DVD-Rezension: "Black Box", Staffel 1

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DVD | Blu-ray

Der Ausdruck "Black Box" wird in der Psychologie als Metapher für Prozesse im Gehirn genutzt, die sich noch nicht ganz erklären lassen. Aber auch für das Gehirn selbst, da man über das Organ noch so wenig weiß, dass es den Forschern bis heute ein Rätsel ist. Die kurzlebige ABC-Serie beschäftigt sich genau mit diesem Thema und man begleitet Dr. Catherine Black in ihrem Klinik- und Privatalltag. Doch was nur Dr. Black, die Familie ihres Bruders und ihre Psychologin Dr. Helen Hartramph (Vanessa Redgrave) wissen, dass sie selbst an einer psychischen Störung leidet.

Inhalt

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Dr. Catherine Black (Kelly Reilly) wird als Marco Polo der Neurowissenschaft gefeiert, die selbst heimlich an einer Bipolaren Störung leidet. Um einen Kick zu bekommen oder sich besser konzentrieren zu können, setzt sie des Öfteren ihre Medikamente ab, um so manisch-depressive Schübe zu erleben. Ihr Verhalten verändert sich komplett, sie wandelt sich von der ruhigen, verantwortungsbewussten Person, zu jemandem, der sexhungrig ist, laut und aggressiv wird. Doch niemand aus ihrem beruflichen Umfeld weiß von ihrer Krankheit und sie versucht auch alles, damit es so bleibt. Denn dieses Wissen, würde sie ihren Job kosten. Im Privaten ist Dr. Black mit Will (David Ajala), einem Küchenchef liiert und muss sich mit den Folgen auseinander setzen, ihre Tochter als Baby abgegeben zu haben. Esme (Siobhan Williams) ist bei Catherines Bruder Joshua (David Chisum) und dessen Frau Reagan (Laura Fraser) aufgewachsen, unwissend darüber, wer ihre echte Mutter ist. Man erlebt Dr. Black sowohl als praktizierende Ärztin, die immer den richtigen Zugang zu ihren Patienten zu haben scheint, als auch in ihrem Privatleben, das nicht immer so läuft, wie sie es sich wünscht.

Rezension

Foto: Kelly Reilly, Black Box - Copyright: Concorde Home Entertainment
Kelly Reilly, Black Box
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Dass ein interessantes Thema nicht gleich eine super Serie macht, hat man inzwischen schon einige Male gesehen. Nicht anders ist es bei "Black Box". Inwieweit die Behauptungen stimmen, dass "Black Box" eine schlecht gemachte Kopie von "Dr. House" ist, kann ich jedoch nicht beurteilen, da ich "Dr. House" nie gesehen habe. Die Serie ist eine Mischung aus Procedural und Serial, wobei die Fall-der-Woche Themen interessanter sind als die übergeordnete Handlung. Die Psychosen der Woche sind fast allesamt interessant und besonders positiv ist die Darstellung der Symptome. Der Zuschauer sieht durch die Augen des Patienten und nimmt, so wie dieser, seine Umwelt wahr. Die Hauptstory ist leider teilweise sehr vorhersehbar, so dass man in dieser Hinsicht nicht überrascht wird. Die Story um Esme, die Tochter von Black, die einen wunderbaren Twist hätte abgeben können, wurde leider schon im Piloten für den Zuschauer aufgelöst und somit wurde einiges an möglichem Potential verschenkt. Die Nebencharaktere haben leider auch alles andere als Tiefe und deren Geschichte lässt einen von daher auch relativ kalt. Auch die Beziehung und deren weiterer Verlauf von Dr. Black (Kelly Reilly ) und Will (David Ajala) hat mich einige Male meine Augen rollen lassen. Hier wird den beiden unnötiges Drama gegeben, dass weder die Beziehung der beiden noch die Geschichte großartig voranbringt, sondern nur dafür zu sorgen scheint, dass die beiden sich streiten und wieder vertragen können. Auch mit dem erfolgreichen Chirurgen Dr. Bickman (Ditch Davey), der überheblich wirkt und an Dr. Black interessiert zu sein scheint, schafft man eine Storyline, bei der von vorne herein klar ist, wie sie wohl enden wird. In einem Anfall ihrer Manie, verführte Black Bickman, seitdem ist er auf Wiederholung aus. Obwohl Catherine seinen Avancen aus dem Weg geht und sich auf ihre Verlobung mit Will beruft ist doch klar, dass sie sich am Ende eher für den Doktor als für den Küchenchef entscheiden wird.

Foto: David Ajala & Kelly Reilly, Black Box - Copyright: Concorde Home Entertainment
David Ajala & Kelly Reilly, Black Box
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Bis auf in der ersten Episode wird Catherines Krankheit in der ersten Hälfte der Staffel gar nicht mehr thematisiert, was sehr schade ist. Denn die Auswirkungen, die mit der Absetzung ihrer Medikamente einhergehen, gehören zu den sehenswerteren Szenen der Serie. Zudem scheinen auch die meisten ihrer Kollegen an irgendeiner Art psychischer Krankheit zu leiden. So zum Beispiel die Radiologietechnikerin, die sich ein geheimes Zimmer in ihrer Station eingerichtet hat, da sie unter Agoraphobie leidet, also der Angst nach draußen zu gehen.

Erst in der viertletzten Episode der Serie spielt Catherines Krankheit wieder eine tragende Rolle. Bei der Bearbeitung eines Falls von Tollwut bei einem Mädchen, setzt Catherine erneut die Medikamente ab, und arbeitet die ganze Nacht durch, um eine Lösung zu finden. Als später auch ihren Kollegen auffällt, dass sie sich seltsam verhält, greift sie zu einer Notlüge, die sie später noch in Schwierigkeiten bringen wird. Dass ihre Krankheit nicht für immer unentdeckt bleiben kann, macht das ganze spannend. Man wartet nur darauf, dass sie sich doch eines Tages verrät. Oder sie sich oder einen ihrer Patienten in ihrer manischen Phase schädigt.

Foto: Kelly Reilly, Black Box - Copyright: Concorde Home Entertainment
Kelly Reilly, Black Box
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Mit der Verkomplizierung ihres Privatlebens und der plötzlichen Wirkungslosigkeit ihrer Medikamente, verschlimmert sich Dr. Blacks Zustand zusehends. Es geht so weit, dass sie den Rat ihrer Kollegin missachtet, in der Stadt zu bleiben, und so ihr Trip nach Harvard in einer Katastrophe für sie endet. Catherine in ihrer größten Höhe der Manie zu erleben, ist sehr sehenswert für den Zuschauer wie sich Angst, Paranoia und ihr Freiheitsdrang mit ihrer Überheblichkeit vermischen und sie nicht mehr Herr ihrer Sinne ist. Schade, dass man während der Staffel nicht mehr solcher Einblicke erhalten hat. Da hätte eher die Flashback-Szene mit ihrem Vater gekürzt werden können, um so mehr von ihrer Manie, oder der Depression ihrer Mutter zu sehen.

Die Serie endet leider fast auf ihrem Höhepunkt, sodass man fast doch noch um die Absetzung trauert. Denn gerade in der letzten Episode #1.13 Konsequenzen, werden die Fäden aus ihren privaten und beruflichen Problemen und Verheimlichungen geschickt in die Episode verpackt. Wie der Titel schon sagt, muss sich Catherine mit den Fehlern aus ihrer Vergangenheit und den daraus resultierenden Konsequenzen auseinander setzen und steht am Ende vor einem Trümmerhaufen. Dass der Zuschauer, nie erfahren wird, wie Catherine damit umgehen wird und ob sie dies überhaupt zu bewerkstelligen weiß, oder ob sie sich nun ganz ihrer Krankheit hingeben wird, ist äußerst schade.

Foto: Kelly Reilly & Ditch Davey, Black Box - Copyright: Concorde Home Entertainment
Kelly Reilly & Ditch Davey, Black Box
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Schön zu sehen war der Gastauftritt von Edward Herrman, welcher in zwei Episoden einen ehemaligen Chirurgen darstellt, der aufgrund eines Gehirntumors in die Klinik zu Behandlung kommt. Zudem ist die Jazzmusik, die jede der Episoden musikalisch unterstreicht, sehr angenehm und passt irgendwie in jegliche Situation. Auch das Setting ist toll, die Klinik ist sehr schick und das NRTC weckt keinen Augenblick den Eindruck, dass es sich bei dem Zentrum um eine Art Krankenhaus handelt.

Dass gar keine Extras auf der Blu-ray vorhanden sind, ist heutzutage doch ziemlich verwunderlich und sehr schade.

Technische Details

Erscheinungstermin: 4. Dezember 2014
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 541 Minuten (13 Episoden)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
Sprache (Tonformat): Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Fazit

Für psychologisch und medizinisch interessierte, ist diese Serie sicherlich sehenswert, da die verschiedenen Krankheiten wirklich interessant aufgezeigt werden. Die Charaktere bleiben, bis auf Dr. Black selbst, in den 13 Episoden sehr flach und man interessiert sich zu wenig für deren Geschichten. Leider endet die Serie gerade, als sie beginnt Fahrt aufzunehmen. Das ist bedauerlich, denn Potential hätte "Black Box" definitiv gehabt. Dafür hätte aber mehr Charakterarbeit geleistet werden müssen und die vorhersehbaren Storylines spannender gestaltet werden sollen. So bleibt "Black Box" eine Serie, die mehr Schwächen als Stärken hat und eher früher als später aus dem Gedächtnis des TV-Publikums verschwindet.

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Anika W. - myFanbase

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