Zeitsprünge in TV-Serien - Dramen und Dramedys

Drehbuchautoren von Fernsehserien haben es manchmal schon nicht leicht. Sie müssen ihren Charakteren durchgehend spannende Geschichten schreiben, bei denen man mitfiebern und Daumen drücken kann. Auch über Staffeln hinweg muss dem Zuschauer eine spannende Idee geliefert werden – und das ist manchmal bei einem Charakter gar nicht so einfach. Denn, mal ehrlich, wie viel Drama hält ein Mensch schon aus, bevor er oder sie wahnsinnig wird? Anstatt aber einfach gar nichts passieren zu lassen, gibt es eine Möglichkeit, um den Protagonisten eine Atempause zu verschaffen und einem eine neue Ausgangssituation für neue Geschichten zu liefern: Der Zeitsprung. Manchmal genügen da schon wenige Monate, manchmal springt man zwischen zwei Staffeln einer Serie auch gleich mehrere Jahre in die Zukunft.

Desperate Housewives

So wurde es auch bei "Desperate Housewives" gehandhabt. Die Macher der Serie waren offenbar der Meinung, dass es wohl Zeit sei, Veränderungen in ihre Serie zu bringen. So sprang die Serie in den letzten Minuten des Finals der vierten Staffel (#4.17 Befreiung) ganze fünf Jahre in die Zukunft und brachten mehr oder weniger große Veränderungen für die Frauen aus der Wisteria Lane mit sich: Bree war nun eine erfolgreiche Kochbuchautorin, Gabrielle - und das war wohl eine der größten Überraschungen - überforderte Mutter zweier Kinder, Lynettes Leben hatte sich dadurch verändert, dass aus ihren anstrengenden kleinen Zwillinge nun anstrengende große Zwillinge wurden und Susan küsste in der allerletzten Szene einen für den Zuschauer fremden Mann, woraus die Frage resultierte, was mit Mike passiert war. Zudem kehrte auch wieder Edie in die Straße zurück, im Gepäck ihren neuen Ehemann Dave, der alles andere als gute Absichten hatte. Die Ausgangssituationen für die fünfte Staffel waren unfassbar interessant, doch leider machte die Staffel einen großen Fehler: Sie fokussierte sich viel zu sehr darauf, was nach diesen fünf Jahren alles passierte, statt darauf, was innerhalb der fünf Jahren geschah. Zwar lieferte man dem Zuschauer zu Beginn noch einige Flashbacks, die mehr oder weniger aufschlussreich waren, aber nach der fünften Folge merkte man gar nicht mehr, dass die Serie einige Episoden zuvor den größten Umbruch ihrer Geschichte vollzog und stattdessen plätscherten die neuen Geschichten vor sich hin, die leider teilweise noch weniger interessant waren als die Geschichten zuvor. Und irgendwann merkte dann auch der letzte Zuschauer, dass der Zeitsprung eigentlich vollkommen unnötig war, da sich die Serie spätestens in der Mitte der Staffel wieder im alten Schema verlor und der frische Wind, den man sich durch den Zeitsprung erhofft hatte, letztendlich nur ein laues Lüftchen war.

Six Feet Under

Foto: Peter Krause, Six Feet Under - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Peter Krause, Six Feet Under
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Ein weiterer, großer Sprung wurde auch zwischen der zweiten und dritten Staffel von "Six Feet Under" gesetzt. In der zweiten Staffel der von Alan Ball konzipierten Drama-Serie steht einer der Hauptfiguren Nate vor einer schwierigen, lebensbedrohlichen Operation. Die Staffel endet mit einem Cliffhanger, bei dem offen bleibt, ob Nate die Operation wirklich überlebt. Der Beginn der dritten Staffel setzt direkt bei der Operation wieder an und es scheint, als ob Nate die Operation nicht überlebt hat, doch relativ schnell wird klar, dass er dem Tod doch noch von der Schippe springen konnte. Danach springt die Serie sieben Monate nach vorn, Nate hat sich von der Operation erholt und ist gesund. Der Sprung wird nicht durch eine schriftliche Einblendung deutlich gemacht, sondern nur durch eine Dialogzeile und durch die zunächst äußerst merkwürdig anmutende Tatsache, dass Nate plötzlich Vater eines kleinen Mädchens ist und ebenso verheiratet mit seiner Jugendfreundin Lisa. Zunächst verwirrt dieses Überspringen grundlegender, einschneidender Ereignisse, doch relativ schnell wird das Gefühl der Verwirrtheit ersetzt durch Faszination, die dem Zuschauer zum nach- und mitdenken bringt. Ein Zeitsprung, der durch seine unerwartete Plötzlichkeit nachhaltig im Gedächtnis bleibt und der bei jedem Zuschauer wohl unterschiedliche Gefühle auslöst.

Brothers & Sisters

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Achtung! Der Text enthält Spoiler!

Doch auch andere Drama-Serien haben sich der Erzähltechnik des Zeitsprungs bereits bedient. So sehen wir einen solchen auch in "Brothers & Sisters", eine Serie über das Leben einer Großfamilie in Los Angeles. So kann man den Inhalt der Serie in einem Satz zusammen fassen – und am Ende der vierten Staffel hat die Familie wieder einige Probleme. Der gerade frisch verheiratete Justin scheint, anstelle bei seiner Frau zu sein, lieber zurück nach Afghanistan zu gehen, was nicht nur ihre Ehe zerstören könnte, sondern auch seiner Mutter die Erde unter den Füssen wegreißt. Doch darum macht er sich keine Gedanken, er möchte nur seinen Karameraden helfen. Im Gegenzug dessen gibt es bei einem anderen Walker einen Grund zum Feiern. Kevin und Scotty sind glücklich, da sie erst vor kurzen erfahren haben, dass ihre Leihmutter schwanger ist. Nun müssen sie nur noch neun Monate auf ihr Baby warten und auch bei Kitty und Robert läuft es besser. Die beiden haben sich nach ihren vielen Streits wieder versöhnt. Auch im beruflichen Sinne scheint bei der Familie alles gut zu laufen, denn obwohl sie die Firma verkaufen mussten, hat sich doch eine Quelle des Geldes aufgetan. Eigentlich müsste also alles richtig laufen, doch dann passiert etwas Schreckliches. Die komplette Familie wird in einen Autounfall verwickelt. Und während Kevin und Scotty, genau wie Justin und Rebecca unverletzt bleiben, werden Robert und Holly schwer verletzt und kämpfen um ihr Leben. Und genau hier setzten die Seriemacher einen Sprung ein. Die fünfte und letzte Staffel der Serie beginnt ein Jahr später. Justin ist wieder zurück aus dem Krieg und von Rebecca getrennt. Kevin und Scottys Traum von einer Familie ist zerbrochen und, auch wenn es unwahrscheinlich ist, ist keiner gestorben. Robert überlebt den Unfall schwer verletzt und befindet sich seit diesem Tag im Koma. Und erst nach einem Jahr sieht die trauernde Kitty ein, dass für Robert keine Überlebenschance besteht und lässt die Geräte ihres Mannes abschaltet. Auch Holly wurde bei dem Unfall ernsthaft verletzt. Seit diesem Tag leidet sie an einer erheblicher Amnesie, die es fertig bringt, dass sie sich selbst an ihre eigene Tochter nicht mehr erinnert. Für Rebecca, die gleichzeitig ihre Mann und ihre Mutter verloren hat, ist dies ein Schock. Die Probleme im Hause Walker sind größer geworden, in einem Jahr ist viel passiert.

Aber warum wurde ausgerechnet diese Serie für einen Zeitsprung ausgewählt und warum wurde er genau nach dieser Staffel gemacht? Zum einen hat es wohl etwas damit zu tun, dass sich die Serie schon in der fünften Staffel befindet und ein Zeitsprung neuen Wind in eine jede Serie bringt. Die Charaktere haben sich weiter entwickelt, Beziehung sind zerbrochen, andere gefestigt worden. Es sind viele Dinge passiert, ohne dass man sie mitbekommen hat und dies erhöht auf jeden Fall die Spannung der Zuschauer. Zum anderes wollte man diesen Verkehrsunfall und den darauffolgenden Tod von Robert nicht in den Vordergrund der Serie rücken, was ihnen damit gelungen ist. Zwar sehen wir, wie er ein Jahr nach dem Unfall stirbt, dennoch scheint es so, dass Kitty es durch die lange Zeit im Koma viel schneller verarbeiten kann und schnell wieder in die Zukunft blicken kann. Vielleicht auch ein Grund diesen Schritt zu gehen war der Wunsch von Rob Lowe die Serie zu verlassen. Somit mussten die Serienerfinder einen Weg finden, Robert McCalister aus der Serie zu schreiben. Und auch wenn die Serie dafür bekannt ist, immer viele dramatische Storylines zu besitzen, hatte dies für alle Zuschauer etwas Neues. Es ist wirklich viel passiert in einem Jahr und erst im Laufe der ersten Folgen erfahren wird richtig, was alles passiert ist. Der Zeitsprung hat der Serie einen neuen Schwung gegeben, was die Freunde am zuschauen sehr gefördert hat.

Manuel H., Moritz Stock & Pia Klose - myFanbase

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