DVD-Rezension: 30 Rock, Staffel 7

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Es ist ein Wunder, dass sich "30 Rock" so lange im amerikanischen Fernsehen behauptet hat, denn wenn man sich einmal ansieht, dass zum Ende der 6. Staffel nur noch 2,8 Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm saßen, dann ist es schwer nachvollziehbar, dass man nicht schon längst den Stecker gezogen hat.

Dass die Serie nie wirklich viele Zuschauer erreichen konnte, liegt sicherlich nicht daran, dass sie schlecht ist. Im Gegenteil: Tina Feys Blick hinter die Kulissen einer fiktiven Fernsehshow, die an "Saturday Night Live" angelehnt ist, ist witzig, unkonventionell und schräg. Manchmal vielleicht etwas zu schräg, aber doch immer liebenswert. Staffel 7 bietet nun einen runden Abschluss für eine Serie, die leider in Deutschland immer nur ein Nischendasein feierte.

Inhalt

Foto: Tina Fey, 30 Rock - Copyright: 2015 Universal Pictures
Tina Fey, 30 Rock
© 2015 Universal Pictures

Jack Donaghy hat seine Ehe mit Avery Jessup annullieren lassen und will sich wieder mehr auf seine Karriere konzentrieren. Nachdem er mitbekommen hat, das der Boss der Firma Kabletown, Hank Hooper, bald in Rente gehen wird, versucht er daher, diesen dazu zu bringen, NBC an ihn abzutreten. Sein wahnwitziger Plan hierzu: Den Sender mit möglichst unpopulären Entscheidungen und zweifelhaften Shows an die Wand fahren, so dass er für potentielle Käufer uninteressant wird. Doch er hat die Rechnung ohne die Zuschauern gemacht, die die sinnlosen und teilweise sogar absolut dämlichen Shows lieben und dem Sender Quoten wie seit Jahren nicht mehr bescheren.

Liz Lemon freut sich derweil über ihr privates Glück, das sie mit Criss gefunden hat und überlegt, ob es nicht an der Zeit wäre, über die Familienplanung nachzudenken. Da es mit eigenem Nachwuchs jedoch nicht so recht klappen will, beschließen sie und Criss, ein Kind zu adoptieren, müssen dabei jedoch feststellen, dass ihr unkonventioneller Lebenstil ihnen im Weg zu sein scheint.

Tracy und Jenna müssen derweil mit kleineren und größeren Problemen in ihrer Karriere kämpfen, als alle die unerwartete Nachricht ereilt, dass Hooper plant, TGS nicht weiter zu führen. Schauspieler, Autoren und Produzenten fragen sich nun, wie es nach dem Ende der Sendung weitergehen soll und treffen ein paar einschneidende Entscheidungen.

Rezension

Foto: Julianne Moore & Alec Baldwin, 30 Rock - Copyright: 2015 Universal Pictures
Julianne Moore & Alec Baldwin, 30 Rock
© 2015 Universal Pictures

Dass das Ende der Serie frühzeitig bekannt war und die Tatsache, dass die letzte Staffel nur noch 13 Episoden umfassen sollte, bot Tina Fey und ihrem Team die Gelegenheit, der Comedyserie einen gebührenden Abgang zu verschaffen. Zum Zeitpunkt des Starts der neuen Staffel des einstigen Kritikerlieblings waren nur noch wenige Zuschauer an Bord geblieben, um sich die Abenteuer von Liz Lemon und Jack Donaghy anzusehen, doch was diese im Laufe der finalen Staffel geboten bekamen, war richtig gute Comedy, straff erzählt und ohne großen Lückenfüller.

Der Cast hat Spaß wie eh und je und gefällt sich in der Rolle des ungeliebten Stiefkindes eines Senders, der die Serie eigentlich nur noch aus Prestigegründen verlängert hatte und nicht, weil ein großes Publikum gefallen daran fand. Daher wird in den Episoden selbst allerhand Schabernack getrieben, der gnadenlos witzig ist. Man erinnere sich nur an Jacks Versuche, NBC herunter zu wirtschaften, indem er möglichst hirnrissige Shows produzieren lässt, die dann aber so gut beim Publikum ankommen, dass NBC sich unglaublicher Zuschauerzahlen erfreuen kann. Ein toller Seitenhieb auf alles Programme, die eher auf billigen Schund setzen als auf Qualitätsfernsehen und damit dann auch noch eine Menge Menschen vor den Bildschirmen erreichen. Auch das Aufgreifen des Präsidentschaftswahlkampfes war sehr gelungen und unterstrich die politische Brisanz und vor allem die Aktualität der Serie.

Foto: Tracy Morgan, 30 Rock - Copyright: 2015 Universal Pictures
Tracy Morgan, 30 Rock
© 2015 Universal Pictures

Was die finale Staffel jedoch so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass man jedem Charakter genügend Raum gibt, um sich ein letztes Mal zu entfalten. Jack wirft man in eine Sinnkrise, nachdem sein Plan nicht aufzugehen scheint, Liz findet endlich das private Glück mit einem Mann, der ganz anders ist, als sie es immer erträumt hat und Tracy macht sich zum ersten Mal Gedanken darüber, wie sein Leben wohl weiter verlaufen wird, wenn die einzige Konstante TGS wegfallen wird. Es geht also durchaus auch emotional zu bei "30 Rock". Was mich vor allem freut, ist dass man Liz Lemon am Ende privates Glück finden lässt und man zeigt, dass eine Frau durchaus erfolgreich im Beruf sein kann, ohne Familie zu opfern. Nach der Hochzeit, die so herrlich abstrus und unkonventionell ist, bekommen Liz und Criss zwei wundervolle Kinder zur Adoption zugeteilt, die Jenna und Tracy in Kleinformat sind und die beiden ganz schön auf Trab halten. Natürlich kommt dabei auch die Diskussion auf, wer von beiden Zuhause bleibt und es ist interessant, dass sich beide zunächst in die typischen Geschlechterrollen gedrängt fühlen. Liz will unbedingt Zuhause bei den Kindern bleiben, während Criss die Notwendigkeit sieht, dass er Geld für die Familie verdient. Dass beide mit dem Arrangement überhaupt nicht zufrieden sind, zeigt sich schon sehr bald und so finde ich es schön, dass beide sich am Ende über jegliche Konventionen hinweg setzen und ihr eigenes, perfektes Familienbild schaffen, in dem Liz arbeiten geht, während Criss zuhause auf die Kids aufpasst.

Jack in eine Sinnkrise zu stürzen, ist gewagt, aber doch bei Männern in seinem Alter und in seiner Position bestimmt nicht so selten. Nach dem Scheitern seines Planes, NBC herunterzuwirtschaften, macht er sich Gedanken, wo er in seinem Leben eigentlich noch hin will und muss am Ende einsehen, dass er all die Jahre in einem Job festhing, für den er einfach nicht gemacht war. Am Ende erhält Kenneth, die gute Seele des Senders und stetiger Fußabstreifer für alle, seinen Posten als neuer Senderchef, da Jack erkannt hat, dass es nicht wichtig ist, welche Ausbildung man genossen hat, wenn es ums Fernsehgeschäft geht. Es geht einzig und alleine darum, dass man Fernsehen liebt. Das ist doch mal eine Aussage!

Foto: Tina Fey & Alec Baldwin, 30 Rock - Copyright: 2015 Universal Pictures
Tina Fey & Alec Baldwin, 30 Rock
© 2015 Universal Pictures

Als klar wird, dass TGS keine Zukunft mehr bei NBC hat, beginnt das große "was kommt danach" und spiegelt ganz gut die Ängste der Crew vor und hinter der Kamera wieder. Jahrelang hatte man ein geregeltes Arbeitsleben und wusste, dass am Ende des Monats ein gewisser Betrag aufs Konto überwiesen wird. Plötzlich ist das vorbei und man beginnt, über die Zukunft zu sinnieren. Am Ende ist klar, dass es für jeden irgendwie weiter gegangen ist und sich sämtliche Ängste als unbegründet herausgestellt haben, aber es ist schön, dass sich die Serie auch damit beschäftigt, wie Veränderungen einen Menschen belasten können.

Der kleine Zukunftsausblick ist wirklich herrlich zum Schluss, denn es wird klar, dass sich zwar einiges verändert hat, vieles aber dann doch beim alten geblieben ist und nichts so gekommen ist, wie man es sich ausgemalt hatte. Der wahre Knaller jedoch sind die letzten zwei Minuten der Serie, in der klar wird, dass "30 Rock" nur eine Idee für eine Show gewesen ist, die eine Enkelin von Liz Lemon im Kopf herumschwirrt und diese Idee erzählt sie niemand geringerem als dem Senderchef von NBC, der immer noch ein nicht gealterter Kenneth Parcell ist. Herrlich schräg und absolut unerwartet.

Bonusmaterial

Foto: Jane Krakowski, Jack McBrayer & Tracy Morgan, 30 Rock - Copyright: 2015 Universal Pictures
Jane Krakowski, Jack McBrayer & Tracy Morgan, 30 Rock
© 2015 Universal Pictures

Es gibt einiges an Bonusmaterial, wenn man bedenkt, dass die Box lediglich aus 2 DVDs besteht. Der Audiokommentar zu verschiedenen Episoden ist nicht nur aufschlussreich, sondern auch witzig und interessant, allerdings nur auf Englisch und ohne Untertitel zuschaltbar. Da man "30 Rock" jedoch sowieso lieber auf Englisch sehen sollte, lässt sich das verschmerzen.

Die entfallenen Szenen sind (wie so oft) nicht der Rede wert, die "Donaghy Files", kleine Webisodes hingegen sind witzig und durchaus sehenswert. Auch die Studioführung mit Tina Fey bietet einen netten Einblick hinter die Kulissen der Fernsehserie. Alles in allem sind die zusätzlichen Extras auf der DVD eine runde Sache.

Technische Daten

Foto: Copyright: Universal Pictures
© Universal Pictures

Erscheinungstermin: 19. Februar 2015
FSK: ab 12 Jahren
Anzahl der DVDs: 2
Laufzeit: ca. 260 Min. (13 Episoden)
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch

Fazit

Ich wiederhole gerne meine Worte aus der Review zum Serienfinale, #7.13 Last Lunch:

Danke, Tina Fey für sieben Jahre grandiose Unterhaltung. Für tolle, einzigartige und liebenswerte Charaktere, die ihresgleichen im TV noch lange suchen werden. Und danke für die Möglichkeit, einmal pro Woche so richtig lachen zu können. Schade nur, dass so wenige Menschen bis zum Ende dabei waren.

Melanie Wolff - myFanbase

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