Die besten Staffeln 2014/2015
Orphan Black, Staffel 3

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Nach dem Ende der guten, aber nicht hochklassigen zweiten Staffel von "Orphan Black" herrschte bei vielen Fans eine gewisse Skepsis vor, insbesondere in Bezug auf die männlichen Klone, die im Staffelfinale auftauchten. Würde sich die dritte Staffel nun verstärkt um diese neuentdeckten Klone drehen, auf Kosten wertvoller Screentime für die weiblichen Klone um Sarah Manning? Kann der Darsteller Ari Millen als die verschiedenen Klone aus dem Projekt Castor seiner Kollegin Tatiana Maslany in ihrer Mehrfachrolle als Klone aus dem Projekt Leda überhaupt das Wasser reichen? Nein und Nein. Die weiblichen Klone bleiben auch in der dritten Staffel unangefochten der Mittelpunkt der Serie und Ari Millen bringt nicht die gleiche Wandlungsfähigkeit wie Tatiana Maslany mit, muss er aber auch nicht, denn seine Kloncharaktere sind anders als Maslanys Figuren zusammen aufgewachsen und ausgebildet worden, so dass sie sich in Gestik, Mimik und sonstigen Eigenheiten nicht ganz so sehr voneinander unterscheiden wie die weiblichen Klone, die alle aus ganz verschiedenen Umfeldern stammen und sich erst seit kurzem kennen.

Castor vs. Leda

Foto: Tatiana Maslany, Orphan Black - Copyright: polyband
Tatiana Maslany, Orphan Black
© polyband

Bei ihren Bestrebungen, das Projekt Castor zu Fall zu bringen, stößt Sarah auf viele Erkenntnisse, die das Projekt Leda betreffen. So werden einige überraschende Antworten geliefert, die immer wieder den Bogen zurück zum Anfang der Serie schlagen und einige Fantheorien gehörig auf den Kopf stellen. Mehr als nur einmal kommt einem während dieser Staffel der Ausdruck "Spiegelzwilling" in den Sinn. Sarah und Helena sind Spiegelzwillinge, was bedeutet, dass bei ihnen viele körperliche Eigenschaften spiegelverkehrt zueinander sind, etwa die Anordnung ihrer inneren Organe. Genauso verstecken sich auch in der Handlung zahllose Spiegelzwillinge – verschiedene Ereignisse oder auch nur einzelne Sequenzen spiegeln unter anderen Vorzeichen Ereignisse oder Sequenzen aus früheren Episoden wider. Diese Momente allesamt zu erkennen ist eine wahre Kunst und macht es lohnenswert, sich Folgen mehrfach anzusehen.

Die gesamte Staffel hält uns Zuschauer in einen Zustand der permanenten (An-)Spannung, die von zwei Fragen dominiert wird: welche Enthüllungen gibt es wohl als nächstes und werden wirklich alle Charaktere die kommende Episode gesund und munter überstehen?

Gleichzeitig erfreut beinahe jede Folge mit kultverdächtigen Momenten voller schrägem und hintergründigem Humor, den sich beileibe nicht jede Serie traut. Zu nennen sind hier etwa die verrückte Tanzszene des Ehepaars Hendrix, Cosimas Auftritt als Alison bei deren Wahlkampf, der in der Fanszene zu einem beliebten Internet-Meme wurde, und Helenas Zwiegespräche mit dem eingebildeten Skorpion. Als Sahnehäubchen obendrauf, das in Zeiten der Sozialen Medien als Schlachtfelder von Shipper-Wars ja irgendwie nicht fehlen darf, gibt es noch eine lesbische Dreiecksbeziehung, die, so glaube ich zumindest, einen neuen Rekord an lesbischen Sexszenen in einer Serie, die sich gar nicht primär um das Thema Homosexualität dreht, aufgestellt hat. "Orphan Black" beweist, dass man Homosexualität ebenso wie Heterosexualität in jede Handlung einbauen kann.

Es war die richtige Entscheidung, die religiöse Storyline, die in der zweiten Staffel nie so richtig aus dem Quark kam, zu Beginn dieser dritten Staffel vorerst abzuschließen und nur die beiden wichtigsten und besten Charaktere aus jenem Erzählstrang beizubehalten. Das Thema Religion verschwindet nicht komplett, wird aber viel unterschwelliger und dezenter in die Gesamthandlung eingewoben.

Zum Abschluss noch ein Dankeschön oder noch besser ein Na endlich! an die Academy of Television Arts & Sciences, die erkannt hat, dass Tatiana Maslany es verdient, für einen Emmy nominiert zu werden. Ihre Performance ist auch in der dritten Staffel wieder schlichtweg begeisternd.

Maret Hosemann - myFanbase

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