Bewertung: 7

Review: #17.17 Jeder auf seine Weise

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Auf die Zeitraffer-Folge in der letzten Woche folgt mit dem Staffelfinale…. erneut eine Zeitraffer-Folge. Grundsätzlich kann ich diesem Format etwas abgewinnen: Prozesse und Entscheidungen können komplett dargestellt und vollzogen werden und Zeitabstände, die storytechnisch durchschritten werden müssen, werden durchschritten – immerhin muss die Serie irgendwie ja wieder im Jahr 2021 angelangen. Andererseits empfinde ich diese Zeitraffer-Folgen meist etwas oberflächlich; mir fehlt oft die Tiefe und manche Figuren drohen komplett unterzugehen, während andere Figuren etwas zu stark in den Fokus gerückt werden.

So ist von Maggie und Winston in dieser Folge so gut wie gar nichts zu sehen (nicht mal an dem Weihnachtsfest in Merediths Haus!), was insbesondere schade ist, weil ihr Hochzeitstag eines der zentralen Ereignisse darstellt. Das beherzte Eingreifen von Maggies Vater und Winstons Großmutter mit der Bitte, die Hochzeit doch so weit nach hinten zu verschieben, dass mehr Menschen an Maggies und Winstons großen Tag dabei sein können, führt nicht, wie ich zunächst befürchtet hatte, dazu, dass die beiden das ganze überdenken. Nein, die Hochzeit der beiden stellt einen der krönenden Abschlüsse dieser Staffel dar; ein wahrer Freudentaumel, auf dem die Ärzt:innen endlich mal wieder austanzen und die Anspannung des Corona-Jahrs abschütteln dürfen.

Den zweiten krönenden Abschluss stellt natürlich Merediths Rückkehr in den OP und ihre erste erfolgreich abgeschlossene Operation dar. Mit der Covid-Patientin Gerlie, einer Krankenschwester, wurde in dieser Folge eine Figur kreiert, in der Meredith sich wiedererkennt und für die sie kämpfen will – genauso, wie ihr "Dorf" für sie es all die Monate lang getan hat. Merediths Einsatz für Gerlie weckt Merediths Lebensgeister und führt dazu, dass sie sich zum Ende hin wieder zu der Ärztin und zu der Person entwickelt, die sie vor der Pandemie gewesen ist. Nun kommt Meredith nicht länger um den Beifall herum, um den sie sich vor kurzem gedrückt hat und darf sich von der versammelten Ärzt:innenschaft feiern lassen, was sie offenkundig auch genießt.

Schön fand ich hier insbesondere, wie der Fokus auf Merediths Beziehungen mit Bailey und Teddy gelegt wurde. Bailey und Meredith sind sich in dieser Staffel enger geworden, als ich es je für möglich gehalten hätte und ihre Debatten um Patient:innen finden längst auf einer Augenhöhe statt. Dass Meredith als Chief of Residency nicht Webbers legendäre Rede hält und eher auf praktische statt auf theoretische Methoden setzt, finde ich genauso schade wie Bailey. Es zeigt gleichzeitig jedoch, dass Meredith wieder selbstbestimmt und -bewusst agieren kann. Dazu hat es mich gefreut, dass Teddy ebenfalls in Gerlies Fall involviert ist und Meredith mit ihr die lebensrettende Operation letztlich unternimmt. Teddy hat bei mir durch ihren Einsatz für Meredith sehr gepunktet und so ist es auch schön, dass die beiden sich offensichtlich so gut angefreundet haben, dass Meredith ihr davon erzählen kann, dass sie die anderen während ihres Komas gehört hat oder dass sie gar gemeinsam Weihnachten feiern.

Teddy selbst darf mit Owen weiterhin das (vorläufige) Happy End bekommen, das sich in dieser Staffel so lange abgezeichnet hatte. Da stört auch eine vermeintliche Corona-Infizierung nicht länger; Owen und Teddy haben einander verziehen und sind glücklicher als je zuvor. Auch der zweite Heiratsantrag im "Schnee" hat mir gefallen – nicht nur wegen der wirklich romantischen Geste oder dass Owen Link dabei den Moment gestohlen hat, sondern auch wegen Merediths herrlich zynischem Kommentar. Ich meine auch gesehen zu haben, dass Teddy an Maggies Hochzeit bereits einen Ehering trug, aber könnte mich auch täuschen. Dennoch fände ich es nach dem Heiratswahnsinn in dieser Folge auch irgendwie beruhigend, wenn wir um die Hochzeit von Teddy und Owen herumgekommen wären und die beiden off-screen im kleinen Kreis geheiratet hätten.

Wobei die dritte vermeintliche Hochzeit wohl eher nicht stattfinden wird. Mir tut Link in dieser Folge wirklich leid. Auch wenn er in dieser Staffel sich einigen Aufgaben stellen musste, die ihn überfordert haben und er sich zeitweise sein altes Leben zurückgewünscht hat, scheint er doch letztlich über sich hinausgewachsen zu sein und realisiert zu haben, dass er Familie und Kinder möchte. So berührt mich nicht nur sein elaboriertes Vorgehen beim Heiratsantrag, sondern auch seine Involviertheit bei Jos Adoptionsverfahren. Allerdings ist deutlich, dass er Amelia mit seinem Enthusiasmus komplett überfährt, hierbei es missachtet, wirklich mit ihr zu kommunizieren und sie weder von der Pflegeelternschaft für Luna noch von weiteren Familienplänen wirklich viel hält.

Bei Amelia frage ich mich mittlerweile, ob sie wieder einen Tumor haben könnte. So seltsam in sich gekehrt und überfordert hat man sie zuletzt in Staffel 13 erlebt, wo sie Owen auf eine ähnliche Weise wegen des beinahe gleichen Themas von sich gestoßen hatte. Damals wurde dieses irritierende Verhalten mit ihrem Tumor erklärt, was dieses Mal wohl nicht passieren wird und vielleicht nicht logisch wäre. Amelia befindet sich in dieser Folge in einer Sinneskrise, in der sie sich einfach nicht selbst eingestehen kann, dass sie sich in ihrer Beziehung zu Link eingesperrt fühlt und sie einfach nicht seine Vorstellungen von einem Familienleben teilt. Das irritiert insbesondere, weil Amelia in dieser Staffel durchaus gezeigt hat, wie sie eine Familie managen kann und dabei über sich hinauswachsen kann. Vielleicht habe ich, ähnlich wie Link, Amelias Überforderung, die sich zum Teil in spontanen Tränenausbrüchen gezeigt hat, unterschätzt und sie hat doch noch viel mehr unter der enormen Belastung gelitten, als es den Anschein genommen hat. Dennoch ist es wirklich schade, dass Amelia und Link, die gerade zu Beginn der Staffel für die freudigsten Momente gesorgt haben, in dieser Folge für die bedrückendsten aufkommen müssen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Krise von Amelia und Link eine Geschichte ist, die nicht stattgefunden hätte, wenn "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" nicht für eine 18. Staffel verlängert worden wäre. Gleichzeitig halte ich Caterina Scorsone für eine der stärksten Schauspielerinnen im Cast, die gerade solche emotionale Storylines bestens beherrscht und bin daher auf die Fortführung dieser Storyline sehr gespannt.

Die meiste Freude bringt mir in dieser Folge jedoch Jo und ihr dickköpfiges, zielstrebiges Verhalten, um Luna endlich adoptieren zu können. Nach der letzten Folge hatte ich kurzzeitig die Befürchtung, dass wir uns in dieser Staffel auch von Camilla Luddington verabschieden müssten, doch diese wurde sofort widerlegt und wir durften dabei zusehen, wie Jo alle Hebel in Bewegung setzt, um endlich offiziell Lunas Mutter werden zu dürfen. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle erneut die wunderbare Freundschaft mit Link, der ohne viel Federlesen Jo in allen Momenten unterstützt. Des Weiteren hat es mich ebenfalls sehr gefreut, wie die beiden letzten Aussteiger involviert wurden: So kann Jo nur das Geld für ihre Anwältin und die Adoption bekommen, indem sie die Anteile (die sie einst von Alex in der Scheidung erhalten hatte) zu Baileys Verdruss an Tom verkauft – was Greg Germanns Gastdarstellerstatus in der kommenden Staffel erklärt und jetzt schon in mir Vorfreude auslöst. Ebenfalls übernimmt Jo Jacksons alte Wohnung, wodurch wir auch noch einmal kurz per Facetime Jesse Williams zu Gesicht bekommen. In dieser Staffel hatte die Serie wirklich ein Händchen dafür, die Ausstiege ihrer Figuren behutsam und liebevoll zu inszenieren und uns den Abschied wirklich nicht allzu schwer werden zu lassen. Zusätzlich zu den ganzen Rückkehrer:innen in dieser Staffel erweckt dies mehr denn je den Eindruck, dass all diese Figuren, auch wenn sie nicht mehr in der Serie an sich zu sehen sein werden, weiterhin ein Teil von ihr bleiben dürfen. Ich hätte mich zwar über einen letzten Gastauftritt von Giacomo Giannotti gefreut, aber man kann ja nicht alles haben.

An dieser Stelle noch ein paar Worte zu Meredith und Cormac: Nachdem in den Reviews, aber auch in den Kommentaren immer wieder zur Sprache kam, dass Cormac ebenfalls gut, wenn nicht sogar besser mit Jo zusammenpassen würde, fand ich die Inszenierung in dieser Folge doch sehr eindeutig: Der flirtende, neckische Ton zwischen Meredith und Cormac sowie die Einlösung von Cormacs Angebot von einem gemeinsamen Drink sprechen meiner Meinung nach genauso viele Bände wie die Blicke, die die beiden auf der Hochzeit miteinander austauschen. Für den Moment finde ich diese Andeutungen komplett ausreichend, dennoch bin ich gespannt, wie man in Staffel 18 hier ansetzen wird und ich frage mich immer noch, ob jemals zur Sprache kommen wird, warum und wie eigentlich Cormac Cristinas Geschenk an Meredith sein kann. Außerdem wünsche ich mir auf jeden Fall noch mehr von Merediths Kindern – insbesondere Ellis hat sich in dieser Staffel ja zum wahren Fanliebling entwickeln dürfen.

Fazit

Die euphorische Impfszene, untermalt mit den Lyrics "Back Where You Belong", spricht Bände: Die Corona-Staffel ist vorbei. Es war anfangs eine wahnsinnig niederschmetternde, düstere Staffel, die uns unsere deprimierende Realität widerspiegelte und mit Andrews grausamen Tod seinen Höhepunkt fand. Doch ähnlich wie sich hierzulande die Infektionslage gerade bessert und Aufbruchstimmung herrscht, wurden auch die letzten Folgen immer harmonischer und optimistischer und deuteten darauf hin, dass man Covid nach dieser Staffel ad acta legen wird. Selten haben wir so viele Hauptfiguren wieder kommen, aber auch gehen sehen, selten haben wir Meredith so wenig zu Gesicht bekommen und selten gab es dennoch so viele (vorläufige) Happy Ends. Dass ausgerechnet Link und Amelia, die großen Freudenspender der ersten Staffelhälfte, nun unsere Sorgenkinder werden, ist etwas bedauerlich, könnte aber auf eine spannende Storyline hindeuten. Ansonsten würde ich mich über eine etwas normalere, vielleicht etwas lustigere Staffel freuen, mit der die Serie wieder zu ihren Anfängen zurückfindet – gerade, weil die nächste Staffel ja durchaus die letzte sein könnte.

Lux H. - myFanbase

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