Bewertung
Jones, Carrie

Flüsterndes Gold

Sein Rufen bannt, sein Kuss tötet.

Foto: Copyright: Verlagsgruppe Random House GmbH
© Verlagsgruppe Random House GmbH

Inhalt

Nach dem plötzlichen Tod ihres Stiefvaters verschlägt es die junge Zara White nach Maine, einem für ihre Verhältnisse kalten und trostlosen Ort. Bei ihrer robusten und tatkräftigen Großmutter Betty soll das angeschlagene Mädchen ihre Trauer verarbeiten und zur Ruhe kommen. Doch kaum in der neuen Heimat angekommen, geschehen unheimliche Dinge. Ein ominöser Mann scheint Zara zu verfolgen und ruft hin und wieder ihren Namen, um sie zu sich zu locken. Dabei hinterlässt er so gut wie keine Spuren – nur eine kleine Menge Goldstaub verkündet seine Anwesenheit. Aber was hat das alles zu bedeuten und was will er von ihr? Noch bevor Zara zusammen mit ihren neu gewonnen Freunden und ihrem Schwarm Nick auf die Jagd nach der Wahrheit geht, verschwindet ein Junge nach dem anderen. Und bald bleibt eine ernüchternde Erkenntnis zurück: ein Elfenkönig hat es auf sie abgesehen und fordert männliche Blutopfer, bis er seine Königin gefunden und zu einem der seinen gewandelt hat.

Kritik

Und ewig grüßt die schaurig schöne Fantasyromanze nach dem Prinzip: unschuldiges Mädchen trifft auf coolen Jungen mit einem düsteren Geheimnis. Seit Edward Cullen und seine Herzensdame Bella Swan nicht nur zahlreiche Bücherregale, sondern auch noch die Kinoleinwände bevölkern, gibt es kein entkommen mehr. Ein Urban-Fantasy-Schmöker jagt den nächsten. Mal sind es Vampire, mal Werwölfe oder Feenwesen, die ihr Unwesen treiben und das Herz der Angebeteten in Brand setzen. Carrie Jones' "Flüsterndes Gold" bildet da keine Ausnahme und bedient sich zuweilen dem gleichen Muster, schafft es aber dennoch, die Elfen-Werwesen-Story mit Hilfe origineller Ideen und einer starken Erzählstimme zu enttwilighten (trotz nicht zu verachtender Ähnlichkeiten in den ersten Kapiteln).

Der Anfang ist sehr klassisch und bekannt gehalten – ein Ortswechsel, neue Freunde, der geheimnisvolle Mädchenschwarm und mysteriöse Ereignisse. Kurz gesagt: ein neues Leben mit anfangs wenig berauschenden Aussichten. Im Mittelpunkt steht Zara White, ein junges Mädchen mit dem Hang, vor allem davon zu laufen, und dem Drang, jede Angst beim Namen zu nennen. Keine uninteressante Sache. Jedes Kapitel beginnt nämlich mit dem Namen einer Phobie und was diese bedeutet. So muss Zara sich mit der Mnemophobie (Angst vor Erinnerungen), Philophobie (Angst sich zu verlieben oder verliebt zu sein) und der Nekrophobie (Angst vor dem Tod) auseinandersetzen. Immerhin gilt es den Tod eines geliebte Menschen zu verarbeiten und dabei ist es nicht gerade hilfreich, dass sie plötzlich mit allerhand übernatürlichen Wesen und einem nach Blut lechzendem Elfenkönig konfrontiert wird.

Dank Zaras sarkastischer und mitreißender Erzählstimme schreitet die Handlung schnell voran und es ist nicht weiter tragisch, dass einem besagtes Erzählmuster ziemlich bekannt vorkommt. Hier fehlt weder die zickige Mitschülerin, die der potentiellen Konkurrentin das Leben so schwer wie möglich macht, noch der coole Junge, der ein Auge auf das Mädchen in Nöten wirft und ihr Herz im Sturm erobert – das er nicht ganz menschlich ist, versteht sich dabei von selbst. Was er ist und wie Zara es herausfindet, offenbart sich dem Leser quasi auf dem Silbertablett, wird aber so süß und hinreißend erzählt, dass man an dieser Stelle ein Auge zudrücken darf. Schließlich gibt es noch allerhand andere Mysterien zu entdecken, wie das gemeine und blutrünstige Elfenvolk, auf deren Liste Zara gleich an erster Stelle steht. Leider muss ich an dieser Stelle sagen, dass die Auflösung in dieser Sache, zumindest was zweitrangige Bösewichte angeht, etwas zu kurz kommt. Werden diese doch gleich zu Anfang geschickt in die Handlung eingeflochten, aber nur mit einem kurzen und etwas unspektakulären Abgang belohnt. Wie gut, dass es da noch den Elfenkönig und ein dunkles Familiengeheimnis gibt.

Fazit

Wer Angst vor schlechten Büchern hat (Phobiename unbekannt), muss sich hier nicht fürchten. Trotz altbekanntem Schema und leichten Schwächen serviert Carrie Jones einen Urban-Fantasy-Schmöker, der auf eigene Weise zu begeistern weiß und ein kurzweiliges, unterhaltsames Leseerlebnis bietet.

Doreen B. - myFanbase
21.10.2010

Diskussion zu diesem Buch