Bewertung: 8

Review: #2.08 Enden und Anfänge

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Dark
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Genau wie man mit dem Titel des Staffelfinales #2.08 Enden und Anfänge den Staffelauftakt #2.01 Anfänge und Enden reflektiert, verweist man auch auf das Finale der ersten Staffel. In #1.10 Alpha und Omega erweiterte man den Horizont der Zuschauer, indem man aufzeigte, dass es mehr in der Welt von "Dark" gibt, als nur die drei Zeitebenen, auf die man sich bisher konzentriert hat. Dieses Mal fasst man einen Kreis, der noch einmal wesentlich größer ist. Man bringt den Zuschauer gleichermaßen dazu, zustimmend mit dem Kopf zu nicken, wie ihn ungläubig zu schütteln, wenn Charaktere zu Taten ansetzen, mit denen man nicht gerechnet hätte.

Wir passen perfekt zusammen.

Der Tag der Apokalypse ist gekommen und man fragt sich, wie alles derartig ausufern kann, dass es zu diesem massiven Akt der Zerstörung kommt. Mit viel Hang zum Dramatischen wird deutlich, dass die Triebkraft dieser Science-Fiction Geschichte in so ziemlich jeder Ebene auf der Liebe basiert. Zentrales Element sind dabei Jonas und Martha, die als star-crossed-lovers dargestellt werden und der Grund dafür sind, dass der Kreislauf von neuem beginnt, da Jonas hofft, Martha vor dem Tod – der durch seine eigene Hand erfolgt – retten zu können. Die beiden Schauspieler passen vortrefflich zusammen und können die tiefe Liebe aber auch die Abwehrhaltung aufgrund ihrer Verwandtschaft zwischen Jonas und Martha perfekt auf den Bildschirm zaubern. Genau so deutlich ist die Liebe von Katharina zu ihrem Sohn Mikkel, durch den sie bereit ist durch die Zeit zu reisen, von Claudia zu ihrer Tochter Regina, von Charlotte zu ihrer Tochter Elisabeth und umgekehrt, von Clausen zu seinem Bruder,… die Liste ist schier endlos. Auf vielfältige Weise zeigt man uns im diesem Staffelfinale die tiefe Verbundenheit zwischen den Bewohnern von Winden, die verstrickter nicht sein könnte.

Bisher haben wir immer angenommen, dass es möglich sein muss, den Lauf der Dinge zu verändern, doch nun konfrontiert man uns damit, dass es kein Entkommen aus dem ewigen Kreislauf ist. Denn wenn die Zukunft bereits einmal geschehen ist, dann kann man die Vergangenheit nicht mehr ändern. Es ist faszinierend, wie "Dark" mit dem Zuschauer spielt, gleichzeitig alle Hoffnungen zerstört und sie im nächsten Atemzug wieder aufrichtet. Denn ein kleines Schlupfloch gibt es immer und dieses präsentiert man uns in Form von Martha aus einer Parallelwelt. Durch diesen Schachzug zeigt man uns, dass der Lauf der Dinge doch irgendwie verändert werden kann und deutet den Grundgedanken für Staffel 3 an. Während man in Staffel 1 vollkommen auf die Jahre 1953, 1986 und 2019 konzentriert war, zeigte man mit dem Staffelfinale auf, dass die Geschichte aus noch mehr Zeitebenen besteht, weshalb wir mit Staffel 2 auch 1921 und 2053 erkundeten. Nun gibt man dem Ganzen einen noch größeren Schubs und erweitert die Handlung von Zeitreise zu Reisen zwischen Parallelwelten. Ich bin dieser Entwicklung gegenüber viel aufgeschlossener, als ich es nach dem Finale von Staffel 1 mit dem Gedanken an die Zeit nach der Apokalypse war. Das liegt vor allem daran, dass "Dark" in seiner zweiten Staffel konsequent bewiesen hat, dass man ein Konzept im Kopf hat, das Hand und Fuß hat, weshalb es nach anfänglicher Skepsis ein leichtes ist, sich nun auf diese Erweiterung der Geschichte einzulassen.

Wunderbar umgesetzt war neben den Gesten der Liebe auch die Apokalypse, die nur durch das Zusammenspiel über mehrere Zeitebenen stattfinden kann. 2020 lässt Clausen den versteckten radioaktiven Müll freilegen, während Katharina in den Windener Höhlen nach einem Weg durch die Zeit sucht und 2053 stabilisiert Elisabeth das Gottesteilchen, wodurch sich genau wie im Finale der ersten Staffel – in dem die Passage geschlossen wurde – ein Portal zwischen den Zeiten öffnet und die Passage wieder geöffnet wird. Somit fügt man wieder einmal mit viel Fingerspitzelgefühl ein paar Puzzleteile der Geschichte zusammen, die unterstreichen, dass wir es mit einem fortwährenden Kreislauf zu tun haben, durch den die Serienmacher von "Dark" uns zielgerichtet zu navigieren wissen.

Randnotizen

  • Weiß Elisabeth, dass Charlotte gleichzeitig ihre Mutter und ihre Tochter ist? Warum wurde Charlotte als Baby zu H.G. Tannhaus gebracht?
  • Wie kann Clausen so dumm sein und einfach Fässer öffnen lassen, die mit Warnzeichen zu Radioaktivität versehen sind? Sicher hatte er erwartet darin etwas anderes zu finden, doch auch wenn ich die Triebkraft seiner Handlung verstehen kann, finde ich sein Vorgehen mehr als nur leichtsinnig und überhastet.
  • Wenn es das einzige Ziel des erwachsenen Jonas ist, Martha vor dem Tod durch Adams Hand zu bewahren, ist es dann nicht ein etwas halbherziger Rettungsversuch, sie morgens im Bunker einzusperren und dann darauf zu vertrauen, dass sie bis zur Apokalypse dort bleiben und überleben wird? Für mich stellt dies den einzigen Schwachpunkt der Episode dar.


Fazit

Bis auf den etwas inkonsequent handelnden erwachsenen Jonas ist dies ein wunderbares Staffelfinale. Man schließt mit einem Kapitel auf zufriedenstellende Weise ab, bereitet aber gleichzeitig den Weg für die finale Staffel. Nicht nur inhaltlich, sondern auch schauspielerisch kann man "Dark" zu dieser Episode gratulieren.

Marie Florschütz - myFanbase


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