Interview mit Norman Reedus

17. Februar 2012 | In der Erfolgsserie "The Walking Dead" ist Norman Reedus in der Rolle des Daryl Dixon zu sehen. In unserem Interview erzählt er, wie er zur Schauspielerei kam, was Daryl für ihn so einzigartig macht, was er sich für seinen Charakter wünscht und wie man am Set mit den Beißern umgeht.

Hier könnt ihr das Originalinterview nachlesen. | Read the original interview in English.

Foto: Norman Reedus, The Walking Dead - Copyright: Matthew Welch/AMC
Norman Reedus, The Walking Dead
© Matthew Welch/AMC

1. Wie hast du mit der Schauspielerei begonnen?

Ich bin einem Mädchen nach Los Angeles gefolgt, das sich dann sofort von mir getrennt hat. Ich begann danach, in einem Motorradladen in Venice namens "Dr Carls Hog Hospital" zu arbeiten. An dem Tag, an dem ich diesen Job kündigte, nahm mich ein Freund mit zu einer Party in den Hollywood-Hills – einer Film-Leute-Party. Ich habe dort viel zu viel getrunken und schließlich angefangen, aus dem Obergeschoss des Wohnzimmers die Leute anzuschreien mit einer riesigen Sonnenbrille auf der Nase. Schließlich fragte mich jemand, ob ich in einem Theaterstück mitwirken will und lud mich auf eine Pizza ein. Man sagte mir, dass ich für das Stück bezahlt werde, also machte ich es. Bei der Premiere war gleich ein wundervoller Engel von Frau im Publikum, eine Agentin. Sie sah mich und kassierte mich ein, sackte mich ein. Wie auch immer man das nennt, und seither bin ich immer wieder gebucht worden.

2. Dein Charakter Daryl kommt nicht in den Comics zur Serie vor. Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet und hat dir Robert Kirkman etwas gegeben, mit dem du arbeiten konntest?

Als ich angefangen habe, mich auf die Rolle vorzubereiten, hatte ich mich noch mit niemanden über Daryl unterhalten. So entschied ich quasi für mich, wie ich ihn gestalten wollte und wie er werden soll. Ich versuchte ihm Eigenschaften zu geben und ihn zu formen. Ich wollte ihn als Jungen darstellen, der alles verloren hat – auch seinen fiesen Bruder. Dennoch ist Merle immer noch sein Bruder, so gemein er auch gewesen ist. Die Autoren und Produzenten der Show unterstützen mich immer noch dabei, Daryl zu jemanden zu formen, den man wachsen sehen kann, der nicht genau weiß, wer er ist und wie er mit anderen Leuten umgehen soll. Ich glaube nicht, dass Daryl zuvor jemals darüber nachgedacht hat, wie er mit anderen klarkommen soll. Doch nun ist er quasi dazu gezwungen. Es muss nun funktionieren. Ich denke, dass es interessant ist, ihn bei dieser Entwicklung zu beobachten. Alle haben mir dabei geholfen. Kirkman ebenso wie die anderen im Cast, die Autoren und Regisseure, Gale (Gale Anne Hurd, Produzentin), etc.. Jeder hilft jedem. Ich denke, dass wir alle viel investieren – auch ineinander.

Foto: Norman Reedus, The Walking Dead - Copyright: Gene Page/AMC
Norman Reedus, The Walking Dead
© Gene Page/AMC

3. Hast du die Comics gekannt, bevor du für "The Walking Dead" vorgesprochen hast?

Ich kannte sie nicht, aber ich habe danach sehr schnell sehr viel darüber herausgefunden. Die Popularität und alles, es ist eine so reichhaltige Welt – so ein interessanter Stoff. Ich habe vorgesprochen wegen der Leute, die involviert waren, und dem Piloten, der brilliant war.

4. Bekommst du viel von der Reaktion der Fans mit, seit "The Walking Dead" ausgestrahlt wird?

Eine Menge! Es ist witzig, so viel Liebe für einen Charakter entgegengebracht zu bekommen, der so wenig liebenswert ist, zumindest, wie er sich sieht. Meine Wohnung ist voll von wundervoller Kunst und Geschenken, die ich jeden Tag bekomme. Zeichnungen, Skulpturen, Puppen, Kleidung etc. Daryl hat eine Menge Freunde gefunden, so wie ich und ich bin überwältig davon. Er würde alle Eichhörnchen töten, um euch Nahrung zu geben (so wie ich auch).

5. Was ist das Tollste daran, Daryl zu spielen?

Das Entdecken, denke ich. Ich mag es, ein offenes Buch zu sein. Ich mag es, nicht zu wissen, wie es enden wird – in einem Film kenne ich das Ende. Hierbei habe ich keine Ahnung, wann und wie dies sein wird. Es fühlt sich irgendwie so an, als ob ich ständig im vierten Gang wäre. So wie im wahren Leben – denke ich.

6. Daryl ist zu einem Fanliebling geworden. Ist es schwer gewesen – speziell in Staffel 1 – ihn sympathisch zu machen?

Nein, ist es nicht. Ich finde, er ist extrem verletzlich. Ich mag solche Menschen, so dass ich diesen Teil in ihm sehe, der mit dir befreundet sein möchte. Er ist nicht gemein oder hinterhältig. Wenn er dein Freund ist, dann kümmert er sich um dich. Er würde dir niemals etwas antun, sondern dich beschützen. Das ist wunderbar, finde ich.

Foto: Copyright: Gene Page/AMC
© Gene Page/AMC

7. Daryl ist immer freundlicher geworden in letzter Zeit. Wie gefällt dir diese Entwicklung?

Ich genieße es. Er hätte auch leicht den anderen Weg einschlagen können und nichts anderes als eine "Fuck-You-Maschine" werden können. In gewisser Weise kann er das immer noch. Die Sache ist, ihn facettenreich und interessant zu belassen. Das ist der Job.

8. Kannst du dich mit Daryl identifizieren oder dir vorstellen, in seiner Position zu sein?

Ein bisschen. Er erinnert mich an jemanden - nicht unbedingt die glücklichste Erinnerung. Aber er ist auch interessant für mich. Ich bin gespannt, wohin der Weg ihn führen wird. Also ja, ich denke ich kann mich mit ihm identifizieren.

9. Das Make-Up bei "The Walking Dead" ist großartig. Ist es unheimlich, wenn du am Set den Zombies begegnest?

Wie gut ist bitte Nicotero?!! (Anm. d. Red.: Gregory Nicotero, Chef der Special-Effects-Firma KNB Efx Group, die für das Make-Up bei "The Walking Dead" zuständig ist.) Stimmt's?!! Die Sache bei den Zombies ist, wenn du sie ganz genau ansiehst, dann siehst du ihre Geschichte. Sie sehen so traurig aus. Als ob sie es wüssten. Wirklich ausdrucksvolle Merkmale, sehr erschreckend und beängstigend. Am Set ist es so ziemlich zur Routine geworden mit jedem Zombie einzuschlagen, während man eine Tüte Chips isst.

10. "The Walking Dead" ist bereits für eine dritte Staffel verlängert. Was würdest du dir für Daryl wünschen?

Ich hätte gerne, dass er mal Autoritäten hinterfragt oder besser, dass er alles einmal hinterfragt. Und dass er seinen Bruder wiedersieht. Für alle kämpft, mit allen befreundet ist und ihr Vertrauen gewinnt. Dass er ein eigenständiger Mensch wird. Drei Meter groß.

Foto: Norman Reedus, The Walking Dead - Copyright: Gene Page/AMC
Norman Reedus, The Walking Dead
© Gene Page/AMC

11. Merle wird immer noch vermisst und die Chance, dass er noch lebt, ist nicht gerade hoch. Dennoch gibt Daryl die Hoffnung nicht auf. Würdest du dir wünschen, dass die Brüder wieder zusammenfinden?

Ich fänd es großartig, wenn sie sich wiedersehen würden, immerhin sind sie Geschwister. Nichts ist besser als das. Das könnte jedoch ganz schön explosiv werden, mit der ganzen Sheriff-Sache.

12. Wenn du einen Tag mit einer toten oder lebendingen Person verbringen könntest, wer wäre das und was würdest du machen?

Mein Vater. Ich habe da einige Fragen. Vielleicht würden wir Golf spielen – ich bin darin nicht wirklich gut.

13. myFanbase ist eine Website, die sich mit amerikanischen TV-Serien beschäftigt. Was ist deine Lieblingsserie?

Oh Mann, ich habe mehrere, die ich gerade liebe. "East Bound and Down", "Carnivale", "Mad Men", "Breaking Bad". Ich liebe "Curb Your Enthusiasm" und auch "Arrested Development". Ich liebe auch "Saturday Night Live" sehr – kennt ihr "Wonder Showzen" – das mag ich auch.

Eva Klose - myFanbase


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