Bewertung: 4

Review: #2.12 Call Sign

Foto: Parveen Kaur, Manifest - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Parveen Kaur, Manifest
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Wir nähern uns mit großen Schritten dem Todesdatum von Zeke und gleichzeitig dem Staffelfinale. Diese vorletzte Episode konzentriert sich dabei aber vor allem auf die Charakterebene, weshalb so ein bisschen die richtige Dynamik und Spannung fehlt. Es fühlt sich eher wie ein Rumdümpeln an.

"I think we're supposed to figure it out together."

Ben bekommt dieses Mal eine Vision von etwas, was bereits passiert ist. Er sieht das Flugzeug von Flug 828 erneut explodieren und fällt dabei fast von der Leiter. Natürlich folgt er dem Ruf und geht wieder zum Flughafen, wo er auf Ward Attwood trifft, der die gleiche Vision hat und sich deshalb fragt, ob er etwas hätte verhindern können. Diese Callings werden immer seltsamer und enorm zusammenhangslos. Wie soll man da auch nur im Ansatz was draus deuten? Egal, Ben trifft Ward, hilft Ward und wird dann durch eine Wiederholung der Vision auf ein Geschäft aufmerksam, in dem ein Teil des Hochzeitskleides seiner Mutter zu haben ist, was Michaela enorm viel bedeutet. Nur dass sich die Vision damit immer noch nicht erledigt hat, also entweder nur ungewollt Zufälle produzierte oder eben eine vielschrittige Vision ist. Ich bin da aber wirklich raus. Die Callings machen keinen Spaß mehr, weil sie in der Regel nicht zum Rätseln einladen, sondern nur einen Wegweiser für die Charaktere darstellen, die auch immer nur im Dunkeln tappen und nichts damit anzufangen wissen. Die Explosion kann also noch so gedeutet werden, dass der große Knall, das Staffelfinale (oder Serienfinale?) bzw. Zekes Todesdatum bevorstehen, aber das weiß man auch ohne die Vision. Vielleicht erklärt sich mit der nächsten Episode etwas mehr, aber so wirklich ist das ja nie das Bestreben der Serie gewesen.

"I can't attend the wedding."

Im Zentrum der Episode steht eh die Hochzeit mit allen emotionalen Möglichkeiten, die das Fest mit den Charakterkonstellationen bietet. Erst will Zekes Mutter nicht teilnehmen, weil der Vater wieder da ist. Als Zeke mit seinem baldigen Ableben argumentiert, ist seine Mutter natürlich bereit, ihren Schmerz zurückzustecken. Logisch und nicht wirklich emotional, weil man zu Zekes Eltern noch keine Bindung aufbauen konnte und man auch nicht so richtig sieht, warum es für Zeke überhaupt so bedeutend ist (außer natürlich, um sich zu verabschieden). Da hat der spontane Junggesellenabschied mit Zeke und Cal tatsächlich mehr bei mir ausgelöst. Als diese Baustelle erledigt ist, beginnt Michaela zu zweifeln, weil sie kein richtiges Zeichen bekommen hat. Wenn man bedenkt, dass ihre ganze Beziehung zu Zeke nur darauf beruht, irgendwelche Callings zu befolgen, dann ist es eigentlich logisch, dass sie den letzten Schritt auch nur mit einem Zeichen gehen will. Auf der anderen Seite sollen die Callings ja nichts bewirken, was eh passieren wird, also wäre ja nur eine Vision gekommen, wenn Michaela sich klar gegen eine Hochzeit ausgesprochen hätte. Nun gut, Ben kann sie dann überzeugen und alles ist wieder gut.

Weiter geht es dann mit Jared, dem die Nachricht, dass Michaela heiratet natürlich mächtig trifft, da sie ihm diesen Wunsch quasi ausgeschlagen hatte. Nun zeigt sich die wahre Größe von Jared, dass er trotzdem bereit ist, zur Hochzeit zu kommen. Vielmehr zeigt sich aber danach die wahre Liebe von Jared, da er es nicht erträgt, Michaela im Hochzeitskleid zu sehen, und dann doch wieder geht. Jared tut mir nach seiner Rückverwandlung in den letzten Episoden richtig leid, zumal seine ernst gemeinte Beziehung durch seinen Einsatz für Michaela und Zeke auch zu Brüche gegangen ist. Ich habe noch keine Idee, wie die Autoren das Staffelfinale umsetzen wollen, aber eigentlich würde ich es Jared gönnen, wenn es für ihn und Michaela noch mal eine Möglichkeit gibt, entweder weil Zeke wirklich sterben wird oder aber weil sein Überleben die Beziehung in ein neues Licht setzt und es viel komplizierter wird, mit echter Zukunft zu lieben.

Nebenbei arbeitet man noch kurz Olive und TJ ab. Letzterer glaubt plötzlich, in Ägypten Antworten auf alles finden zu können. Natürlich. Ohne Anhaltspunkt und ohne Vision ist ein anderer Kontinent plötzlich der Weg und da reicht auch kein vierwöchiger Urlaub, da muss man schon ein Studium dort beginnen. Nun gut, vielleicht gehört Intuition auch zu den Callings dazu. TJ möchte, dass Olive mitkommt, doch so toll ist er dann auch nicht, dass Olive dafür ihrer Familie den Rücken zukehren würde. Ich hoffe sehr, dass sie bei dieser Entscheidung bleibt und es nicht noch solch einen Staffelfinal-ich-renn-dir-hinterher-Moment gibt. Eher sollte TJ noch mal überdenken, ob seine Recherche nicht auch andere Wege kennt.

Insgesamt muss ich zugeben, dass mich diese Hochzeit von der Vorbereitung bis zu den Feierlichkeiten hin eigentlich gelangweilt hat. Die Szenen waren zu lang, zu unspektakulär und einfach nicht das, was mich kurz vor dem Ende der Staffel (Serie) interessiert. Vielleicht war ich auch nicht in der richtigen Verfassung für eine Hochzeit, weil ich davor eine Episode "A Million Little Things" geschaut habe und die das Emotionale viel besser können. Ich hatte jedenfalls die ganze Zeit das Gefühl, man muss irgendwie die Episode rumbekommen, damit die wichtigen Sachen erst nächste Woche erzählt werden.

"You're my only hope."

Zwischendurch durfte Saanvi noch ein paar Szenen haben, durch die man in erster Linie deutlich spürte, wie sehr sie nur Randerscheinung ist. Sie ist emotional komplett außen vor, ist einfach nur dabei und versucht verzweifelt an ihre Forschung heran zu kommen, die von ganz oben beschlagnahmt wurde. Dass man den Major hier wieder aus der Versenkung holt, ist langweilig und unlogisch. Wieso sollte die Weiterentwicklung nun zufällig gleichzeitig so weit sein? Wieso sollte der Major erst jetzt versuchen, Saanvi wieder zu stören? Hätte sie das nicht früher machen sollen? Was versucht Saanvi überhaupt noch herauszufinden? War sie nicht schon vor einiger Zeit bei sich erfolgreich und die Nebenwirkungen sind ja auch von selbst verschwunden? Irgendwas habe ich in dieser Forschungsstoryline nicht begriffen oder es ist von den Autoren nur auf Spannung und nicht auf Logik geachtet worden. Jedenfalls ist Saanvi nicht mal wichtig genug, als dass Vance sofort auf sie reagieren würde. Da braucht es schon den Umweg über die Frau. Danke Vance. Was ist noch mal dein Ziel? Erst nichts tun und dann Saanvi schützen wollen - solch einen Retter will ich nicht haben. Zu unzuverlässig.

"Once we're out, I'll be coming for you, right after I pay a visit to your little blond girlfriend."

Das Ausgraben von Vance und dem Major ist ja nicht wirklich aus den letzten Episoden heraus zu schlussfolgern, sondern wohl eher dem Staffelfinale geschuldet. Die eigentliche Handlung hat dann auch noch ein paar Momente bekommen. Die drei Gefangenen, die die drei Schatten von Cals Visionen darstellen, werden ins Gefängnis gebracht, befreien sich aber und warten fortan vor dem Haus der Stones, um dann Cal zu kidnappen, der mitten in der Nacht noch ein bisschen alleine vor dem Haus rumspielt. Super Idee. Ich finde fast alles an dieser Storyline absurd. Dass die Gefangenen trotz ihres Selbstbewusstseins so unzureichend bewacht sind, ist da noch am ehesten zu akzeptieren. Dass Cal eine Vision so fürchterliche Angst macht, er aber trotzdem nachts noch so rumlungert, ist auch ein bisschen kurz gedacht. Wieso hat Cal eigentlich aufgehört zu zeichnen? Hat er das kommen sehen und in Kauf genommen? Am seltsamsten fand ich eigentlich, dass die drei Ausbrecher Stunden vor dem Haus verbringen können, in dem sich mit Michaela eine Person befindet, die quasi von ihnen bedroht wurde. Dass die drei geflüchtet sind, wird man ja irgendwann mal festgestellt haben. Dass man da keine zusätzlichen Wachen, Leute oder sonst was zum Schutze zur Verfügung stellt, erschließt sich mir nicht. So bleibt dann also auch die für die Handlung wichtige Storyline hinter den Erwartungen zurück.

Fazit

Kurz vor dem Staffelfinale hätte ich mir viel mehr Dynamik und Fortschritte gewünscht. So wurde es aber eine vor sich hindümpelnde Episode, die zwar viel für die Charaktere gemacht hat, aber zu wenig Tempo und zu viele Ungereimtheiten hatte, um richtig Lust auf das Finale zu machen. Meine Befürchtungen sind eher, dass es nächste Woche sehr wild wird. Durchaus spannend, aber wohl auch wieder haarsträubend. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Emil Groth - myFanbase

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