Bewertung

Review: #4.02 Tod, überall Tod

Foto: Danai Gurira, The Walking Dead - Copyright: Gene Page/AMC
Danai Gurira, The Walking Dead
© Gene Page/AMC

Nur eine Episode hat der neu gefundene Pazifismus von Rick gehalten, eher er erkennen musste, dass es in der Welt, in der sie sich alle mittlerweile befinden, keinen Platz mehr dafür gibt. Es war sicherlich keine neue Erkenntnis für die Zuschauer, aber es war für Rick eine Notwendige. Auch wenn das Gefängnis ihnen einen gewissen Schutz bietet, in einer Welt, in der der Tod allgegenwärtig ist und Menschen selbst nach ihrem Ableben eine todbringende Gefahr bilden, gibt es so etwas wie ein normales Leben einfach nicht mehr.

"All this time you've been taking off, you earned it. We wouldn't be here without you."

Es ist schon unglaublich deprimierend, dabei zuzusehen, wie das, was Rick sich in den letzten Wochen aufgebaut hat, Stück für Stück auseinander bröckelt. Natürlich versteht man, dass er nach dem Kampf mit dem Gouverneur, bei dem er sich selbst und auch seinen Sohn fast verloren hat, nach etwas Normalität sucht und sich selbst etwas Ruhe gönnen will. Seit seiner Rückkehr zu der Gruppe in Atlanta hat er die Verantwortung für etliche Menschen übernommen und musste mitansehen, wie einer nach dem anderen starb. Wie Daryl es so treffend ausdrückte, er hat es sich verdient, etwas Abstand zu gewinnen. Aber dies kann in einer Welt wie dieser einfach nicht von Dauer sein.

Mir bricht fast das Herz, als Rick sich irgendwann auf den Anhänger des Trucks schwingt und seine gezüchteten Ferkel opfern muss, um die Horde an Beißern von dem Zaun am Gefängnis wegzulenken, der allmählich unter ihrem Druck nachzugeben droht. Seine Verzweiflung, als er das letzte Schwein quiekend vor Angst den Beißern vor die Füße wirft, ist in diesem Moment wirklich greifbar. Auch wenn immer wieder das Schauspiel von Andrew Lincoln kritisiert wird, in diesem Moment schafft er es eindrucksvoll, Rick als einen gebrochenen Mann darzustellen, der erkennt, dass es für sie alle in dieser Welt keine Hoffnung mehr geben kann. Und ich als Zuschauer komme nicht umhin, mir vorzustellen, wie genau ein Ende dieser Serie aussehen soll, denn wenn man die Comics kennt, so weiß man, dass es für niemanden jemals ein Happy End geben kann.

"Lizzie, those are walkers. You don't feel bad about that walker dying."

Trotz dieser Trostlosigkeit gibt es auch ein paar sehr schöne Momente. Es ist gut zu sehen, dass die Gruppe um Glenn, Daryl, Carol und Hershel ohne Rick nicht vollkommen kopflos agiert, sondern durchaus in der Lage ist, selbst zurecht zu kommen. Dass sie jedoch auch auf seine Eingebungen und Vorschläge bauen, zeigt doch, wie sehr die Gruppe mittlerweile aufeinander vertraut. Ein jeder nimmt einen gewissen Platz ein und sie sind über die Zeit eine kleine Familie geworden, die zusammenhält, egal was passiert und nur überleben kann, wenn sie alle zusammen arbeiten.

Vor allem Carol hat sich zu einer Art Ersatzmutter für die neu angekommenen Kinder im Gefängnis entwickelt und kümmert sich aufopferungsvoll um diese. Dabei verfällt sie jedoch niemals in die Vorstellung, dass sie ihnen weiß machen könnte, dass es in dieser Welt einen Platz für Sorglosigkeit gibt. Vielmehr gibt sie ihnen zu verstehen, dass sie jederzeit auf der Hut sein müssen und im Ernstfall nicht davor zurückschrecken dürfen, eine Entscheidung zu treffen. Es ist sicherlich nicht einfach für sie zu sehen, wie zwei der Mädchen ihren Vater verlieren und eine von ihnen, Lizzie, fast daran verzweifelt. Doch Carol hat genug Erfahrung, um die beiden in dieser Zeit eine Stütze zu sein. Wenn man bedenkt, dass sie selbst vor gar nicht allzu langer Zeit ihre Tochter verloren hat, so ist es doch bemerkenswert zu sehen, wie sie sich entwickelt hat. Aber ihr blieb eigentlich auch nichts anderes übrig.

Nun wird die Gemeinde von einem neuen potentiellen Feind bedroht – einem Grippevirus. Oder etwas ähnlichem, das nicht nur Tiere in unglaublich schneller Zeit dahinrafft, sondern auch Menschen innerhalb kürzester Zeit zum Ableben bringt. Das bedrohliche an der ganzen Sache ist, dass niemand weiß, mit was genau er es zu tun hat oder wie die Erkrankung sich verbreitet. Es gibt keine Untersuchungsmöglichkeiten und keine Behandlungsstrategie. Alles, was die Bewohner des Gefängnisses tun können, ist die Menschen zu isolieren, die irgendwelche Symptome zeigen.

Und das tut man auch mit Karen und einem weiteren Mann, der Symptome zeigt, was am Ende zu einem interessanten Cliffhanger führt. Als Tyreese seine neue Flamme Karen besuchen will, muss er erkennen, dass sie und der zweite Kontaminierte in den Vorhof gezerrt wurden, wo sie elendig verbrannt sind. Nun stellt sich die Frage, wer dafür verantwortlich ist. Das wird in der nächsten Episode sicherlich noch für viel Gesprächsstoff sorgen.

Randnotizen

In einer kleinen Szene zeigt sich ganz plötzlich die Zerbrechlichkeit von Michonne und macht sie ein ganzes Stück menschlicher. Beth übergibt ihr für einen kurzen Moment die kleine Judith und Michonne bricht bei ihrem Anblick in Tränen aus. Man kann daraus wohl schließen, dass Michonne vor nicht allzu langer Zeit selbst ein Kind verloren hat. Es ist wirklich an der Zeit, endlich ihre Vergangenheit etwas näher zu beleuchten und sie nicht immer als die kühle Kriegerin darzustellen, die keinen Anschluss an eine Gemeinschaft braucht. Diese kleine Szene in dieser Episode war auf jeden Fall der richtige Schritt.

Leider verfehlt man auch in dieser Episode, den Neuankömmlingen etwas mehr Profil zu geben. Vielmehr hat man das Gefühl, dass sie allesamt nur eingeführt worden, um irgendwann als Zombiefutter zu enden. Selbst der damals so ungeduldig erwartete Tyreese ist noch immer völlig profillos und nichts weiter als eine Randfigur. Durch den Tod seiner neuen Flamme Karen wird sich dies hoffentlich ändern.

Fazit

Auch wenn weiterhin noch nicht klar ist, in welche Richtung sich die Staffel entwickeln wird, so gibt es doch auch dieses Mal wieder eine ausgewogene Mischung aus Action und ruhigen Momenten, so dass die Episode am Ende wirklich interessant ist. Wenn man es jetzt noch schafft, alle Charaktere in interessante Geschichten zu verwickeln, dann steht einer erfolgreichen Staffel nichts im Weg.

Melanie Wolff - myFanbase

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