Bewertung: 5

Review: #8.06 Der Eiserne Thron

Foto: Emilia Clarke, Game of Thrones - Copyright: Courtesy of HBO
Emilia Clarke, Game of Thrones
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Hier ist es nun also, das Finale von "Game of Thrones". Ein letztes Mal fliegen wir mit Drogon durch die Lüfte, ein letztes Mal werfen wir einen Blick hinter die Mauer, ein letztes Mal wird um den eisernen Thron gekämpft. In der finalen Staffel dieser einst epischen Serie war ganz sicher nicht alles perfekt und auch die letzte Episode kann nicht alles wieder geraderücken. Dennoch hält man an den Grundsetzen der Geschichte fest und erschafft ein Ende, das nicht immer zufriedenstellend ist, den Kreislauf jedoch durchbricht.

Love is the death of duty. And sometimes duty is the death of love.

Man steigt sehr langsam in die letzte Episode ein und zeigt uns das katastrophale Ausmaß der Zerstörung Königsmunds. Es tut gut, die Folge so zu beginnen und noch einmal die Emotionen von Unverständnis und Gegenwehr aufzurufen, die man für Daenerys empfindet. Nachdem sie trotz Kapitulation die Stadt niedergebrannt hat, ist man bereit, sie als irre Königin anzusehen – eine Entwicklung, die ich sehr schade finde, die man aber rückblickend aus langer Hand aufgebaut hat und mit der ich mich daher durchaus anfreunden kann. Wie Daenerys auf die jubelnden Dothraki und die starren Unbefleckten hinabblickt, dann in einer für das Ohr fremden Sprache zu ihnen spricht und ein erschreckendes Glitzern in den Augen hat, als sie sagt, dass dies erst der Anfang ist, schlägt genau in die Kerbe des stärker werdenden Wahnsinns. Die Umsetzung der Szene ist gut gelungen, denn Daenerys wirkt so fremd wie nie zuvor, mit Drogon, der sich hinter ihr aufrichtet, lehrt sie jeden das Fürchten, der einen anderen Standpunkt als den ihren vertritt. Genau so gut ist die Abneigung Tyrions umgesetzt, der nach dem Blick auf seine toten Geschwister einsehen muss, dass es für Daenerys kein zurück mehr gibt. Mit einer Gänsehaut beobachtet man, wie er sich die Brosche der Hand abzieht und als Zeichen des Bruches mit Daenerys achtlos zu Boden wirft.

Diesen starken Szenen schließt sich der erste Schwachpunkt der Episode an, der sich im einstigen Thronsaal abspielt. Wie Daenerys über den staubbedeckten Boden schreitet, erinnert sehr an ihren Ausflug ins Haus der Unsterblichen in #2.10 Valar morghulis. Verzückt berührt sie den eisernen Thron und ihr sehnlichster Wunsch – auf dem Thron zu sitzen – geht nie in Erfüllung. Mit eben jenem irren Blick, den sie schon bei ihrer Ansprache trug, versucht Daenerys, die Jon gegenüber zuvor so kalt wie Eis war, nun mit Feuer in den Augen klarzumachen, dass sie gemeinsam die Welt verändern können. Es passt für mich überhaupt nicht, dass Daenerys' Blicke zuerst nur so vor Abneigung zu triefen scheinen, dann aber plötzlich nicht glühender sein könnten. Soll das Teil ihres abgedrifteten Geisteszustandes sein? Auch das Ringen Jons, ob er nun zu seinem Eid steht oder es dem Königsmörder gleichtut, war für mich nicht überzeugend. Die Liebe zwischen Jon und Daenerys war nie so authentisch, dass man nun innig mit Jon mitfühlen könnte, weshalb auch Kit Harringtons verzerrter Gesichtsausdruck gekünstelt wirkt. Das anschließende Ableben Daenerys' setzt der unstimmigen Szene die Krone auf, denn der wilde Kuss der beiden wird durch einen Dolchhieb Jons unterbrochen, durch den Daenerys augenblicklich stirbt. Ihr Tod ist ähnlich unzufriedenstellend und vor allem unwürdig wie der von Cersei und Jaime in der letzten Episode. Wie zwischen Tür und Angel baut man diese Wendung nach nicht einmal der halben Folge ein, als wäre es nur ein Checkpunkt von vielen, den es auf den letzten Metern abzuarbeiten gibt. Das Problem der Serie, unter Zeitdruck zu stehen, wird wieder einmal überdeutlich und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Dieser Nachgeschmack verbleibt, da durch den eingebauten Zeitsprung über ein Logikloch hinweggetäuscht werden soll. Grauer Wurm und seine Männer rächen sich tatsächlich nicht an Jon, als sie ihn im Thronsaal neben einem Blutfleck vorfinden? Wochen später verlangen sie aber eine Bestrafung? Das passt hinten und vorne nicht zusammen, zudem finde ich es sehr schwer, sich in Grauer Wurm hineinzuversetzen. Ist er lediglich eine Marionette Daenerys'? Tötet er die Lannisters aus eigenem Blutdurst?

Das anschließende Tribunal mit allen wichtigen Oberhäuptern des Landes wirft ein Lächeln auf, als man altbekannte Gesichter wie Edmure, Robin oder Yara wiedersieht, gleichzeitig ärgert man sich aber auch darüber, dass ihre Geschichten zuletzt keine Erwähnung fanden. Zudem nimmt man dem Treffen die Ernsthaftigkeit, als Sansa ihren Onkel rüde unterbricht. Erinnern wir uns zurück, war Edmure zwar nie ein cleverer oder sympathischer Charakter, dennoch war es nicht nötig, den Zuschauer auf so plumpe Weise daran zu erinnern. Auch das Gelächter über Sams Vorschlag fand ich unpassend. Seine Idee zur Ernennung des Königs, die genau wie die Wahl eines Lord Kommandanten bei der Nachtwache erfolgt wäre, hatte in meinen Augen nichts Lächerliches, durch die Kommentare der anderen fühlte man sich unschön an Staffel 1 erinnert, in der Sam oftmals als Witzfigur galt. Es hat mir hingegen gut gefallen, wie Tyrion erklärt, dass Bran zum König ernannt werden soll und dass er einen Weg aufzeigt, den Kreislauf aus Ungerechtigkeit zu brechen. Dadurch gewinnt die Geschichte, die wir gemeinsam mit der Serie durchlebt haben, an Bedeutung und man hat das Gefühl, dass der ewige Kampf dann doch etwas Gutes bewirkt hat. Der Moment, in dem sich alle hinter Bran stellen, hat dies sehr schön unterstrichen, weshalb es mich gestört hat, dass Sansa eine Extrawurst braucht und den Norden von dieser Regelung ausnimmt. Für die anderen Lord und Ladys wäre dies in meinen Augen ein willkommener Anlass gewesen, sich dann auch nicht mit dem König einverstanden zu erklären.

Nach diesen Szenen bin ich sehr zwiegespalten über meine Meinung zum Finale. Es ist irgendwie das, was ich erwartet hatte, aber ganz anders umgesetzt und in sich nicht harmonisch. Tode von bedeutenden Figuren wie Cersei, Jaime und Daenerys kommen viel zu kurz, Charakterentwicklungen wird keine Zeit zur Entfaltung gegeben, rückblickend fehlt der logische Zusammenhang und die Tiefgründigkeit. Die erste Staffelhälfte galt der Bekämpfung des Nachtkönigs und nie wurden uns seine Motive offenbart. Die zweite Staffelhälfte drehte sich um den eisernen Thron und dieser wurde nun zerstört. Es mangelt an Vorstellungskraft darüber, wie es in Westeros weitergehen wird, nachdem wir diese Welt verlassen, was daran liegt, dass man sich alle Möglichkeiten offenhält. Teilweise haben die Figuren bekommen, was sie sich zu Beginn der Serie gewünscht haben: Sansa ist eine Königin, Arya ist keine Lady, Jon ist bei der Nachtwache, Brienne ist ein Ritter. Dem entgegen stehen diese unerfüllten Wünsche: Bran ist kein Ritter, Daenerys sitzt nicht auf dem eisernen Thron, Cersei konnte ihre Familie nicht beschützen. Der Weg dorthin war steinig und mittlerweile haben sich die Wünsche geändert, weshalb besonders bei Jon viel Bitterkeit mitschwingt. Er kann kein rechtes Lächeln hervorbringen, als er zur Mauer zurückkehren muss, allein der Anblick von Geist war etwas Positives an dieser Storyline. Der Gesamteindruck hat etwas seltsam Belangloses, auch das Treffen des kleinen Rates unterstreicht dieses Gefühl, da hier eher darüber gescherzt wird, ob man Bordellen den Vorzug vor Schiffen geben soll. Ähnlich ergeht es mir bei Sansa, deren Krönung etwas Episches hätte haben sollen, aber sehr schnell abgehandelt wurde.

Kurze Eindrücke

  • War Drogon von Asche oder von Schnee bedeckt? Und wohin hat Drogon die Leiche von Daenerys gebracht?
  • Jon hätte Tyrion einfach so sterben lassen wie zuvor Varys? Erst durch die Erwähnung seiner Schwestern schien er sich gegen seinen Eid zu entscheiden.
  • Als Brienne in das Buch Brüder der Königsgarde über Jaime schrieb, freute ich mich, dass seine Seite nicht leer blieb. Allerdings habe ich kurz überlegt, ob sie wohl schreibt, dass sie von ihm schwanger ist.
  • Indem Bronn zum Meister der Münze und Sam zum Maester wird, zeigt die Serie auf, dass das Unmögliche möglich ist. Dennoch finde ich Bronn im kleinen Rat dann doch etwas schräg.
  • Tormund darf bei seinem letzten Auftritt nicht ein Wort von sich geben?
  • Ich habe das Gefühl, dass es von Mal zu Mal mehr Dothraki gibt. In der Schlacht um Winterfell sind viele von ihnen gefallen, in der Schlacht um Königsmund hat man plötzlich wieder zahlreiche Dothraki gesehen und jetzt gibt es schon wieder eine ganze Horde.
  • Der neue König beschäftigt sich so wenig mit Regierungsgeschäften wie alle vor ihm und hält lieber nach Drogon Ausschau, anstatt sich mit seinem kleinen Rat um die sechs Königslande zu kümmern.
  • Eine schöne Szene ist Tyrions Suche nach seinen Geschwistern. Auch wenn ich es ernüchternd finde, dass Cersei und Jaime tatsächlich durch einstürzende Trümmer erschlagen wurden, ist es gut, dass man die beiden noch einmal zeigt und uns Gewissheit gibt. Peter Dinklage kann mit seiner Trauer vollkommen überzeugen.
  • Arya darf nicht noch einmal ihr Talent nutzen und ein anderes Gesicht tragen, was sehr schade ist.
  • Das Lied von Eis und Feuer ist tatsächlich als Buch erschienen.
  • George R. R. Martin hat nun die Chance, in seinen Büchern besser darauf zu achten, Charakterzüge über lange Zeit aufzubauen und somit eine Geschichte zu schreiben, die weniger holprig ist, als es die Serie zum Schluss war.
  • Es gibt einen kleinen Verweis auf den Titel von George R. R. Martins letztem Buch, in dem der Frühling angekündigt wird. Dafür, dass dies der längste Winter aller Zeiten werden sollte, ist er ziemlich schnell abgeklungen.


Fazit

Es bleibt nach diesem Ende ein eigenartig hohles Gefühl zurück. Auf eine für "Game of Thrones" übliche bittersüße Art beendet man die Serie und rast dabei einerseits durch die letzten Kapitel dieser Geschichte, während man andererseits versucht, allen Figuren einen würdigen Abschied zu bereiten. Dabei die Balance zu halten ist schwer und es ist D.B. Weiss und David Benioff leider nicht gut gelungen, ein rundes Serienfinale zu fabrizieren. Unharmonisch ist dabei vor allem, dass die guten Leistungen der Schauspieler und das schwächelnde Drehbuch nicht in Einklang stehen. Dennoch werde ich "Game of Thrones" in guter Erinnerung behalten.

Marie Florschütz - myFanbase

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