ich groß und Pulp sinds für mich immer noch. Ich freue mich wahnsinnig. Neues Album, Tour-Abstecher nach Deutschland: Jarvis Cocker, fill me with joy. I know you can. | Aljana Pellny

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