Jahresrückblick - unsere Top-Serien 2025 - Teil 3

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Wie jedes Jahr im Dezember überlege ich, welche Serien ich dieses Jahr eigentlich alles geguckt habe und gerade bei den Serien aus dem Frühjahr muss man fast schon überlegen, ob es überhaupt aus dem Jahr 2025 ist. Insofern nehme ich mir fürs nächste Jahr fest vor, alles zu notieren. Für die den diesjährigen Rückblick habe ich aber natürlich zehn Serien (Staffeln) gefunden, die mich überzeugen konnten, wie immer in alphabetischer Reihenfolge, weil ein qualitatives Ranking für mich keinen Sinn macht, zu unterschiedlich sind die Serien.


Top-Serien von Emil Groth


Adolescence, Miniserie

Foto: Mark Stanley, Owen Cooper & Stephen Graham, Adolescence - Copyright: 2024 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix
Mark Stanley, Owen Cooper & Stephen Graham, Adolescence
© 2024 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix

Das Besondere an der Erzählweise hat wohl dafür gesorgt, dass die Serie aus einem Geheimtipp zu einem regelrechten ("Mini")Hype geworden ist. Zudem ist mit dem Thema Männlichkeit (Was erwartet man von jungen Männern, welche Stellung sollten sie in der Gesellschaft einnehmen usw.) etwas angeschnitten worden, was auf so vielen Ebenen diskutiert werden kann und die Serie somit eben auch ein guten Anlass für spannende Diskussionen lieferte, wie man es sonst lange nicht erlebt hat. Man kann es also drehen und wenden, wie man will, diese Miniserie geht in jeden Jahresrückblick, wenn man sie gesehen hat. Zu außergewöhnlich war der Stil, zu außergewöhnlich waren auch die schauspielerischen Leistungen. (Detaillierter habe ich mich an anderen Stellen schon zur Serie geäußert.) Leider ist "Adolescence" nur als Miniserien angelegt worden, denn neben den vier Episoden, die in Echtzeit und ohne Schnitt vier Ausschnitte aus einem komplexen Fall betrachteten, gibt es noch so viele weitere Geschichten rund um diesen Fall zu erzählen.

Die Serie "Adolescence" ansehen:

Dying For Sex, Miniserie

Foto: Dying for Sex - Copyright: 2025 Disney and its related entities.
Dying for Sex
© 2025 Disney and its related entities.

Auch "Dying For Sex" ist als reine Miniserien konzipiert und die Geschichte rund um Molly (Michelle Williams), ihren Krebs und den Wunsch, die letzten Monate ihres Lebens frei zu sein und ihr Sexleben zu bereichern bzw. ihre Vorlieben zu entdecken, war vor allem deshalb so tragisch, weil es sich um eine reale Grundlage handelt. Die Mischung aus sexuellen Obskuritäten und emotionaler Tiefe ist zwar nicht in jedem Moment gelungen, aber insgesamt hat insbesondere Michelle Williams mit unglaublich viel Gefühl und Ausdruck der Figur so viel Leben eingehaucht, dass man einfach immer weiterschauen musste und einfach hoffte, dass es vielleicht doch gut ausgeht und nicht wahnsinnig traurig wird am Ende. Doch es war ja gar nicht ihre Leidensgeschichte im Mittelpunkt sondern eben das gesamte Drumherum. Die Zuneigung zu ihrem Nachbarn, das Befreien aus der Ehe mit einem zwar rührseligen Ehemann, der aber auch keine Luft zum Atmen gelassen hat, die Freundin, die alles für Molly tut, sogar ihre Beziehung und ihren Job hinten anstellt und das alles zu keiner Minute in Frage stellt. Es ist so viel Herzlichkeit in der Serie, so viel Humor, der das Negative, Traurige einfach überstrahlt und immer wieder vergessen lässt, obwohl Molly von Episode zu Episode körperlich auch abbaut. Selten habe ich eine so traurige Grundgeschichte so amüsant und positiv erzählt bekommen.

Die Serie "Dying For Sex" ansehen:

How to Sell Drugs online (fast), Staffel 4

Foto: Maximilian Mundt, How to Sell Drugs Online (Fast) - Copyright: 2024 Netflix, Inc.; Paul Hepper/Netflix
Maximilian Mundt, How to Sell Drugs Online (Fast)
© 2024 Netflix, Inc.; Paul Hepper/Netflix

Was habe ich mich gefreut, als eine vierte Staffel für "How to Sell Drugs Online (Fast)" angekündigt wurde. Die Geschichte war mit der Verhaftung von Moritz zwar auserzählt, aber die Menschen und ihre Beziehungen existieren trotzdem weiter und da gab es einfach noch viele Dinge, die man erzählen konnte. Die Entlassung von Moritz aus dem Gefängnis ist da natürlich perfekt. Man hat einen Zeitsprung und kann aus Moritz Sicht die ein oder andere überraschende Entwicklung nach und nach einbauen und auflösen. Alles natürlich unter dem Eifer und der Eifersucht von Moritz. Auch bei dieser Serie hatte mir vor allem immer der Erzählstil gefallen, weil die Kommentare von Moritz mit dem Erzähltempo zusammen einfach wahnsinnig rasant und dynamisch daherkamen und somit sehr viel Charme ausstrahlten. Und humorvoll war es natürlich auch wieder. Highlight neben den Episoden war zudem die Werbekampagne von Kleinanzeigen, die quasi die Handlung der Serie integrierte und ebenfalls viel Witz bewies. Dank der vierten Staffel ist nicht nur die Geschichte fertig erzählt sondern auch emotional abgeschlossen, weil das Danach nun eben auch abgehandelt wurde und das gehört zu einer guten Geschichte eben auch dazu.

Die Serie "How to Sell Drugs Online (Fast)" ansehen:

Malice, Miniserie

Foto: Malice - Copyright: Amazon MGM Studios
Malice
© Amazon MGM Studios

Spät ist die neue Serie mit David Duchovny noch auf meine Liste gerutscht bzw. die Entscheidung, diese Serie von meiner Liste noch dieses Jahr auch anzugehen. Hilfreich war auch hier der Fakt, dass es sich um eine Miniserie handelt und man so einen überschaubaren Zeitraum hat und dann auch irgendwie fertig ist. Durch die Massen an Serien ist das manchmal mein Entscheidungskriterium. Ehrlicherweise muss ich nach den sechs Episoden sagen, dass ich es sehr schade finde, dass es nur eine Miniserie gibt. Denn die Geschichte war sehr spannend erzählt und man hatte so viele Gegensätze, die man für sich vereinbaren musste. Sei es mit Jamie Tanner einen irgendwie unsympathischen Firmenbesitzer, der für den Erfolg über Leichen geht und auch in seinen Erziehungsmethoden sehr viel mit Druck arbeitet, trotzdem aber einen ehrlichen und treuen Kern hat und ein Herz am richtigen Fleck. Auf der anderen Seite ist da Adam, der unheimlich freundlich und zuvorkommend ist, aber eigentlich nur den Schein wahrt, weil er eigentlich einen brutalen Zerstörungsplan verfolgt. Man sieht also das Eine und fühlt das Gegenteilige. Und dann sind da ja auch noch all die anderen Charaktere, die da mit dran hängen und mitbetroffen sind. Und so hat man irgendwie eine auf dem Papier einfach Story, die in ihrer ganzen Komplexität sehr gut erzählt wird und einen am Ende irgendwie unzufrieden zurück lässt, weil auch hier das Gesehene nicht mit dem Gefühl zusammen passt. Und so geht es auch für mich danach noch weiter. Inhaltlich wünsche ich mir eine zweite Staffel, um die Tanners weiter zu begleiten und zu schauen, was aus Adam wird, personell würde ich aber David Duchovny wohl doch so vermissen, dass die zweite Staffel gar nicht mehr so gut sein kann, weil sie nur durch die vielen widersprüchlichen Charaktere so gut funktioniert hat.

Die Serie "Malice" ansehen:

Maxton Hall, Staffel 2

Foto: Damian Hardung & Harriet Herbig-Matten, Maxton Hall - Die Welt zwischen uns - Copyright: Prime Video/Stephan Rabold
Damian Hardung & Harriet Herbig-Matten, Maxton Hall - Die Welt zwischen uns
© Prime Video/Stephan Rabold

Ich war nie so richtig involviert in den Hype um "Grey's Anatomy". Klar habe ich einige Folgen gesehen, aber es war immer nur nett und für mich in erster Linie eine Gelegenheitsserie, die großen Handlungsstränge haben mich meist nicht interessiert. Anders war das sofort, als ich den Trailer von "Pulse" gesehen habe. Die Grundidee, eine Klage wegen sexueller Übergriffigkeit bzw. Ausnutzung als roten Faden durch die Staffel ziehen zu lassen, fand ich sehr spannend. Die Charaktere wurden sofort vielschichtig dargestellt, jede Person hatte ihr Für und Wider, das Setting war modern inklusive moderner Diskussionspunkte zu Inklusion und sexueller Identität. Das Konstrukt hat mich überzeugt, es ging nicht um einfache Antworten sondern um komplexe Situationen, die keine Eindeutigkeit zuließen. Man konnte immer für jede Seite Argumente finden. Während ich die Episoden also hintereinander schaute, war ich überzeugt, dass diese Serie einschlagen würde. Umso überraschter war ich, dass ich mit dieser Meinung offenbar eher alleine dastand. Die Serie wurde abgesetzt und das finde ich auch heute noch wirklich sehr schade. Die Serie hatte eine tolle, kurzweilige erste Staffel hingelegt und mit den spannenden Charakteren und interessanten Verbindungen noch viel Potenzial für einige weitere Staffeln gehabt.

Die Serie "Maxton Hall - Die Welt zwischen uns" ansehen:

Pulse, Staffel 1

Foto: Willa Fitzgerald & Colin Woodell, Pulse - Copyright: 2024 Netflix, Inc.; Jeff Neumann/Netflix
Willa Fitzgerald & Colin Woodell, Pulse
© 2024 Netflix, Inc.; Jeff Neumann/Netflix

Ich war nie so richtig involviert in den Hype um "Grey's Anatomy". Klar habe ich einige Folgen gesehen, aber es war immer nur nett und für mich in erster Linie eine Gelegenheitsserie, die großen Handlungsstränge haben mich meist nicht interessiert. Anders war das sofort, als ich den Trailer von "Pulse" gesehen habe. Die Grundidee, eine Klage wegen sexueller Übergriffigkeit bzw. Ausnutzung als roten Faden durch die Staffel ziehen zu lassen, fand ich sehr spannend. Die Charaktere wurden sofort vielschichtig dargestellt, jede Person hatte ihr Für und Wider, das Setting war modern inklusive moderner Diskussionspunkte zu Inklusion und sexueller Identität. Das Konstrukt hat mich überzeugt, es ging nicht um einfache Antworten sondern um komplexe Situationen, die keine Eindeutigkeit zuließen. Man konnte immer für jede Seite Argumente finden. Während ich die Episoden also hintereinander schaute, war ich überzeugt, dass diese Serie einschlagen würde. Umso überraschter war ich, dass ich mit dieser Meinung offenbar eher alleine dastand. Die Serie wurde abgesetzt und das finde ich auch heute noch wirklich sehr schade. Die Serie hatte eine tolle, kurzweilige erste Staffel hingelegt und mit den spannenden Charakteren und interessanten Verbindungen noch viel Potenzial für einige weitere Staffeln gehabt.

Die Serie "Pulse" ansehen:

Schattenseite, Staffel 1

Foto: Schattenseite - Copyright: ARD Degeto Film/HR/funk/Dreamtool Entertainment GmbH/Elliott Kreyenberg
Schattenseite
© ARD Degeto Film/HR/funk/Dreamtool Entertainment GmbH/Elliott Kreyenberg

Mein deutscher Überraschungshit war die Serie "Schattenseite", in der ARD Mediathek, die mich vor allem interessierte, weil es um Jugendliche und ihre Geheimnisse ging, die nach und nach veröffentlicht wurden und das Leben auf den Kopf gestellt haben. Überzeugend fand ich dabei vor allem, dass die unterschiedlichen Charaktere ebenfalls sehr komplex dargestellt worden und man alle Facetten und unterschiedliche Betrachtungen in der Erzählung berücksichtigt hatte. Für den Zeitraum von einer Woche war das zwar alles sehr verdichtet, aber es hat mir lange nicht mehr so viel Freude gemacht, mich selbst immer wieder in den Graustufen zu bewegen und die Opfer-und-Täter-Rollen so weich gezeichnet und uneindeutig zu betrachten. Das offene Ende lässt für eine zweite Staffel noch sehr viele Möglichkeiten übrig und hier hoffe ich sehr, dass man sich für eine Fortsetzung entscheidet.

Die Serie "Schattenseite" ansehen:

Squid Game, Staffel 3

Foto: Squid Game - Copyright: 2025 Netflix, Inc.
Squid Game
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Eigentlich ist die dritte Staffel nur der zweite Teil der zweiten Staffel, aber die Vermarktungsmaschine hat sich hier natürlich klar für eine lange Pause entschieden, um es so Staffel 3 nennen zu können. Und eigentlich lebt die dritte Staffel auch nur davon, dass es die zweite Staffel zu Ende erzählt und man natürlich wissen will, wie es ausgeht. Dass man dabei durchaus einige Entscheidungen treffen musste, die nicht ganz schlüssig erscheinen, insbesondere die ganze Geschichte rund ums Baby war definitiv ein bisschen sehr heftig, machte letztlich aber nichts aus. Denn auch die dritte Staffel hat es wieder bestens geschafft, den Menschen an sich bloß zu stellen und zu sezieren. Was Menschen alles zu leisten im Stande sind, wozu sie in der Lage sind, wenn es um ihr Überleben geht, das hat "Squid Game" abermals richtig gut in Szene setzen können, sowohl im Guten als auch im Schlechten. Zwischen Aussichtslosigkeit und Hoffnung, zwischen Nächstenliebe und Reichtum spielt sich so viel ab. Und während die einen ums Überleben kämpfen, amüsieren sich die anderen (Reichen) in sicheren Abständen und sehen das alles nur als Spiel an. Perfide, abscheulich und trotzdem eben mitreißend. Man konnte einfach nicht weggucken, selbst wenn man es wollte.

Die Serie "Squid Game" ansehen:

The Last of Us, Staffel 2

Foto: The Last of Us - Copyright: Greg Ruth
The Last of Us
© Greg Ruth

Großes Highlight in 2025 war Ellis Rachefeldzug in "The Last of Us". Dass sie die eigentlich halbwegs sichere Heimat verlässt, um Joel zu rächen, ist ein riesiges Wagnis und eigentlich ist es auch dämlich. Aber es zeigt eben auch, dass selbst in der schlimmsten aller vorstellbaren Welten solche Werte wie Liebe, Freundschaft, Familie sehr viel zu bedeuten haben. Es war jedenfalls wieder sehr ergreifend, wie emotional die gesamte Geschichte erzählt wurde, wie ergriffen man war, wie falsch man Ellies Rache empfand, wie angespannt man angesichts all der Gefahren man war, wie schnell selbst die kleinste Hoffnung wieder zerstört wird und trotzdem auch wieder neue Hoffnung aufkeimt. Man fragt sich jedes Mal, warum sich Menschen immer wieder so viel leid gegenseitig antun, wenn man doch eigentlich ein gemeinsames Ziel haben könnte. Das Schlimmste ist dabei eigentlich nur, dass die Realität dieser Fiktion viel zu nahe kommt und man von der Serie nicht nur belehrt wird sondern irgendwie vor allem auch vorgewarnt. Es gibt also nicht nur einen Grund, die Serie zu gucken, man kann das aus unterschiedlichen Perspektiven auch mehrfach tun. Außerdem unbedingt lesenswert die Reviews zu den Folgen aus Sicht einer Person, die das Spiel gespielt hat.

Die Serie "The Last of Us" ansehen:

Your Friends & Neighbors, Staffel 1

Foto: Jon Hamm, Your Friends & Neighbors - Copyright: Apple TV+
Jon Hamm, Your Friends & Neighbors
© Apple TV+

Wenn ich mehr dazu gekommen wäre, Serien von Apple TV zu schauen, wäre die Liste wahrscheinlich auch voller damit, aber so muss man sich dieses Jahr mit dem Neustart "Your Friends & Neighbors" begnügen. Der Neustart mit Jon Hamm in der Hauptrolle hat sehr viel Freude bereitet, weil er die Welt der Reichen auf normale, emotionale Bedürfnisse runtergebrochen hat und mit Witz und Unverblümtheit aufzeigt, dass die Probleme in Familie, Liebe und Freundschaft irgendwie auch immer die gleichen sind und Geld da überhaupt keine Probleme löst. Und da die Darsteller:innen ihre emotionalen Dilemmata durchweg überzeugend vor die Kamera bringen, entwickelt sich in den wenigen Episoden ein emotionaler Schlagabtausch, der kurzweilig und emotional ist und vor allem immer wieder Sinn ergibt, weil die gesamte Geschichte geschickt aufgebaut und aufeinander abgestimmt ist. Ich freue mich schon sehr auf Staffel 2 und bin froh, dass diese im Vergleich zu anderen Serien auf dieser Liste auch sicher kommen wird.

Die Serie "Your Friends & Neighbors" ansehen:

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