Preview: Hung - Um Längen besser

Die Comedyserie um Ray Drecker, einem Mann, der auszog, um Gigolo zu werden, feierte ihre Premiere am 28. Juni 2009 auf dem amerikanischen Kabelsender HBO und läuft seither immer sonntags direkt nach der erfolgreichen Vampirserie "True Blood".

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Worum geht es?

Ray Drecker (Thomas Jane) ist Mitte Vierzig und hat seine besten Zeiten, wie er selbst findet, bereits hinter sich gebracht. Er fristet sein berufliches Dasein als Coach einer recht erfolglosen High-School-Basketballmannschaft und hat sich damit abgefunden, dass er die Jungs weder richtig motivieren kann, noch dass es ihn wirklich kümmert, ob sie gewinnen oder verlieren. Seine Frau Jessica (Anne Heche) hat ihn nach fast zwanzig Ehejahren für ihren Dermatologen (Eddie Jemison) verlassen und zu allem Überfluss brennt ihm schließlich auch noch sein Haus ab. Da Ray kein Geld hat, um die Renovierung des Hauses zu bezahlen und er keine Brandschutzversicherung abgeschlossen hatte, bleibt ihm nichts Anderes übrig, als selbst den Hammer in die Hand zu nehmen und solange in einem Zelt im Vorgarten zu wohnen. Seine beiden Kinder, die Zwillinge Darby (Sianoa Smit-McPhee) und Damon (Charlie Saxton), die bis zu dem Brand bei Ray gelebt hatten, ziehen schließlich zu ihrer Mutter, die mittlerweile einen wesentlich aufwendigeren Lebensstil pflegt und mit ihrem alten Leben und vor allem mit Ray abgeschlossen hat. Und dann verlangt auch noch sein neuer Nachbar Howard, er solle endlich dafür sorgen, den Schandfleck neben seinem Grundstück zu sanieren. Da Ray das Wasser bis zum Halse steht, schluckt er am Ende seinen Stolz herunter und bittet seine Ex-Frau um ein Darlehen, was diese jedoch kategorisch ablehnt.

Als letzten Ausweg sieht Ray den Besuch eines Seminars, dessen Leiter verspricht, dass es ganz einfach bis zur ersten Million ist. Er propagiert, dass jeder nur etwas finden müsse, worin er gut ist und dies dann richtig vermarkten. In dem Kurs trifft Ray Tanya (Jane Adams) wieder, einen ehemaligen One-Night-Stand, den er einst nicht besonders nett abserviert hatte. Aller Vorgeschichte zum Trotz landen die beiden wieder im Bett, was wie schon beim ersten Mal nicht sonderlich nett endet. Allerdings hat es für Ray einen positiven Nebeneffekt, denn ihm dämmert seine einzige gute "Eigenschaft" - ein enorm großer Penis. Warum nun diesen nicht gewinnbringend einsetzen?

Also beschließt er, Gigolo zu werden, und schaltet eine Zeitungsannonce, in der er seine Dienste unter dem Pseudonym "Big Donnie" anbietet. Doch der erste Termin wird ein wahres Fiasko...

Die Hauptdarsteller

Thomas Jane spielt Ray Drecker

Thomas Elliott III wurde am 22. Februar 1969 in Baltimore, Maryland geboren. Nach einigen Auftritten im Film und Fernsehen feierte er mit seiner Rolle in "Der Punisher" seinen weltweiten Durchbruch. Nach einer geschiedenen Ehe heiratete er 2006 die Schauspielerin Patricia Arquette, von der er jedoch mittlerweile wieder in Scheidung lebt. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter.

Jane Adams spielt Tanya Skagle

Jane Adams wurde im ländlichen Wyoming geboren und interessierte sich früh für die Schauspielerei. Nach dem Abschluss an der renommierten Juilliard School in New York bekam sie einige kleinere Fernsehangebote, feierte jedoch erst richtige Erfolge auf der Bühne. 1998 gelang ihr der Durchbruch mit dem Film "Happiness". Seither ist sie sowohl im Fernsehen, als auch auf der großen Leinwand zu bestaunen... mehr

Anne Heche spielt Jessica Haxon

Anne Celeste Heches Kindheit kann man keinesfalls als eine glückliche Zeit beschreiben. Sie soll bereits in jungen Jahren von ihrem Vater, der Chorleiter in einer Kirche war, sexuell missbraucht worden sein. Etwa um die Zeit herum muss auch ihre Schwester Cynthia gestorben sein. Als sie zwölf Jahre alt war, starb ihr Vater Donald mit 45 an Aids.... mehr

Charlie Saxton spielt Damon Drecker

Der in Pennsylvania geborene Charlie Saxton ist trotz kleinerer Rollen noch eher ein unbeschriebenes Blatt. Die Rolle des Sohns Damon ist seine erste größere Rolle im Fernsehen. Über sein Privatleben ist nicht viel bekannt, außer dass er noch immer einen Wrestling-Gürtel besitzt, den er und ein Freund in Kindertagen gebastelt haben. Auch über seinen Geburtstag schweigt er sich aus.

Sianoa Smit-McPhee spielt Darby Drecker

Auch die 1992 in Australien geborene Sianoa Smit-McPhee steht noch am Beginn ihrer Karriere und hat lediglich ein paar Auftritte in australischen Seifenopern, wie zum Beispiel der berüchtigten Serie "Neighbours", auf ihrem Lebenlauf stehen. Ihre Rolle in "Hung" ist ihre erste große TV-Rolle in den USA.

Eddie Jemison spielt Ronnie Haxon

Eddie Jameson wurde in New Orleans geboren. Neben der Schauspielerei ist die Musik seine große Leidenschaft. Er spielte unter anderem in einer Band Guitar namens Love Kit, wo er sogar zum Mirkophon griff. Seit seinen Anfängen in der TV-Werbung hat Jameson bereits mehrere Fernsehrollen und auch einige Kino-Produktionen vorzuweisen.


Die Pilotfolge - Kritk

Wenn ein Mittvierziger plötzlich beschließt, sein Geld als Gigolo zu verdienen und sich selbst den Namen Big Donnie gibt, dann wird einem bewusst, wie tief die Weltwirtschaftskrise bereits in das Leben der "normalen Bürger" eingedrungen ist. Es ist hinlänglich bekannt, dass Lehrer an öffentlichen, amerikanischen Schulen bei weitem nicht so gut bezahlt werden wie viele alteingesessene, verbeamtete Oberstudienräte hierzulande. Umso tragischer erscheint, dass ein Bürger, der sich um die Zukunft unserer Kinder kümmern soll, ein Schicksalschlag nach dem anderen ereilt und er am Ende sogar dazu bereit ist, sein Heil in der Flucht ins Sexgewerbe zu suchen. Ob sein Vorhaben von Erfolg gekrönt sein wird, das darf noch bezweifelt werden, wenn man mal betrachtet, wie unbeholfen sich Ray Drecker all die Zeit über anstellt. Die kommenden Episoden versprechen viel Situationskomik und ein paar Fremdschäm-Szenen, doch ob so etwas auf Dauer funktionieren kann, bleibt abzuwarten.

"Hung" erfindet sicherlich das Genre Comedy nicht neu. Und definitiv gibt es Serien, die witziger sind, bessere Storylines oder interessantere Charaktere bieten können. Viele der Gags waren schon einmal in ähnlicher Form auf der Leinwand zu sehen, einige versickern sogar unbeachtet im Fernseh-Nirvana, doch irgendwie hat die Serie dann doch wieder einen gewissen Charme.

Auch die Idee, einen Durchschnittsbürger zum Gigolo werden zu lassen, ist nicht unbedingt innovativ, aber dank Thomas Jane verzeiht man dem Drehbuch den ein oder anderen Durchhänger in der Mitte der Episode. Jane spielt die innere Hilflosigkeit von Ray überzeugend und avanciert bereits in den ersten paar Minuten zum bemitleidenswerten Verlierer ohne Zukunftsaussicht, dem der Zuschauer nichts wirklich krumm nimmt. Und in der Zeit der großen Wirtschaftskrise sieht man doch immer wieder gerne an, dass es Menschen gibt, denen es noch viel schlimmer ergeht als einem selbst.

Nach all den Hochglanzsserien der heutigen Zeit, in der sich neureiche Designer-Teenager um die neuesten Klatschthemen streiten oder erfolgreiche Chirurgen ihre Neurosen pflegen, ist es doch erfrischend, endlich mal wieder einen Nobody im Zentrum des Geschehens zu sehen. Ray ist sicherlich kein Al Bundy, doch insgesamt bietet er dem Zuschauer zu Hause vor dem Fernseher einfach mehr Potential, sich mit dem Charakter zu identifizieren. Wenngleich es dann etwas abstrus erscheinen mag, dass die Serie auf einem Kabel-Sender läuft, der in den USA bekanntlich nur als PayTV bezogen werden kann.

Apropos Kabel-Sender. Diese, vor allem auch HBO, sind für ihre anzüglichen Serien bekannt, die keine Tabus kennen und in denen kein Blatt vor den Mund genommen wird. Auch "Hung" (man beachte bereits den vielsagenden Titel) reiht sich nahtlos in die Reihe der Tabubrecher mit ein. Es wird hemmungslos über das Thema Sex, Prostitution und Penislänge gesprochen, doch in der heutigen Zeit ist dies wahrscheinlich nur im prüdem Amerika noch heikles Gebiet.

Neben Thomas Jane kann auch der Rest des Casts überzeugen, allen voran Jane Adams, die den Part der Tanya übernimmt. Anne Heche dagegen hätte ich beinahe nicht registriert, so unbedeutend und unliebsam ist ihre Rolle angelegt. Die beiden Jungschauspieler geben ihr Bestes, doch im Zuge der Darstellung von Rays Wandel vom Lehrer zum Gigolo treten sie hinter den beiden Hauptdarstellern etwas zurück.

Fazit

Ob sich die Serie am Ende durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Ich hab mich während des Piloten jedenfalls köstlich amüsiert und werde definitiv wieder einschalten.

Melanie Wolff - myFanbase