Bewertung: 3
Mark Neveldine & Brian Taylor

Gamer

"Turn me loose, kid. You want to win? Turn me loose!"

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Inhalt

Irgendwann in der Zukunft: Der exzentrische Milliardär Ken Castle (Michael C. Hall) hat das Online-Spiel "Slayers" erfunden, in dem zu Tode verurteilte Sträflinge zu realen Spielfiguren werden. In diesem überaus beliebten Spiel, das die ganze Welt in Atem hält, treten sie, fremdgesteuert durch Spieler, gegen ihren Willen und ohne Kontrolle über ihren eigenen Körper, als moderne Gladiatoren in riesigen Wettkampfzonen gegeneinander an. Sträfling Kable (Gerard Butler) ist der Star des Spiels. Seine Schlachten werden von Millionen von Zuschauern verfolgt, während er vom Teenager Simon (Logan Lerman) kontrolliert wird.

Kable könnte der erste sein, der es schafft, nach 30 Kämpfen freigesprochen zu werden und mit seiner Frau Angie (Amber Valetta) und seiner Tochter wieder vereint zu werden. Jedoch weiß er nicht, dass Angie das Sorgerecht über die gemeinsame Tochter verloren hat und sich ihrerseits im Spiel "Society" nun den perversen Wünschen der Spieler daheim stellen muss. Einen möglichen Ausweg bieten die sogenannten Humanz, eine Untergrundbewegung, die versucht, das perfide Spiel zu zerstören. Doch selbst als sich mit Hilfe der Humanz ein möglicher Ausweg für Kable auftut, so ist sein Albtraum doch längst nicht vorbei.

Kritik

Alleine am ersten Tag hat sich der Militärshooter "Call Of Duty: Modern Warfare 2" in den USA und im Vereinigten Königreich sage und schreibe 4,7 Millionen Mal verkauft, wodurch sogar der bisherige Primus "Grand Theft Auto IV" geschlagen werden konnte, der sich zwar sechs Millionen Mal verkaufen ließ und damit einen Umsatz von etwa 500 Millionen Euro generierte allerdings in einer Woche. Diese Tendenz, dass sich manche Videospiele innerhalb kürzester Zeit millionenfach verkaufen, hat sich, in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt. Die Filmindustrie wäre heutzutage froh, wenn sie in Anbetracht der Umsatzzahlen, die diese allzu gern vergessene Industrie erreicht, öfter ähnliche Erfolgsgeschichten schreiben würde.

Wirklich verwunderlich ist es daher nicht, dass in der Vergangenheit versucht wurde, die Videospielfans ganz explizit anzusprechen, indem zahlreiche Videospiele verfilmt wurden. Hierbei konnten jedoch nur sehr wenige Filme letzten Endes wirklich überzeugen, die "Resident Evil"-Reihe ist einer der wenigen positiven Überraschungen, jüngst musste vor allem "Max Payne" eine Bauchlandung hinlegen. Teilweise haben Videospielverfilmungen sogar einen unglaublich schlechten Ruf, was maßgeblich der schlechteste Regisseur der Welt, Uwe Boll, immer wieder beweist, wenn er ein Game nach dem anderen aufs Gröbste verunstaltet, um es in eines seiner legendär miserablen Machwerke zu verwandeln.

Für "Gamer" haben sich die Drehbuchautoren und Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor, die mit ihren zwei abgedrehten Actionkrachern "Crank" und "Crank 2: High Voltage" vor allem Männerherzen höher schlagen ließen, nun etwas anderes einfallen lassen. Denn "Gamer" ist keine Verfilmung eines Videospiels, fühlt sich im Grunde aber genauso an, da die Hauptfigur Kable und damit die potentielle Identifikationsfigur - Teil eines großen Videospiels ist. Dennoch fällt die allseits beliebte Kritik an nahezu jeder Verfilmung eines Games weg, das sich auf die mangelnde Interaktivität stützt, da man im Kino keinerlei Einfluß auf das Geschehen nehmen kann, eben weil es kein Vorbild in dem Videospielgenre gibt, an dem man sich orientieren müsste. Das allerdings ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn der neue Film vom Gespann Neveldine & Taylor bietet weiß Gott genug Kritikpunkte.

Das beginnt bei dem ersten, was unweigerlich auffällt: die Kameraführung und Schnittgeschwindigkeit. Zwar wird dem Film durch ein revolutionäres Kamerasystem, das hier zum allerersten Mal überhaupt zum Einsatz kommt, ein außergewöhnlicher Look verabreicht, doch die verwackelte Kamera, die unglaublich raschen Schnitte, das Spiel mit Nahaufnahmen und allerhand visuelle Effekte sind schlicht und ergreifend zu viel des Guten. Durch die extrem nervöse Inszenierung wird zwar versucht, Dynamik zu erzeugen, jedoch geht hierbei alles andere verloren, das "Gamer" gut getan hätte. Die eine oder andere Verschnaufpause wäre durchaus angebracht gewesen, auch weil sie maßgeblich zu einer Erzähltiefe hätte beitragen können, die so nie erreicht wird. Man bewegt sich unentwegt an der Oberfläche, was Plot und Charakterzeichnung deutlich anzumerken ist.

Die Story an sich ist dementsprechend überschaubar. Letzten Endes kämpft sich Gerard Butler als Kable durch Spiel und Film und versucht, seiner eigenen Hölle zu entkommen. Mehr gibt es nicht. Dazu noch eine Backstory um seine Frau Angie und seine Tochter, die aber höchstens angerissen wird. Grundsätzlich nicht einmal das, eigentlich bekommt man als Zuschauer nur Eckpunkte serviert. Kables Frau ist schön und blond, hat eine süße blonde Tochter, und war in der Vergangenheit glücklich mit ihm. Hier und da die Einblendung von idyllischer Kleinfamilienromantik, das war's. Wirklich Interesse für Kables Vergangenheit kommt nicht auf, kann nie aufkommen.

Ganz allgemein wurde ein deutlich ernsterer Ansatz gewählt als bei den Vorgängerwerken des Duos Neveldine & Taylor. Während bei "Crank" und "Crank 2" ein Tempo und eine Action an den Tag gelegt wurde, die seinesgleichen suchte und dafür sorgte, dass Charakterzeichnung, Handlung und Logiklöcher zu Randnotizen wurden, die man ohnehin kaum wahrnehmen konnte und wollte, wird bei "Gamer" versucht, Dramatik in die gesamte Action zu integrieren, was aber aufgrund der Oberflächlich- und Vorhersehbarkeit, mit der das geschieht, nie funkioniert. Ähnlich überzeichnet wie bei den zwei "Crank" Filmen sind daher auch die anderen Charaktere, aber das wirkt hier ebenso einfach nicht, weil "Gamer" einen insgesamt ernsteren Eindruck machen möchte.

Besonders schade ist das für Michael C. Hall, der mit seinen Rollen in "Six Feet Under" und "Dexter" zur Genüge gezeigt hat, dass er einer der talentiertesten Fernsehschauspieler der vergangenen Jahre ist und durchaus in der Lage wäre, dies auch auf der großen Leinwand zu beweisen. Doch für sein erstes Filmengagement seit fünf Jahren hat er sich die Rolle des überzeichneten 08/15 Bösewichts ausgesucht, mit der er gänzlich unterfordert ist. Sein Charakter Ken Castle wirkt durchgehend unglaubwürdig, wie eigentlich auch der gesamte Rest des Casts, wenn man von wenigen Szenen Kables und Angies absieht, die hier und da so etwas wie minimale Charakterzeichnung aufweisen. Manche Figuren wären sogar vollkommen unnötig, wie beispielsweise die von Trace, einer der Humanz. Niemand hätte es bemerkt, wenn beispielsweise die Figur von Alison Lohman, die noch vor kurzem in "Drag Me To Hell" überzeugte, durch eine der vielen anderen gesichtslosen Humanz ersetzt worden wäre oder gar komplett gestrichen.

Dazu kommen die unnötigen "Society"-Sequenzen, die nur sehr bedingt zur Charakterzeichnung Ambers beitragen, ansonsten aber unpassend und in ihrer übertriebenen Schamlosigkeit einfach nur lächerlich wirken. Der kleine Gastauftritt von Milo Ventimiglia als Rick Rape (!) sagt eigentlich alles aus: viele schrille Farben, viele schnelle Schnitte und eine nicht enden wollende Aneinanderreihung von völlig überzogenen Handlungen. Vor allem dadurch wurde jegliche Ernsthaftigkeit des Films bereits im Ansatz im Keim erstickt.

Der einzige Pluspunkt von "Gamer" bleibt damit die Action. Es gibt wahrlich Schlimmeres, als Gerard Butler 90 Minuten dabei zu beobachten, wie er sich durch den Film kämpft. Hier funktioniert die nervöse Kamera immer mal wieder überraschend gut, die Special Effects sind gut eingesetzt und ansehnlich in Szene gesetzt. Dazu kommen die wenigen Szenen, in denen der Wahnsinn von "Crank" erreicht wird, ohne dass dadurch die ernstere Stimmung zerstört wird.

Fazit

Als Actionfilm deutet "Gamer" immer mal wieder sein Potential an. Als pseudo-nachdenkliches Cyberpunkportrait gelingt dies nie, dazu ist der Plot zu simpel und vorhersehbar, die Charaktere zu eindimensional und überzeichnet und die Inszenierung viel zu überhastet. Man kann nur hoffen, dass sich Neveldine und Taylor nun wieder mehr an ihren beiden ersten Erfolgsfilmen orientieren oder ein ganz anderes Genre einschlagen. Eine halbherzige Mischung aus beiden funktioniert nicht, wie sie hier deutlich offenbart haben.

Andreas K. - myFanbase
05.12.2009

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