Bewertung: 5

Review: #4.11 Und noch einmal

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Nach dem bisherigen Staffeltiefpunkt aus der vergangenen Woche hätte in diese Woche ein Ausrufezeichen sicherlich gut getan. Stattdessen ist es wieder eher eine Episode ohne viel Bewegung. Aber – und das ist der Trost hier – eine, die auf etwas Wichtiges hinarbeitet, nämlich auf die nächste Episode, auf die ich jetzt schon nicht gespannter sein könnte.

Aber zunächst gilt es, das frisch Gesehene zu bewerten und da möchte ich mit zwei Andeutungen starten, in die ich möglicherweise zu viel hineininterpretiere, aber vielleicht eben auch nicht. Da haben wir zum einen Andy Herrera, die in dieser Episode vor allem als emotionale Stütze und Ratgeberin für Dean Miller fungiert. Gleichzeitig fand ich ihre Zerstreutheit und Heißhungerattacken sehr auffällig platziert. Ob uns hier eine Schwangerschafts-Storyline erwartet? Auch wenn ich zuletzt kein großer Fan von ihr und Ehemann Robert Sullivan war, so würde ein Baby ihre Beziehung sicherlich aufmischen und sie zu einer Entscheidung zwingen, wie es für sie weitergeht. Deswegen kann ich es selbst kaum glauben, dass ich ein Baby an dieser Stelle sogar sinnvoll fände. Die zweite Andeutung ist bei Ben Warren zu finden, bei dem noch offensichtlicher deutlich wird, dass etwas im Argen ist. So telefoniert er zweimal mit seiner Ehefrau, Dr. Miranda Bailey, wobei deutlich wird, dass er offenbar etwas mitzuteilen hat, sich aber noch nicht überwinden kann. Ob er krank ist? Denn ich habe schon den Eindruck, dass es um ihn geht, da bei "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" bislang keine Andeutungen sind, was eher gegen Miranda spricht. Auch wenn ich Ben wahrlich keine Krankheit wünsche, so war er in der bisherigen vierten Staffel oft ohne eigene Storyline, stattdessen immer nur als wertvoller Ratgeber eingesetzt. Das würde ihm also gewiss das an Screentime geben, was seine Figur auch verdient hat.

Nun aber zu den Aspekten, die wir schwarz auf weiß erkennen können. Da haben wir gleich zwei unglückliche Liebesgeschichten im Angebot. Bei der einen hätte ich gerne ein Happy End, bei der anderen bitte nicht. Letzteres gilt natürlich für Travis Montgomery und Emmett Dixon. Es wurde wieder nichts dafür getan, dass zwischen den beiden etwas Chemie entsteht, deswegen ist Travis‘ Sehnsucht nach ihm für mich weiterhin völlig farblos. Ganz anders sieht es bei Victoria "Vic" Hughes und Theo Ruiz aus, die nur einen kurzen Moment miteinander teilen, wo aber deutlich wird, wie viel da zwischen ihnen steht und dennoch darf es nicht sein. Theo hat es gewiss nicht verdient, dass Vic ihn so kühl behandelt, aber gleichzeitig verstehe ich auch, dass es ihr Eigenschutz ist, um bei ihrer Entscheidung pro Travis, contra Theo zu bleiben. Apropos Travis, bei diesem habe ich mehrere aufmerksame Blicke bemerkt. Auch wenn er gedanklich oft bei Emmett war, so ist ihm die getrübte Stimmung bei Vic natürlich nicht entgangen. Dennoch glaube ich, dass er seine beste Freundin auf Dauer nicht wird leiden sehen wollen. Er wird definitiv die Schlüsselfigur für ihr mögliches Happy End sein.

Mit Vic wird auch das Thema Vaterschaft angepackt, das ich in dieser Episode aber leider als fehl am Platz empfunden habe. Auslöser ist das Auftauchen von Michael Dixon, die wohl bislang meist verhasste Figur aus dem "Seattle Firefighters - Die jungen Helden"-Universum. Er hat aber genau eine Szene, in der er möglichst vielen vor den Kopf stößt, aber mehr auch nicht. Das hätte man sich auch sparen können. Aber ausgehend vom Mitleid für Emmett mit einem solchen Vater machen sich auch Vic und Jack Gibson Gedanken zu Vätern. Letzterer hat natürlich einige Väter erlebt, wenn auch nicht seine eigenen, aber er stellt auch den perfekten Gegensatz zu Vic dar, die einen Vater hat, aber mit ihm keine enge Beziehung pflegt. Ihre Eltern wurden schon oft angesprochen, nun tauchte Anthony Hughes also erstmals auf. Man merkt eine gewisse Anspannung, hervorgerufen von jahrelanger Vernachlässigung, deutlich, aber natürlich sieht Jack einen Mann, der seine Tochter liebt, denn er hatte so etwas nicht. Vic wiederum sieht, dass sie angesichts des geliebten Familienrestaurants nie genug war. Da ist es selbstverständlich, dass Jack und Vic gar nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen können. Ich gehe davon aus, dass die Thematik bei ihr noch länger erhalten bleiben wird, aber bislang ist es doch etwas halbgar.

Wie immer deutlich glücklicher sieht es bei Carina DeLuca und Maya Bishop aus. Mir war gleich klar, dass die Entscheidung, gemeinsam nach Italien zu gehen, nicht lange bestehen bleiben wird. Aber es hat mich besonders stolz gemacht, wie souverän und beständig beide Frauen damit umgegangen sind. Denn zu der doch kontrollsüchtigen Maya hätte es wirklich nicht gepasst, ihre Leute in der größten Krise zurückzulassen. So bleibt sie in Seattle und Carina wird wohl erstmal nach Italien gehen und dennoch sehe ich in ihrer Beziehung so positiv gewachsen, dass ich mir keine Sorgen um sie mache. Vorausgesetzt natürlich, uns steht kein Ausstieg von Stefania bevor, da gerade in den letzten Wochen immer wieder ein cleverer Weg gefunden wurde, ihre Figur sinnvoll bei "Seattle Firefighters" einzubauen. Es bleibt also spannend, was hier passieren wird.

Weiterhin besorgt und frustriert schaue ich auf Sullivan, für den in wirklich jeder einzelnen Episode wieder dasselbe passiert. Erneut weiß er alles besser, was wegen seiner Erfahrung auch sicherlich faktisch stimmt, aber seine Art, das zu Schau zu tragen, ist einfach nur abstoßend. Denn es zeigt, dass er nichts, wirklich nichts aus seinen Gesprächen mit Andy lernt. Dazu geht er auch schon fast perfide vor, indem er erst die Kollegen mit seiner genialen Idee ansteckt, damit sie sich dann gemeinsam Maya zur Brust nehmen. Möglicherweise hat Sullivan diesen Plan nicht wie ein Mastermind erdacht, aber wenn nicht, dann war es instinktgesteuert und wenn das seine Instinkte sind, dann ist es ebenfalls alles über ihn gesagt. Dass Maya ihm hinterher ein Kompliment macht, ist mir einerseits aufgestoßen, weil es Sullivans Ego nur unnötig streichelt, andererseits war es auch clever, denn sie muss als seltene weibliche Führungskraft über den Dingen stehen und sich nicht auf solche Machtspielchen einlassen.

Abschließend haben wir den bereits angesprochenen Dean, der sich diesmal große Sorge um Baby Prue macht. Denn er befürchtet für sie in der nahen Zukunft Verlustängste, da sie ohne Mutter aufwächst und auch ihren Vater wegen seines Jobs wenig zu Gesicht bekommen wird. Ich fand diese väterlichen Ängste sehr gut transportiert, zumal Prue schon länger kein Thema mehr war, sie aber logischerweise sein sonstiges Leben diktieren wird. Auch die Paarung mit Andy, die für die Serie eher ungewöhnlich ist, war genau richtig, denn sie hatte angesichts ihres eigenen alleinerziehenden Vaters genau das Richtige zu sagen. Zudem hatten die beiden, aber natürlich auch Ben und Carina, es mit einem sehr emotionalen Einsatz zu tun. Wenn ich an die vorangegangene Woche denke, wo mich das Pärchen im eingeklemmten Auto mehr genervt als interessiert hat, waren die werdenden Eltern eine enorme Steigerung, die mich packen konnte. Die werdende Mutter Nancy war für Carina wie geschaffen und der sterbende Vater Wayne war ein Spiegelbild für Dean. Das hat wirklich gut funktioniert.

In der Abschlussszene haben wir schließlich die Ereignisse vom Tod George Floyds, die publik werden und eine ganze Nation, nein die ganze Welt erschüttern. Ohne zu wissen, was uns damit in der kommenden Woche erwartet, finde ich es lobenswert, dass hier der reale und kein fiktiver Fall von Polizeibrutalität gegen Schwarze aufgegriffen wird. Auch wenn die Ereignisse für uns schon fast wieder ein Jahr her sind, so hatte ich sofort eine Gänsehaut, als die erste Berichterstattung dazu eingespielt wurde. An dieser Stelle begegnen sich Fiktion und Realität und der daraus entstehenden emotionalen Wucht kann sich wohl niemand entziehen.

Fazit

Es ist leider erneut keine sonderlich überzeugende Episode, da sich erneut wenig bis gar nichts tut. Aber diesmal kann ich das besser verschmerzen, denn man merkt deutlich, dass auf etwas Großes hingearbeitet wird. Es gibt einige Andeutungen, es gibt neue Richtungen und es gibt am Ende die Ereignisse rund um George Floyds Tod. Nun muss die nächste Woche dieses Versprechen nur noch einhalten!

Lena Donth - myFanbase

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