Dallas (2012) - Review

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"Dallas" wurde von 1978 bis 1991 ausgestrahlt. Es gab 14 Staffeln, 357 Episoden und zwei anschließende TV-Filme, 1996 und 1998. Die Serie machte Stars wie Patrick Duffy und Linda Gray weltberühmt und Larry Hagman als J.R. Ewing, den Charakter, den man hasst zu lieben, zur Legende. Die Serie zog überwältigende Aufmerksamkeit auf sich, als der Cliffhanger der dritten Staffel zeigte, wie jemand aus nächster Nähe auf J.R. schießt, den der Zuschauer aber nicht sehen kann. Und wer "Dallas" bis dahin verfolgt hatte, wusste, dass J.R. genügend Personen in dem Maße gegen sich aufgebracht hatte, dass sie als Schütze in Frage kämen. Das Thema "Who shot J.R.?" beschäftigte einen Sommer lang die USA so sehr, dass es sogar in den Nachrichten gebracht wurde. Der Staffelauftakt der folgenden Staffel hat entsprechend dann auch die zweithöchste Einschaltquote einer TV-Episode aller Zeiten mit ca. 83 Millionen Zuschauern. Auch der Ausstieg Patrick Duffys, der mit Bobby Ewings Tod im Finale der achten Staffel begründet wurde, erregte überaus großes Aufsehen, denn Duffys Karriere wollte nicht so recht zünden, so dass Duffy sich für eine Rückkehr entschied. In der legendären "Duschszene" im Finale der neunten Staffel erfreute Bobby sich bester Gesundheit und die komplette Staffel 9 samt allen Handlungssträngen wurde kurzer Hand zu einem Traum Pamela Ewings erklärt. Vielerseits wird dieser Moment als Jump-the-Shark-Moment der Serie angesehen. Sie lief aber noch lange weiter und war zum Beispiel auch die Plattform, auf der das breite Publikum 1987 Brad Pitt das erste Mal sah.

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Nun wurde diese Saga wieder aufgenommen, zum Glück nicht als Remake, sondern als Fortsetzung. Patrick Duffy, Linda Gray und Larry Hagman kamen an Bord, "Dallas"-Erfinder David Jacobs gab sein Ok und die junge Generation wurde mit attraktiven Gesichtern und Fanlieblingen neu besetzt. Und das Konzept ging auf. Die neue Staffel "Dallas" (2012) ist eine würdige Fortsetzung der Hochglanz-Soap, und das ist in erster Linie der Tatsache zu verdanken, dass man dem Original treu geblieben ist. Die Erkennungsmelodie und der Vorspann sind in ihrer Machart übernommen und nur ein wenig modernisiert worden, so dass ein Fan der alten Serie schon in diesen ersten Sekunden feuchte Augen und eine Gänsehaut bekommt. Weiterhin sind die obligatorischen Cowboyhüte geblieben und es wird an Originalschauplätzen wie der Southfork Ranch gedreht.

Die Handlung konzentriert sich auf J.R.s Sohn John Ross (Josh Henderson) und Bobbys Sohn Christopher (Jesse Metcalfe), die ganz nach alter Ewing-Manier miteinander im Clinch liegen. Obwohl sie gemeinsam aufgewachsen sind und sich beizeiten auch gut verstanden haben, ist John Ross in die Fußstapfen seines Vaters getreten und kennt keine Moral im Geschäft. Immer den Ewing-Namen vorschützend nimmt er sich, was er kriegen kann, und nimmt wenig Rücksicht auf Verluste. Die Abgebrühtheit seines Vaters aber kann John Ross sicherlich nicht vorweisen, er ist ein Heißsporn, impulsiv und mit viel Gefühl bei der Sache, arbeitet er doch mit seiner Freundin Elena Ramos (Jordana Brewster) zusammen, mit der er seine Erfolge teilen will, und nicht zuletzt ist sein größter Wunsch, mit seinem Handeln seinen Vater stolz zu machen. Letzteres war zwar auch immer J.R.s größter Wunsch, er kam jedoch in der Regel mit sehr viel mehr Skrupellosigkeit und Grausamkeit zum Ziel und zeigte definitiv nach außen hin weniger Schwächen als John Ross.

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Möchte man hier also eine Figur schaffen, die dem alten J.R. ebenbürtig ist, hat man noch einen weiten Weg vor sich, denn John Ross ist derzeit auf jeden Fall ein Sympathieträger. War J.R. auch manchmal ein geprügelter Hund, mit dem man Mitleid haben konnte, so überwog doch meist der Zwiespalt zwischen dem Moment der Entrüstung gegenüber seiner unmoralischen Haltung und dem Moment, wo er Zuschauer wie auch Gegenspieler wieder um den Finger gewickelt hatte. John Ross ist im Vergleich dazu noch mehr der vernachlässigte Welpe, den man ins Herz schließen und dem gegenüber man noch nicht wirklich allzu große Entrüstung verspüren kann, da zumindest die Motivation für sein Handeln noch immer nachvollziehbar ist und er im Grunde seines Herzens ein guter Junge ist. J.R. demütigte und verletzte ihm nahestehende Menschen zum Vergnügen, davon ist John Ross weit entfernt.

Nun braucht die Serie aber auch noch keinen zweiten J.R., denn der tatsächliche J.R. läuft auch im Alter noch zu Höchstformen auf. Das erste Wiedersehen mit Larry Hagman und seinen faszinierenden Augenbrauen findet im Pflegeheim statt, Bobby besucht J.R. dort, der völlig weggetreten zu sein scheint. Was der gutmütige und offensichtlich nach 20 Jahren immer noch nicht schlauer gewordene Bobby nicht weiß, was der Zuschauer aber im ersten Moment schon vermutet, bewahrheitet sich am Ende der Staffelpremiere: J.R. führt etwas im Schilde und erfreut sich mit seinen 80 Jahren bester Gesundheit. Die Einstellung, als J.R. am Ende der Episode im Pflegeheim seinen Cowboyhut aufsetzt und sein typisches freches, eiskaltes Lachen hören lässt, zaubert dem echten "Dallas"-Fan ein sehr sehr breites Grinsen ins Gesicht. Das ist wieder "Dallas", wie es immer war, nur 20 Jahre später.

J.R. manipuliert sich munter durch die Familienangelegenheiten sowie durch die Geschäfte, die sein Sohn angeleiert hat. Er ist so erfahren und gerissen, dass er sich alles im Handumdrehen unter den Nagel reißt, dabei noch ein wenig mit Sue Ellen flirtet, die ihm nichts anderes als wohlwollende Verachtung entgegenbringt, und wie eh und je Bobby auf Trab hält, der nie was anderes als Frieden mit J.R. wollte, da er nie aufgehört hat, eine gewisse Achtung vor seinem großen Bruder zu haben. Dabei hat Bobby eigentlich genug mit sich selbst zu tun, denn er hat Krebs, landet innerhalb dieser zehn Episoden zweimal im Krankenhaus und leistet damit seinen Beitrag, den Dramalevel dieser Hochglanz-Soap immer am Anschlag zu halten. Auch John Ross übernimmt einen gewissen Anteil an Lebensgefahr, als er - natürlich wegen nichts Geringerem als Mordverdacht - ins Gefängnis kommt und dort von einigen Hintermännern seines Geschäftspartners verprügelt wird. Dieser skrupellose venezuelanische Geschäftspartner wird von Carlos Bernard wunderbar verkörpert, dennoch gibt es keine Szene, die auch nur annähernd so bedrohlich wirkt wie die, als J.R. in einem Barbershop beim Nassrasieren mit einer messerscharfen Klinge am Hals seines Sohnes diesem erklärt, wo's langgeht.

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Eine andere Person allerdings hat das Potenzial, an die Fiesheit J.R.s heranzukommen, der nebenbei erwähnt auf seine alten Tage immerhin so weich geworden ist, dass er seinen Sohn sowie seinen Bruder sogar im Krankenhaus besucht. Die andere Person, die einen Hang zur Rücksichtslosigkeit und Machtgier zur Schau stellt, ist der Ex-Mann von Bobbys neuer Ehefrau Ann (Brenda Strong). Mitch Pileggi hat in verschiedenen Rollen schon gezeigt, dass er ein breites Spektrum zu bieten hat, aber in der Rolle des eiskalten Anzugträgers, der es genießt, Macht zu demonstrieren, ist er ein richtiger Scene-Stealer, von dem ich gerne mehr sehen würde.

Christopher ist als der Gutherzige und Vernünftige der Ewing-Cousins angelegt und wirkt somit wie Bobby damals zunächst ein wenig fad. Mit der Zeit aber bekommt auch er mehr Ecken und Kanten und wirkt im Grunde entschlossener und durchsetzungsfähiger als John Ross. Er muss sich in seiner jungen Ehe damit herumschlagen, dass er von seiner Frau und ihrem angeblichen Bruder hereingelegt wurde, ohne wirklich zu wissen warum. Genauso wie John Ross widerfährt ihm ein Übel nach dem anderen, er löst beim Zuschauer aber keinen Beschützerinstinkt aus, da er in der Regel Herr der Lage bleibt. So ist auch er derjenige, der John Ross aus seiner brenzligen Lage retten kann, was eine herrlich lockere Basketball-Szene der Cousins nach sich zieht, die einen für die beiden in einem Maße rooten lässt, wie es bei J.R. und Bobby nie der Fall war.

Elena Ramos ist für mich ebenso wenig Sympathieträgerin wie Rebecca (Julie Gonzalo). Elena steht zwischen Christopher und John Ross und sorgt damit für das Liebesdreieck, das wohl als Anstoß dienen soll, John Ross endgültig wie J.R. werden zu lassen. Rebecca sorgte ihrerseits für das Staffelmysterium, denn wenn man die Stammbäume der Originalfiguren nicht haargenau im Gedächtnis hatte, konnte man nicht darauf kommen, wie ihre wahre Identität ist. Interessanterweise wurde diese allerdings am Ende der Staffel als Cliffhanger präsentiert und bietet genug Brennstoff für viele weitere Intrigen.

Fazit

Liebe, Intrigen, Habgier und Hass - die Ewings sind wieder da, und es macht Spaß, sich wieder mit ihnen auf Achterbahnfahrt zu begeben!

Nicole Oebel - myFanbase

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