Die Lieblingsklassiker der myFanbase-Redaktion - Teil 3

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Isabella Caldart meint:

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"Unterm Rad" – Hermann Hesse (1906)

Schüler, Eltern, Politiker und alle anderen Bürger regen sich gerne über das heutige Schulsystem auf. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber: Früher war alles schlimmer, wie "Unterm Rad" beweist. In seinem wohl besten Roman verarbeitet Hermann Hesse seine eigenen Erfahrungen auf einem Internat im Schwarzwald. Hans Giebenrath heißt sein junger Held, der als intelligentester Schüler in seinem Dorf gilt. Da er von den Dorfbewohnern dazu auserkoren wird, es "zu etwas zu bringen", bekommt er zusätzlichen Unterricht, all seine Freizeitbeschäftigungen werden vom Vater unterbunden. Die Bemühungen tragen zunächst Früchte und Hans darf auf ein renommiertes Internat in Maulbronn. Doch er verändert sich langsam: Der zuvor lebensbejahende Hans wird verschlossen, er rebelliert und seine Noten sinken in den Keller. Gescheitert kehrt er in sein Heimatdorf zurück, kann sich aber auch dort nicht mehr in die Gesellschaft integrieren. Hans Giebenrath zerbricht an dem Druck, den sein Umfeld auf ihn ausübt.

Kein Mensch kritisierte das repressive Bildungswesen so gekonnt wie Hermann Hesse, der dieses oft mit einem satirischen Stil kommentiert. Ein Satz soll stellvertretend für den Roman stehen: "Und wie ein Urwald gelichtet und gereinigt und gewaltsam eingeschränkt werden muß, so muß die Schule den natürlichen Menschen zerbrechen, besiegen und gewaltsam einschränken […]".

"Fiesta" - Ernest Hemingway (1926)

Zu den bekanntesten Autoren des 20. Jahrhunderts gehört zweifelsohne Ernest Hemingway. Berühmt wurde der Schriftsteller, als er "Fiesta", auf Englisch unter dem schöneren Titel "The Sun Also Rises" erschienen, im Alter von 27 Jahren veröffentlichte. Der autobiographische Roman erzählt die Geschichte mehrerer Amerikaner, die im europäischen Ausland leben und dort ihre Depressionen im Alkohol zu ertränken versuchen. Nach einigen Exzessen in Paris zieht es Jake und seine Freunde nach San Sebastián und später zu den Sanfermines in Pamplona. Die anfänglich ausgelassenen Fiestas der Freunde bekommen schnell bittere Untertöne. Jake, der seit seinem Einsatz im Ersten Weltkrieg impotent ist, muss seiner großen Liebe Brett dabei zusehen, wie sie von einem Mann zum nächsten springt.

"Fiesta" ist der Schlüsselroman der sogenannten "Lost Generation", ein Begriff, den Hemingways Vertraute Gertrude Stein prägte. Der Roman beleuchtet die Generation zwischen zwei Weltkriegen, die sich desillusioniert dem Alkohol hingibt. Die Menschen, deren Leben auf den ersten Blick wie eine feuchtfröhliche, nie enden wollende Feier erscheint, sind hinter dieser Fassade vereinsamt, abgestumpft und depressiv – und kaum ein Autor beschreibt dieses negative Lebensgefühl besser als Hemingway in seinem "Fiesta".

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"Zärtlich ist die Nacht" - F. Scott Fitzgerald (1934)

Der einzige, der Hemingway das Wasser reichen und ihn sogar übertrumpfen kann, ist ein anderer Vertreter der "Lost Generation": Francis Scott Fitzgerald. Auch wenn "Der große Gatsby" sein bekanntester Roman ist, ist sein bestes Werk das ebenfalls autobiographische "Zärtlich ist die Nacht". Fitzgerald beschreibt die gleiche Szenerie wie sein Freund Ernest Hemingway. Der amerikanische Psychiater Dick Diver lebt mit seiner Frau Nicole und den Kindern an der französischen Mittelmeerküste. Dort sind sie umringt von Freunden und geben viele Dinnerpartys. Dick ist ein angesehener und beliebter Mann, der dem Alkoholismus verfällt und zu einem einsamen Zyniker wird. Nicole, die einst seine Patientin war, erleidet zunächst einen Nervenzusammenbruch, beweist am Ende aber mehr Stärke als ihr entfremdeter Ehemann.

Eindringlich und wortgewaltig beschreibt Fitzgerald den Fall seines Protagonisten Dick Divers. Fitzgerald, selbst schwer alkoholkrank, kannte sich dank seiner mit Schizophrenie diagnostizierten Frau Zelda bestens mit Geisteskrankheiten aus. Komplexer und mit einem noch schärferen Blick für eine untergehende Gesellschaft als Ernest Hemingway veröffentlichte Fitzgerald sein ambitioniertestes Projekt wenige Jahre vor seinem Tod. Die jahrelange Arbeit an dem Roman zahlte sich für den Schriftsteller nicht aus. Unter seinen Zeitgenossen fand "Zärtlich ist die Nacht" weder bei Kritikern noch Lesern positiven Anklang. Erst Jahrzehnte nach seinem Ableben wurde er wiederentdeckt.

"Wer die Nachtigall stört" - Harper Lee (1960)

Einer der bekanntesten Klassiker der amerikanischen Literaturgeschichte ist "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee, die für ihren bis dato einzigen Roman im Jahre 1961 den Pulitzerpreis erhielt. "Wer die Nachtigall stört" erzählt das Leben der beiden Geschwister Scout und Jem, die in den Südstaaten der 1930er Jahre aufwachsen. Ihr Vater ist der in der ganzen Kleinstadt beliebte Anwalt Atticus Finch. Das Leben der kleinen Familie wird auf den Kopf gestellt, als Atticus einwilligt, den Schwarzen Tom Robinson zu verteidigen, dem vorgeworfen wird, ein weißes Mädchen vergewaltigt zu haben.

Gekonnt zeichnet Harper Lee in ihrem Roman eine durch Rassismus geprägte Gesellschaft, die vor lauter Fremdenhass blind gegenüber der Wahrheit ist, und löste dadurch bei der Veröffentlichung eine große Kontroverse aus. Im Sommer 2015 wird übrigens "Go Set A Watchmen" erscheinen. Der Roman, der zwanzig Jahre nach "Wer die Nachtigall stört" spielt und das Leben Scouts als erwachsene Frau erzählt, wurde von Harper Lee davor geschrieben und galt ursprünglich als verschollen.

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