Bewertung
Brussig, Thomas

Am kürzeren Ende der Sonnenallee

"Mario und die Existentialistin fanden Gefallen an dem Gedanken, eine Untergrundbewegung zu mobilisieren, die heimlich Land kauft, welches sich dann zu einem autonomen Territorium zusammenschließt und von der DDR absprengt."

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Inhalt

Am kürzeren Ende der Sonnenallee wohnt Micha Kuppisch - gleich neben der Mauer. Wenn er aus der Haustür tritt, hört er Rufe westlicher Schulklassen vom Aussichtspodest. "Guck mal, 'n echter Zoni!" Doch Micha macht sich nichts daraus, er hat eine andere Sorge: Miriam. Sie ist das schönste Mädchen weit und breit, doch leider schon vergeben. Und so grübelt Micha tagein und tagaus, wie er es anstellen könnte, in Miriams Nähe zu sein.

Micha, Miriam und die anderen lieben und lachen, tricksen und träumen. Sie schmieden Pläne, wie man einen Liebesbrief hervor angelt, den der Wind in den Todesstreifen geweht hat. Sie hören Jimi Hendrix und lesen Sartre, sie schaffen sich erfindungsreich eine eigene Welt. Manche allerdings sind zu blöd, ein Radio einzuschalten, wie der Grenzer, der heimkehrenden Tagesbesuchern vertraulich zuzwinkert: "Keine Angst, wir holen euch da raus."

Kritik

Einen kleinen, wunderbaren Einblick gönnt Thomas Brussig den Westdeutschen. Wie leben die eigentlich hinter der Mauer? Sie leben nicht viel anders als wir, nur eingeschränkter...

Im Grunde genommen ist dieses Buch eine Liebesgeschichte, die sich um Micha und Miriam dreht, und alles was drum herum geschieht, ist nur nebensächlich. Das Nebensächliche zeigt uns den DDR-Alltag. Sei es die verbotene Musik, welche von den Jugendlichen gehört wird, oder eine Kanne Kaffee, die von den Erwachsenen ins Land geschmuggelt wird.

Geschrieben ist das Ganze in einem einfachen, verständlichen Deutsch. Was nicht zu Denkanstrengungen führt. Das Buch überzeugt eher, so wie Kaminers "Russendisko", mit seiner speziellen Komik. Da Brussig selbst aus der DDR kommt, nimmt er sein eigenes, junges Vaterland auf die Schippe. Sei es die erste Party von Micha, bei der die Musikinstrumente des Vaters zerstört werden, oder auch der Kontakt mit der Existentialistin, die Micha dazu bringt, weiter quer zu denken.

Nach diesem Buch wurde übrigens auch der Film "Sonnenallee" gedreht, doch an vielen Stellen verändert.

Fazit

Eine witzige kleine Lektüre für Nebenher, und was die Wessis schon wussten, wissen die Ossis erst nach diesem Buch: "Gott waren die komisch, und sie haben es nicht einmal gemerkt..."

Ignat Kress - myFanbase
06.03.2008

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