Bewertung

Review: #18.04 Die Webber-Methode

Foto:

"Grey's Anatomy" fühlt sich wieder gut an – so richtig gut. Da macht es auch gar nichts, dass es in #18.04 With A Little Help From My Friends keine bahnbrechenden Entwicklungen gab, denn die Folge hat einfach unterhalten und Spaß gemacht. Man spürt eine frische Energie durch die Handlung pulsieren, die in den letzten Jahren häufig festgefahrenen und eintönigen Storylines weichen musste.

Dabei spielt nicht zuletzt der wiedererlangte Fokus auf den Assistenzärzt*innen eine große Rolle. Die Ausbildung der jungen Ärzt*innen war zu Beginn der Serie das zentrale Element. Sie bestanden zum Großteil aus unseren Hauptcharakteren und dadurch ist man ihnen automatisch durch die Jahre der Ausbildung gefolgt, hat ihre Ängste und Hoffnungen mitbekommen und konnte mit ansehen, wie aus ihnen langsam, aber sicher die Ärzte und Ärztinnen wurden, die heute das Ruder übernommen haben. Natürlich ist die Serie mit ihnen gealtert, der Schwerpunkt hat sich also zusammen mit dem Cast verlagert. Trotzdem ist es wieder eine Freude, die Hierarchiekämpfe, das Wetteifern um die besten OPs und die generelle lockere und begeisterte Stimmung der Assistenzärzt*innen zu sehen, für es eben keine noch nie dagewesene Forschungsarbeit braucht, um völlig aus dem Häuschen zu sein. Außerdem kann es sicherlich nicht schaden, wenn die alten Hasen sich auch mal wieder mehr Richtung Lehre orientieren.

Es passt mir sehr gut, dass Meredith die volle Macht über das Ausbildungsprogramm an Richard abgegeben hat, schließlich ist das ja sowieso sein Ding. Und er scheut sich nicht, neue Wege zu gehen, wie man an der heutigen Folge wieder gesehen hat. Gerade bei der Medizinerausbildung ist es schwer, die richtige Balance zwischen Lernchance und Patient*innensicherheit zu finden. Wie sollen die Assistenzärzt*innen denn lernen zu operieren, wenn sie eben nicht operieren? Wie sollen sie aber operieren, wenn ihnen die normale Beobachtungs- und Lernzeit durch die Pandemie drastisch gekürzt wurde? Es ist ein gewisses Wagnis, und zu Teilen kann ich Baileys Bedenken auch gut nachvollziehen. Nachdem ihr Programm erst vor kurzem noch als schlecht angekreidet wurde und überhaupt dadurch erst zu seiner Auffrischung kam, scheint der Schritt in den OP groß. Andererseits verfolgen wir diese Assistenzärzt*innen jetzt schon seit einigen Jahren und am Ende des Tages gibt es nun mal immer ein Risiko bei der Ausbildung. Fehler passieren, nicht nur den Neuen. Richards Mittelweg, bei dem er auch gleich noch den Ärzt*innenmangel mit einbezieht, scheint bis jetzt doch gut zu klappen. Okay, für mich als Lehrerin wirkt es etwas hektisch und halbherzig, wenn der Ausbilder nur mal schnell zum schwierigsten Schritt im OP vorbeischneit und die Assistenzärzt*innen sonst vor sich hinarbeiten lässt, aber irgendwie muss es eben gehen. Hauptsache, wir bekommen so mehr von den "Neuen" zu sehen. Neu in Anführungszeichen, denn wie schon gesagt, es gibt diese Charaktere ja schon lange. Nur haben wir sie, abgesehen von Levi und Taryn natürlich, bisher viel zu wenig kennengelernt. Das ist auch mein kleines Manko an dieser sonst sehr unterhaltsamen Storyline – nämlich, dass wieder diese beiden im Scheinwerferlicht stehen. Wieder darf Levi den großen Gewinn einfahren, wieder muss Taryn etwas schwächeln. Ich kann beide Charaktere gut leiden, deswegen freut es mich, mehr von ihnen zu sehen. Trotzdem muss hier noch mehr Gewicht auf die anderen gelegt werden, sonst kann ein größerer Handlungsstrang rund um die Ausbildung für mich nicht wirklich funktionieren.

Apropos mehr Schwerpunkt auf die, die bisher etwas ignoriert wurden. Da lamentiere ich seit gefühlten Ewigkeiten, dass Cormac irgendwie nicht so recht im Team ankommt und dieses Mal hat er gleich mehrere Gespräche mit verschiedenen Hauptcharakteren. Gut für ihn! Ich hoffe mal, dass man ihm um seiner selbst willen mehr Screentime gibt und nicht nur, um später mal ein Beziehungsdreieck mit Meredith und Nick zu fabrizieren. Wie auch immer, ich bin schon sehr gespannt auf die weitere Handlung mit ihm, Megan und Farouk (hey, das müsste dann doch bedeuten, dass die beiden länger in Seattle bleiben, nicht wahr?).

Und dann war da noch das Gespräch zwischen Addison und Amelia. Da ich nur die ersten paar Staffeln von "Private Practice" gesehen habe, kenne ich die gemeinsame Vorgeschichte von den beiden nur ganz grob und sehe so nur die "Grey’s Anatomy"-Seite. Trotzdem ist klar, dass die beiden eine enge Beziehung verbindet. Die schonungslose Ehrlichkeit, mit der sie einander ihre dunkelsten Lockdown-Fantasien mitteilen war ergreifend. Teils weil es, wie so oft in der letzten Staffel, ein Spiegel zur realen Welt ist. Teils, weil es einem nochmal deutlich gemacht hat, wie überlegt Amelias Entscheidung war, Abstand von Link zu nehmen. Es war keine spontane oder oberflächliche Panik vor Bindung, vor dem, was eine Heirat bedeuten würde. Es war der Gedanke, diesen Mann, den sie liebt und der sie liebt, zu heiraten, nur um dann in ihrem persönlichen Alptraum von Leben festzustecken. Die Blicke von Amelia in der letzten Folge, als sie Addison und Meredith mit den Kindern beobachtet hat, habe ich wohl falsch gedeutet. Ich hätte es so eingeschätzt, dass sie vielleicht doch nochmal am Umdenken ist. Doch es war wohl doch eher die Wehmut, ein prinzipiell schönes Leben zu sehen, und doch zu wissen, dass es nicht das richtige für einen ist. So schade ich es auch finde, dass man das ehemalige coole Traumpaar Link und Amelia so rau gestoppt hat, so finde ich auch interessant, dass dieser Aspekt in einer Beziehung beleuchtet wird. Ich hoffe nur, dass keiner von beiden im Laufe der Zeit als Bösewicht dargestellt wird. Von dem her fand ich es auch toll von Addison, die sich für Link ausgesprochen hat, als Amelia dessen Heiratsantrag als so manipulativ dargestellt hat. Gleichzeitig ist sie aber auch auf Amelias Seite, was die zurzeit echt brauchen kann. Kann Addison nicht einfach bleiben?

Randnotizen:

  • Die "Superhelden"-Pose wurde wieder erwähnt!
  • Owen darf weiter Pluspunkte sammeln, indem er sich für die Veteranen einsetzt. Ich war überrascht, dass diese Storyline tatsächlich weitergeführt wurde und nicht schnell im Sande verlaufen ist. Hoffentlich bleibt das auch so, und Owen kann Noah überzeugen, nach Roys Tod selbst das Ruder zu übernehmen und zum Kongress zu gehen.
  • Jo ist zwar gerade am Limit, trotzdem versprüht sie einfach so eine positive Energie, sei das im Umgang mit Nikki oder mit Luna.
  • Plant man eigentlich noch, Maggie in nächster Zeit zu zeigen, oder wird Kelly McCrearys Schwangerschaft so deutlich aus der Serie ausgespart?

Fazit

Zurzeit ist es einfach wieder eine Freude "Grey’s Anatomy" zu sehen! Die Serie fühlt sich an, als hätte sie sich an ihre Anfänge erinnert. Wieder mehr verschiedene Handlungsstränge, mehr Fokus auf die Ausbildung, mehr Witz und Energie, weniger festgefahrene Beziehungsdramen, bei denen nichts vorangeht. Wenn jetzt auch noch die Charaktere ein Plätzchen in der Geschichte finden, die bisher etwas vernachlässigt wurden, dann bin ich völlig happy. So kann es gerne weitergehen!

Denise D. - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Grey's Anatomy" über die Folge #18.04 Die Webber-Methode diskutieren.