Bewertung: 8

Review: #17.13 Good as Hell

Foto:

Elf Folgen. So lange durfte Ellen Pompeo entweder am Strand herumschlendern und auf ehemalige Mitglieder des Casts treffen oder sich in Krankenhausbetten schlafend stellen – und so lange befand sich auch Merediths Leben in Gefahr. Obwohl es mich für Ellen Pompeo durchaus freuen würde, wenn sie weiterhin so einen entspannten Job haben dürfte (gerade in Hinblick darauf, dass es vielleicht die letzte Staffel der Serie ist), bin ich natürlich unglaublich erleichtert, dass man Merediths Genesung nicht weiter hinausgezögert hat: Endlich öffnet sie die Augen, endlich dürfen wir uns vom Strand verabschieden.

Zuvor zieht die Serie aber alle Register und kramt aus der Kitschkiste die besten Tropes des Koma-Genres aus. Traum-Hochzeit am Strand? Check. Alle Freund:innen und Familienmitglieder am Krankenbett, darauf bangend, dass sie endlich aufwacht? Check. Schlussendlich geweckt von der Kraft der Liebe zu ihren Kindern? Check-Check-Check. Ich könnte jetzt zynisch sein und die Serie dafür kritisieren, dass man hier durchaus etwas einfallslos vorgeht, allerdings war ich so bewegt, dass mir jeglicher möglicher Zynismus dabei abhandengekommen ist. Zugegeben: Die Strandhochzeit war vielleicht ein unnötiges Detail, aber für mich stellt sie ein Liebesbrief an all die Fans dar, die es immer etwas gewurmt hat, dass Meredith und Derek nie die große Traumhochzeit bekommen haben – die Klebezettel-Idee kommt bei Klein Ellis nämlich ebenfalls nicht so gut an.

Im Prinzip liefert man in dieser Episode das, was sich alle Fans seit langem gewünscht haben: Ein Gespräch zwischen Meredith und Derek, das ähnlichen Tiefgang annimmt wie ihre vorherigen mit Mark, Lexie und George und nicht länger in seichten Gewässern dümpelt. Es geht um Dereks Tod, Merediths Schmerz, ihre gescheiterten Versuche, mit anderen Männern glücklich zu werden und vor allem natürlich um die gemeinsamen Kinder. Derek muss eine müde und erschöpfte Meredith immer wieder davon überzeugen, dass sie nicht aufgeben darf, dass gerade der Schmerz ein Leben lebenswert macht und vor allem: Dass ihre Kinder Meredith brauchen. Es war natürlich abzusehen, dass es schlussendlich Derek sein würde, der Meredith dazu bewegen würde, den Strand zu verlassen, dennoch fand ich Dereks und Merediths letzte Szene unglaublich berührend und zärtlich inszeniert. Insgesamt mochte ich die Strandszenen eigentlich immer sehr– zwar wirkten sie teilweise redundant und unlogisch aufgebaut, trotzdem boten sie stets die größten emotionalen Highlights der jeweiligen Folge und wurden sie einmal nicht gezeigt, habe ich sie vermisst. Gleichzeitig bereitet man den Fans ein weiteres Mal die Möglichkeit, sich von geliebten Figuren gebührend verabschieden zu können. Das hat sich für mich insbesondere bei Patrick Dempsey bezahlt gemacht, dessen eigentlicher Ausstieg damals so abrupt verlief und dessen sporadische Auftritte diese Staffel mir Derek wieder sympathisch gemacht haben.

Dadurch, dass die Folge insgesamt etwas vorhersehbar inszeniert wurde, war es auch eigentlich von Anfang an klar, dass am Ende Meredith aufwachen würde. Sämtliche Storylines (mit Ausnahme von Jo und Levi) der Episode hängen mehr oder weniger mit Meredith zusammen und zeigen, wie groß die Sorge der anderen Ärzt:innen um Meredith ist bzw. wie generell die Nerven durch den Corona-Alltag blank liegen. Amelia wirft sich in eine riskante OP, eine der ersten dieser Art für sie seit dem Lockdown, nur um sich nicht weiter mit ihren Gedanken um Meredith auseinander setzen zu müssen – letztlich rast sie dennoch völlig aufgelöst zurück ins Krankenhaus, weil sie die Angst um Meredith nicht loslässt. Tom dagegen ist zunehmend desillusioniert und versucht sämtlichen Nachrichten um Meredith aus dem Weg zu gehen, da er sich nicht mit dem Gedanken an eventuelle Nachwirkungen, die Corona bei ihm ausgelöst haben könnte, auseinandersetzen kann. Teddy wiederum stößt bei Merediths Behandlung erneut an ihre Grenzen und erleidet beinahe einen zweiten Nervenzusammenbruch und kann sich nur durch Owens Hilfe wieder beruhigen. Owen, der sein Bestes gibt, um auf Teddy zu achten, ist selbst auch völlig am Ende seiner Kräfte und verliert die Fassung, als er telefonisch die Nachricht eines Todes übermitteln muss. Alle Ärzt:innen des Krankenhauses sind, wie Teddy Winston verdeutlicht, Merediths Familie – und brauchen daher ihr Überleben, um Hoffnung in der hoffnungslosen Zeit der Pandemie finden zu können.

Der Held des Tages ist aber Winston, den ich von Folge zu Folge sympathischer finde. Obwohl er der einzige ist, der Meredith nicht persönlich kennt, mindert das nicht den Einsatz, den er für sie zeigt. So hat Winston schließlich auch nach einer OP die rettende Idee, dass Zolas Anwesenheit Meredith aufwachen lassen könnte. Bereits das gemeinsame Schreien mit Maggie zählte für mich zu den stärkeren Szenen dieser Folge; dies wurde selbstverständlich von den Momenten übertrumpft, in denen Zola endlich wieder ihre Mutter sieht und die Ärzt:innen gebannt darauf warten, ob Meredith tatsächlich nun aufwachen würde. Aniela Gumbs, die Darstellerin von Zola, darf in diesen Augenblicken so großartig aufspielen, dass hier sicher kein Auge trocken geblieben ist – spätestens in dem Moment, als Meredith tatsächlich aufwacht und Zola mit den Worten "We Love You, Zozo" begrüßt. Kitsch hin oder her, das war einfach verdammt bewegend.

Merediths Worte an Zola verdeutlichen auch, dass der Strand wohl seine Spuren in ihr hinterlassen hat und insbesondere die Begegnung mit Derek sie nachhaltig beeinflussen wird. Es wird generell nun spannend, wie es mit ihr weitergehen wird. Ich glaube nicht, dass Meredith weiter unter Nachwirkungen ihrer Corona-Infizierung leiden wird – dafür war die Symbolik des Verlassens des Strandes zu stark. Stattdessen fände ich es schön, wenn man die Impulse dieser Staffel fortsetzt und in den verbleibenden Folgen dieser 17. (und vielleicht auch letzten?) Staffel weiterhin den Fokus auf das Familienleben Merediths legt. Die große Storyline dieser Staffel, Merediths Covid-Erkrankung, scheint abgeschlossen zu sein, ein entspannter Epilog wäre meiner Meinung nach jetzt genau das Richtige.

Da Meredith und ihr Erwachen im Fokus dieser Folge stehen, werden die anderen Storylines nur sehr behutsam fortgesetzt. Neben Teddys und Owens erwähnter Annäherung (bei der Teddy deutlich den Bogen überspannt hat) sind es auch Levi und Nico, die offenbar mehr oder weniger bereit für den nächsten Schritt in ihrer Beziehung sind. Nach Levis Bitte, eine Schublade in Nicos Wohnung zu bekommen, schlägt dieser ihn wiederum mit einem Liebesgeständnis und einer Bitte, bei ihm einzuziehen, in die Flucht. Das war natürlich ein lustiger Twist, da es nun erstmals Levi selbst ist, der vor Nico wegschreckt und Nico derjenige ist, der klar und deutlich kommunizieren kann, was er von Levi will. Ich denke dennoch, dass sich diese Situation schlussendlich in Wohlgefallen auflösen und Levi über seinen Schatten springen wird.

Darüber hinaus darf Jo, nach einigem Hin und Her, nun endlich ihr Fachgebiet wechseln und Gynäkologin werden. Ich habe, wie Cormac, immer noch Schwierigkeiten mit dem Zeitpunkt von Jos Bitte, habe aber, ähnlich wie Bailey, meinen Frieden mit Jos Entscheidung geschlossen: Das Leben ist, wie die Folge so schön zeigt, zu kurz, um etwas zu tun, was einen nur unglücklich macht. Jackson hingegen ist nach den Ereignissen der letzten Folge wie vom Erdboden verschluckt, auch wenn seine Abwesenheit Jo nicht groß zu kümmern scheint. Ich hatte anfangs ja immer stark vermutet, dass die Affäre der beiden mit der Zeit zu einer richtigen Beziehung werden würde. Darin habe ich mich offenbar getäuscht, schließlich hat man in den vergangenen Folgen nichts dergleichen thematisiert. Was genau mit Jackson passiert, erfahren wir wohl erst in der nächsten Episode.

Lux H. - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersicht

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Grey's Anatomy" über die Folge #17.13 Good as Hell diskutieren.