Bewertung: 5

Review: #2.01 Anfänge und Enden

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Dark
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Seit der Veröffentlichung der ersten Staffel von "Dark" sind anderthalb Jahre vergangen und wenn man nicht gerade mit einem Rerun in die zweite Staffel der Serie startet, dann ist es ein sehr unsanfter und auch recht unpersönlicher Beginn in die zweite Runde von "Dark".

Der erste Blick, den uns der Auftakt von Staffel 2 beschert, führt uns noch weiter zurück in die Vergangenheit. Es würde mit dem Jahr 1921 eine weitere Zeitebene in die Geschichte eingeführt, die man erst einmal distanziert betrachtet und nicht recht weiß, wie man sie nun in die Geschichte einordnen soll. Die zwei jungen Männer, die augenscheinlich die Passage bauen, die anschließend das Zeitreisen ermöglichen wird, sind vollkommen fremde Gesichter. Eben weil man wenig mit der neuen Zeitebene und den beiden anfangen kann, fällt der Start in die zweite Staffel der Serie erstaunlich schwer. Hinzu kommt, dass das Gespräch zwischen ihnen viele Fragen aufwirft und das das Abschlachten mit der Spitzhacke ziemlich unglaubhaft umgesetzt wird.

Es wird indes immer vertrackter und man offenbart uns, dass Noah nicht der Kopf hinter allem ist, sondern für jemanden namens Adam arbeitet. Auch wenn diese Wendung nicht gerade elegant ist, erkennt man hier sehr deutlich die Handschrift von "Dark" wieder, indem man als Zuschauer sofort zum Grübeln angeregt wird, um wen es sich bei Adam handeln könnte und welche jüngere Ausgabe von ihm wir bereits getroffen haben könnten. Dies ist ein Moment, bei dem ich mich im Staffelauftakt wieder wohl gefühlt habe, doch allzu viele gibt es davon leider nicht. Etwas übertrieben sind Adams Narben, die nach Verbrennungen oder Verätzungen aussehen und seinen ganzen Körper zu zeichnen scheinen. Irgendwie erinnert er mich an einen billigen Abklatsch des Imperators aus "Star Wars". Gleichermaßen fragwürdig ist das Gottpartikel, das in Zusammenhang mit Adam zur Sprache kommt. Die kirchliche Komponente ist uns durch Noah bereits bestens vertraut, der schon fast wahnhafte Glauben macht es einem allerdings schwer, das Gehörte ernst zu nehmen. Auch eine Prophezeiung wird erwähnt und die Episode quillt damit über von bedeutungsschwangeren Hinweisen, die in Staffel 1 mit keiner Silbe erwähnt wurden. Es ist einfach alles eine Spur zu dick aufgetragen, weshalb ich arge Probleme damit habe, mich mit dem Jahr 1921 anzufreunden. Schwer fällt mir dabei auch, dass das Prinzip der Triqueta vollkommen aus dem Gleichgewicht gerät. Natürlich macht es nur Sinn, dass es von jeder Zeitebene aus nochmals 33 Jahre in die Vergangenheit und Zukunft gehen kann, doch es wirkte alles viel stimmiger, als man noch von drei Zeitebenen ausgegangen ist. Nicht nur hat man durch einen weiteren Zeitsprung 33 Jahre zurück nun plötzlich ganz neue Gesichter vor Augen – von denen lediglich Noah einen Bezug zu Staffel 1 darstellt – es bleiben auch viele Geschichten aus Staffel 1 auf der Strecke und werden, wenn überhaupt, nur grob angerissen. Das ist sehr schade, weil man sich bereits gut in Charaktere wie Ulrich und Mikkel eingefühlt hat, sie im zweiten Zyklus der Geschichte aber nicht zu sehen bekommt. Allgemein ist schwer vorstellbar, was uns die Serie damit sagen will, dass sie nun in den zweiten Zyklus geht. Wird es bei drei Zeitebenen bleiben, nur dass diese sich im zweiten Zyklus anders verteilen, als es im ersten der Fall war? Also 1921, 2020 und 2053? Ich zweifle nicht daran, dass "Dark" zu alter Stärke zurückfinden wird, doch der erste Blick auf Staffel 2 lässt viele Fragen offen.

Während man noch damit ringt, sich in das Jahr 1921 einzufühlen, tauchen wir gemeinsam mit Jonas in das postapokalyptische Jahr 2053 ein. Bereits im Finale von Staffel 1 fiel mir dieses Zeitsprung schwer und auch jetzt bin ich innerhalb der Folge noch nicht mit dieser Zeitebene warm geworden. Positiv anrechnen muss man der Serie, dass "Dark" die bedrückte Stimmung, die bereits in Staffel 1 konsequent mitschwang, weiterhin wunderbar umzusetzen weiß. Der an Tränen erinnernde Regen aus Staffel 1 wird in Staffel 2 von einer staubtrockenen Beklommenheit abgelöst. Das zerstörte Kraftwerk, die verwucherte Stadt und die liederlichen Menschen erscheinen trostlos. Interessant an dem Sprung ins Jahr 2053 ist eine weitere Verbindung von Familien, denn es wird aufgelöst, dass H.G. Tannhaus der Vater von Charlotte ist. Seine Verwicklung in die Geschichte war bisher noch immer mit einem Fragezeichen behaftet, das mit Staffel 2 scheinbar aufgeklärt werden soll. Ebenso wie man dadurch die Figuren auf gute alte "Dark"-Manier enger miteinander in Kontakt bringt, passt auch ins Bild, dass die Anführerin in 2053 niemand geringeres als Elisabeth ist. Was erst nur ein Verdacht ist, der auf der Verwendung der Zeichensprache beruht, schlägt durch den harten Schnitt ins Jahr 2020 sofort in eine Bestätigung um.

Zu guter Letzt findet auch das Jahr 2020 Erwähnung. Hier ist die Stimmung am düstersten, da die Atmosphäre von Verlust und Fehlschlag geschwängert ist. Neben Erik, Mikkel und Yasin gelten ein halbes Jahr nach den Geschehnissen der ersten Staffel auch Jonas, Ulrich und Helge als vermisst. Auf allen Ebenen zeigt man dem Zuschauer, dass es den Figuren in den vergangenen Monaten mies ergangen ist. Wir sehen eine von der Chemotherapie gezeichnete Regina, einen abgemagerten Bartosz, eine erschöpft wirkende Martha, einen verunsicherten Magnus, einen niedergeschlagenen Aleksander, eine rastlose Katharina und eine verzweifelte Hannah. Keiner von ihnen ist glücklich und doch weiß niemand einen Ausweg aus der Situation.

Kurze Eindrücke

  • Mit dem Wissen darauf, dass die Apokalypse nur sechs Tage entfernt ist, macht man das Ziel der zweiten Staffel sehr deutlich. Wie kommt es zur Zerstörung des Windener Atomkraftwerks und wie stehen die Zeitreisen und das Gottpartikel damit in Verbindung?
  • Fun Fakts: Staffel 2 startete am 21. Juni 2019, genau an dem Tag, an dem Michael sich in Staffel 1 das Leben nahm.
  • Was hat es mit Franziska und Benni auf sich? Warum ist Magnus so sensibel? Was weiß Benni über den radioaktiven Müll, den sein Bruder vor dem Wohnwagen geparkt hatte?
  • Es scheint so, als müsste ich meinen Verdacht, dass es sich bei Bartosz und Noah um die gleiche Person handelt, zu den Akten legen.
  • Wie kam es dazu, dass die Passage geschlossen wurde? War es das Werk des erwachsenen Jonas'?
  • Was sieht Jonas im AKW? Soll das ein schwarzes Loch sein? Oder sogar das Gottpartikel? Ganz egal wobei es sich um den flimmernden schwarzen Ball handelt, wie schon im Finale von Staffel 1 muss ich sagen, dass mir die Science-Fiction-Spielerei etwas zu übertrieben ist. Sie erinnert mich stark an die andere Seite von "Stranger Things".
  • Der erwachsene Jonas hat also überlebt. Wo war er in den letzten Monaten?
  • Die Stimme von Tannhaus im Off, die durch die Geschichte leitet, hat mir gefehlt.


Fazit

Leider knüpft der Auftakt von Staffel 2 an das eher mittelmäßige Finale von Staffel 1 an. Es sind die beiden neuen Zeitebenen, in die wir geworfen werden, durch die man nur schwer mit der neuen Staffel warm wird. Die ohnehin schon sehr komplexe Geschichte gerät dadurch aus dem Gleichgewicht und man ist sich nicht sicher, worauf alles hinauslaufen soll, klar ist lediglich, dass man immer noch weiter in der Vergangenheit nach dem Ursprung und noch weiter in der Zukunft nach den Auswirkungen suchen kann. Hoffentlich legt sich das Gefühl, dass man sich fremd in dieser doch eigentlich vertrauten Serie fühlt, innerhalb der nächsten Folgen.

Marie Florschütz - myFanbase


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