Bewertung: 3

Review: #1.05 Machtspiele

Foto: Peter Coyote, FlashForward - Copyright: 2009 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved./Craig Sjodin
Peter Coyote, FlashForward
© 2009 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved./Craig Sjodin

Leider lässt "FlashForward" momentan einen Abwärtstrend erkennen, der die Befürchtung weckt, dass es der Serie nicht gelingt, ihr Potential auszuschöpfen und ihre interessanten Ideen auch wirklich spannend und schwungvoll umzusetzen. Die Autoren machen es sich momentan sehr einfach und verwenden viele Klischees und simple Storykonstruktionen, um die Gesamthandlung voranzubringen. Dies zeigt sich sehr deutlich in der Art, wie sich die FBI-Agenten aus Los Angeles in der Hauptstadt Washington, D.C. ihre Finanzierung sichern.

Grundsätzlich ist es absolut glaubwürdig und nachvollziehbar, dass sich Stanford Wedeck und seine Leute, die nur eine von vielen Behörden in den USA darstellen, offiziell dazu äußern müssen, warum gerade sie eine solche Vormachtsstellung in den Ermittlungen über den globalen Blackout einnehmen und dabei sehr viel Geld ausgeben, allein schon für die Betreibung der Mosaik-Webseite. Doch statt dass sich die Regierung wirklich mit der FBI-Zentrale aus dem sonnigen Los Angeles beschäftigt und es zu ernsthaften Diskussionen kommt, erhebt nur eine rachsüchtige Politikerin, die Stanford und sein Team einzig und allein aus persönlichem Hass den Geldhahn zudrehen will, ihre Stimme. Das ist einfach viel zu banal und eindimensional. Bei einem so welterschütternden Ereignis wie dem Blackout, der vielen Millionen Menschen das Leben gekostet hat, und den dazugehörigen Flashforwards, die das ganze menschliche Verständnis von Zeit und Raum auf den Kopf gestellt haben, verdient eine Behörde, die ermittlungstechnisch derartig voranprescht, eine richtige Vertiefung und nicht nur die Abneigung einer biestigen Politikerin, die wegen kleinlicher Rachegelüste den Stecker ziehen will und der alle Pros und Kontras am Allerwertesten vorbeigehen. Damit stehen Stanford, Mark, Demetri und Co. natürlich auch unangefochten als die Guten dar, die die Welt retten wollen, während eine beleidigte Leberwurst aus Washington ihnen ins Gesicht spuckt.

Die Art, wie Stanford schließlich die vorerst ungestörte Finanzierung seiner Behörde sichert, ist dann an Einfallslosigkeit kaum noch zu überbieten. Der Präsident hat eine Liebesaffäre und wird von Stanford mit einem Beweisfoto dazu erpresst, die fiese Politikerin ruhig zu stellen. Das ist schon fast auf ärgerliche Weise billig und klischeehaft. Jeder Autorenanfänger hätte sich das ausdenken können. Die Liste an Aspekten, die bei diesem Ausflug in die amerikanische Hauptstadt überhaupt nicht berücksichtigt werden, ist endlos. Es geht um das Thema Finanzierung, doch die Tatsache, dass bei dem Blackout Sach- und Personenschäden in unvorstellbarer Höhe entstanden sind, und die Frage, wie die Regierung damit zu kämpfen hat, spielen nicht wirklich eine Rolle. Wie sehr es die Menschen nach dem globalen Blackout überhaupt kratzen würde zu erfahren, dass der Präsident eine Affäre hat bzw. hatte, ist noch wieder ein anderer Aspekt. Ingesamt wird das Kapitel Washington in dieser Episode einfach viel zu uninspiriert abgehandelt. Auch den Anschlag überleben Stanford, Mark, Demetri und Vreede vollkommen unverletzt. Nicht, dass ich diesen Charakteren irgendwelchen Schaden wünsche, aber es komplettiert den Eindruck eines einfallslosen Trips nach Washington, D.C.

Ach ja, da wären außerdem noch der Flashforward des Präsidenten und die SMS, die Olivia scheinbar aus Washington bekommt. In seinem Flashforward erhält der Präsident von einem seiner Secret-Service-Agenten die Nachricht, dass etwas Schlimmes geschehen ist. Momentan kann dieses etwas, das geschehen ist, so ziemlich alles sein, von einem persönlichen Schicksalsschlag für den Präsidenten (vielleicht ist seine Affäre ja an die Öffentlichkeiten geraten, ha ha) über einen Terroranschlag bis hin zu einer Naturkatastrophe. Bisher scheint über die Mosaik-Webseite ja niemand mitgeteilt zu haben, in seinem Flashforward etwas von einer großen Katastrophe mitbekommen zu haben. Wenn sich in sechs Monaten tatsächlich ein schweres Unglück, wie zum Beispiel ein Anschlag ereignet, müsste es auch außerhalb des engsten Regierungskreises Flashforward-Zeugen geben.

Die SMS an Olivia, dass Mark in seinem Flashforward betrunken war, könnte von Stanford stammen, aber auch von Demetri oder Vreede, oder einer unbekannten Person, die das Agententeam beschattet, denn Mark hat sein Trunkenheits-Geständnis ziemlich laut in einem Lokal herausgebrüllt. Weiterhin kann auch Aaron die SMS geschickt haben, aber das passt nicht wirklich zu seinem Status als Marks Sponsor und Vertrauter. Überhaupt stellt sich die Frage, was der Absender mit seiner Nachricht bezweckt. Will er einen Keil zwischen Mark und Olivia treiben? Wenn ja, wozu? Um Mark zu schwächen, oder um Olivia in Lloyds Arme zu treiben?

Auf den Flashforward der daheim in L.A. gebliebenen Janis wird derweil ein neues Licht geworfen, denn wir erfahren, dass sie lesbisch ist. Das ist jetzt kein riesiger Schock, aber schon eine Überraschung. Nicht nur, weil sie in ihrem Flashforward schwanger war, sondern auch, weil sie in Zusammenhang mit diesem Vorausblick immer nur betont hat, derzeit keinen Freund zu haben. Offenbar wissen auch ihre Kollegen nicht, dass sie homosexuell ist. Da sie schon sehr bald schwanger werden muss, damit sich am 29. April 2010 bereits das Geschlecht des Babys bestimmen lässt, sie aber jetzt noch ziemlich schockiert auf das Thema Familienplanung reagiert, kann ich mir schwer vorstellen, dass Janis sich künstlich befruchten lässt, um mit der Frau fürs Leben ein Kind großzuziehen. Viel wahrscheinlicher ist, dass sie in einem schwachen Moment einen One-Night-Stand mit einem Mann hat (vielleicht mit Mark oder Demetri, beide ja auch mit Krisen und Problemen behaftet), oder sogar vergewaltigt wird. Andererseits kann ihre Nah-Tod-Erfahrung (dass sie die Schussverletzung überlebt, steht für mich außer Frage) natürlich ihren Wunsch nach einem Baby beschleunigen und dazu führen, dass sie beabsichtigt Mutter wird. Wir werden sehen.

Mysterien-Schnipsel

  • Auch wenn Stanford, Mark, Demetri und Vreede den Anschlag unverletzt überstanden haben und Janis mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überleben wird, stellt sich natürlich die Frage, wer es auf die Agenten abgesehen hat.
  • Die Behauptung der fiesen Politikerin, dass sie sich in ihrem Flashforward als Präsidentin gesehen hat, bezieht sich wohl darauf, dass sie nun Vize-Präsidentin ist. Hat sie auch etwas von dem schlimmen Ereignis mitbekommen, von dem der Präsident in seinem Flashforward erfährt?
  • Wie geht es nun weiter, nachdem die FBI-Agenten dank der Satellitenbilder wissen, dass 1991 in Somalia mitten in der Einöde ein riesiger Turm stand? Gibt es doch noch einen Trip nach Afrika? Hoffentlich dann mit mehr Originalität und Schwung, als der Ausflug nach Washington, D.C. geboten hat.



Maret Hosemann - myFanbase

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