Lie to Me - Review, Staffel 2

Foto:
Die zweite Staffel von "Lie to Me" jetzt bei Amazon bestellen
Foto: Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
© Twentieth Century Fox Home Entertainment

Nach einer bemerkenswerten ersten Staffel von "Lie to Me" und hervorragenden Quoten in den USA und Deutschland folgte sogleich eine zweite Staffel, diesmal sogar mit 22 Episoden. Sicherlich ist das Gesichterlesen das Faktum, was "Lie to Me" auszeichnet, aber man kann sich auf Dauer nicht nur auf spannende Fälle stützen. Es muss etwas Neues her und das haben auch die Produzenten erkannt. Sie lassen die zweite Staffel explosiver, dramatischer und vor allem eines, schwachsinniger werden. Man schaltete mit hohen Erwartungen nach einer brillanten ersten Staffel in die nächste ein und wird - so bitter es auch ist - maßlos enttäuscht.

Die erste Episode beschäftigt sich wieder mit einem interessanten, aber etwas verstörenden Fall. Lightman muss einer Frau mit gespaltener Persönlichkeit helfen, was schwer zu analysieren ist. Zudem wird ausgerechnet Ben Reynolds vom FBI von nun an zum Hauptcast dazugehören. Als wäre das nicht genug, taucht wieder einmal Lightmans Exfrau Zoe, die in der ersten Staffel einige Male einen kleineren Auftritt hatte, auf und sorgt für Trubel. Insgesamt wirkt die erste Folge sehr vollgestopft, aber die Mängel der ersten Staffel wurden zumindest erkannt und der Versuch, den Charakteren mehr Tiefe zu verleihen, ist also da.

Fangen wir mit dem Positivem der zweiten Staffel an. Es ist deutlich bemerkbar, dass vor allem Gillian Foster einen wesentlich höheren Part bekommt. Die interessante Beziehung zwischen ihr und Cal entwickelt sich fort und man merkt deutlich, dass beide mehr als nur beste Freunde sind. Zudem scheint ihre kühle Fassade zu bröckeln und so wird eine neue, verletzlichere Seite von ihr gezeigt. Auch Ria Torres bekommt mehr Screentime. Vor allem erfährt man mehr aus ihrer Vergangenheit, zum Beispiel, dass sie eine Halbschwester hat, die noch eine Rolle spielen wird. Auch ihren Charakter lernt man besser kennen und verstehen. Sogar Loker darf in einigen wenigen Episoden sein Talent unter Beweis stellen und kämpft um Lightmans Gunst. Am besten aber wird Emilys Charakter hervorgehoben, um auch Cals Schwachpunkt aufzuzeigen. Emily ist im richtigen Teenageralter und möchte Dinge wie Partys ausprobieren. Klar, dass ihr Vater das nicht auf die lockere Schulter nimmt und dementsprechend herrlich amüsante Szenen zwischen den beiden entstehen. Die Vater-Tochter-Beziehung, die man in der ersten Staffel vermisst hat, kommt hier immer mehr zur Geltung und Emily wächst zu einem sympathischen Charakter heran.

So gut man die Charakterentwicklungen hinbekommen hat, so schnell macht man sie auch zunichte. Das angedeutete Knistern zwischen Torres und Loker wird in der zweiten Staffel konsequent ignoriert, nur, um in der vorletzten Episode wie aus dem Nichts einen Kuss zu erzwingen. Endlich, für viele Fans der beiden, aber das Warten hat sich dennoch nicht gelohnt, denn der Kuss scheint am nächsten Tag nie passiert zu sein. Was aus den beiden wird, könnte die dritte Staffel offenbaren, aber zum Einschalten wird sie mich dennoch nicht bewegen können, denn das Hin und Her zwischen Ria und Eli ist nicht mal das Schlimmste.

Was die Stories angeht, so wird deutlich, dass man mit dem Tempo der ersten Staffel nicht mehr mithalten kann. Anders gesagt, den Produzenten scheinen die Ideen auszugehen. Über eine sinnlose Geiselnahme in der Lightman Group kann man noch hinwegsehen, aber spätestens die sechste Episode zeigt, dass "Lie to Me" an Fahrt verliert. Im Vordergrund steht Ben Reynolds, der einen nichtssagenden FBI Agenten darstellt, zu dem man einfach keinen Zugang findet. Er ist ein gewissenhafter Agent und hilft Lightman so gut er kann, aber ihn zeichnet nichts Spezifisches aus, so dass er einem mehr oder weniger egal ist. Nur die elfte Episode konnte mit einem nervenaufreibenden Fall glänzen, ansonsten können die Fälle nicht mehr mitreißen. Vor allem scheinen viele Handlungsstränge an den Haaren herbei gezogen und unrealistisch. Die Einzelfälle von der ersten Staffel wurden komplett über Bord geworfen, stattdessen kommt die FBI immer mehr zu Tragen. Je brutaler und gefährlicher, desto besser, scheint das neue Konzept zu sein und so muss Lightman immer absurdere Fälle lösen, die längst nichts mehr mit dem alten "Lie to Me" gemeinsam haben. Stattdessen möchte man eine große Show mit viel Publicity und internationale Fälle, die eher Politthrillern gleichen, nur um einiges schlechter. Immerhin bleibt Dr. Cal Lightman sich selbst treu, denn er ist so genial und pfiffig wie in der ersten Staffel. Sein Wortwitz ist charmant wie eh und je, doch das kann den fortschreitenden Untergang der Serie nicht mehr verhindern.

Der Tiefpunkt wird ab der siebzehnten Episode und folgende erreicht. Während man die Torres und Lokers Beziehung schon abgeschrieben hat und auf einen Kuss zwischen Cal und Gillian hofft, funkt die nervige Clara Musso, gespielt von Melissa George, dazwischen. Leider muss man feststellen, dass auch Zoe wieder eine größere Rolle in Cals Leben annimmt und nur noch für nervige Szenen oder gar Episoden sorgt. Doch die absurdeste und langweiligste Geschichte ist ohne Zweifel die plötzliche Beziehung zwischen Gillian und Dr. Burns, der noch unbeliebter als Ben Reynolds ist. Dr. Burns verbirgt etwas und während das den Zuschauern schon ab der ersten Minute klar ist, braucht Gillian eine ganze Weile um das herauszufinden. Das macht nicht nur Gillian unbeliebt, sondern sorgt auch für die wohl schlechtesten Episoden mit unsinnigen Drogendealerbanden, die sowieso niemanden interessieren. Das Staffelfinale möchte dann, wie zuvor beim Finale der ersten Staffel, spannend und brisant sein, zieht sich aber unnötig in die Länge, sodass man froh ist, wenn die Folge endlich vorbei ist. Und die Tatsache, dass Agent Reynolds angeschossen und ums Überleben kämpft, ist auf Grund seines mangelhaften Charakters sowieso belanglos. So war die Serie schon ab der Hälfte der zweiten Staffel für mich abgeschrieben. Ähnlich wie bei der Erfolgsgeschichte von "Heroes" wird "Lie to Me" zuerst in den Himmel gelobt, um dann zu enttäuschen und so kann man sich die dritte und letzte Staffel getrost schenken.

Fazit

Die zweite Staffel sollte das Manko der ersten Staffel beheben, jedoch enttäuscht sie völlig. Die Storylines sind absurd und an den Haaren herbeigezogen, das Konzept der Serie wird über Bord geworden und die Chance, den Charakteren mehr Tiefe zu geben, vergibt man völlig. So kommt das Aus der Serie am 10. Mai 2011 nicht überraschend. Was in der dritten und letzten Staffel passiert, konnte mich aufgrund der katastrophalen zweiten Staffel nicht zum Einschalten bewegen. Schade, dass das Potential von "Lie to Me" so schlecht verwertet wurde.

Tanya Sarikaya - myFanbase

Zur "Lie to Me"-Übersicht