Bewertung: 6

Review: Ohne Hut (1.09)

Foto: Timothy Olyphant, Justified - Copyright: Sony Pictures Television
Timothy Olyphant, Justified
© Sony Pictures Television

Die Folge war zugegebenermaßen ganz nett. Die Geschichte mit dem Hut war amüsant, außerdem hat Raylan sich von seiner besten und Gary sich von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Und trotzdem vermisst man irgendwie das Knistern der letzten Folgen…

I Didn't Order Assholes With My Whiskey

Die Kneipenschlägerei und die Geschichte um den gestohlenen Hut waren eine recht ansprechende Rahmenhandlung und obwohl sie nicht besonders wichtig erscheint, bildet die Auseinandersetzung in der Bar für mich den eigentlichen Höhepunkt der Folge. #1.09 Hatless wird nämlich nicht als die Episode in die Geschichte eingehen, in der sich endgültig herausgestellt hat, dass Gary ein Vollidiot ist, sondern als die, in der Raylan sich tatsächlich seinen Hut abnehmen hat lassen.

Tatsächlich steckt aber noch etwas anderes hinter dem fehlenden Hut. Einerseits wird nämlich gezeigt, dass Raylan nicht unbedingt eine Waffe braucht, um sich mit Leuten anzulegen, die ihm in die Quere kommen, andererseits wird wieder einmal deutlich, dass der Marshal kein Problem hat, die Konsequenzen seiner Handlungen zu tragen. Er ähnelt in dieser Hinsicht vielleicht ein wenig den Kugeln, die er abfeuert. Wenn er der Meinung ist, dass etwas gerechtfertigt ist, dann bleibt Raylan seiner Linie treu, selbst, wenn er dabei auf Widerstand stößt. Er scheint beinahe dafür geboren zu sein, Probleme heraufzubeschwören, nur um sie lösen zu können. Auf seine ganz spezielle Art und Weise…

Stay By Your Man

Gary war im Endeffekt eine Enttäuschung. Ich habe damit gerechnet, dass Winonas Ehemann sich dafür verantwortlich zeigen würde, Raylans Ruf ein bisschen aufzupolieren. Sowohl Raylan als auch die Zuschauer der Serie wurden bisher in dem falschen Glauben gelassen, Winona hätte einen Fehler begangen, ihren Ex-Mann zu verlassen. Es gab zwar nie einen Zweifel daran, dass der Marshal ein Problem mit seinen eigenen Aggressionen hat, aber unterm Strich war Raylan einer von den Guten und Gary scheinbar nicht. Darin lag ein klein wenig Genugtuung. Der verschmähte Ehemann ist schließlich kein geringerer als der Protagonist der Serie und wenn die Herzdame schon den Helden der Geschichte verlässt, dann will man wenigstens sehen, dass sie damit die falsche Entscheidung getroffen hat.

Das mag auf den ersten Anschein ein wenig weit hergeholt klingen, aber dadurch, dass sich herausgestellt hat, dass Gary doch kein böser Mensch, sondern einfach nur weit über sein Ziel hinausgeschossen ist, stürzt er Raylan ein wenig von dem Podest, auf das man ihn als Zuschauer gerne stellen würde. Und was von der Spannung zwischen Winona und Raylan zurückbleibt, ist nicht nur ein retardierendes Moment, sondern offenbar ein endgültiger Stillstand. Die Tatsache, dass Winona ihren Mann liebt, dass sie das Leben mit ihm nicht aufgeben und deshalb auch bei ihm bleiben will, nimmt eine gewisse Dynamik aus der Serie und ich bin mir nicht sicher, ob mir das wirklich gefällt.

Raylans Loyalität seiner Ex-Frau gegenüber wiegt natürlich viel wieder auf. So gehört die, für Raylans Verhältnisse, ausgesprochen zivilisierte Unterhaltung zwischen ihm und Gary mit Sicherheit zu den besten Szenen der Serie. Überhaupt weiß die ganze Geschichte um Garys missliche Lage im Grunde zu überzeugen. Dass Toby als ehemaliger Profi-Sportler wegen eines Freundschaftsdienstes niedergeschlagen wird, reißt einen genauso mit, wie Raylans kurze Unterredung mit Billy Mac. Wynn Duffy ist ein herrlich schmieriger Bösewicht und das Ende der Geschichte, der endgültige Showdown zwischen Duffy, Arnett, Gary und Raylan ist so perfekt choreographiert und in Szene gesetzt, dass es daran eigentlich nichts auszusetzen gibt.

Fazit

Die Folge wirkt in sich sehr solide und rund. Von den Darstellern ist man inzwischen nichts anderes als brillante Arbeit gewohnt und die Geschichte der Episode bringt auch die Charaktere von "Justified" weiter. Eigentlich gäbe es also keinen Grund, zu jammern. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Serie ein Stück ihrer Dynamik zurückgenommen hat, ob absichtlich oder unabsichtlich wird sich zeigen. Raylan hat an Glanz, Winona an Anziehungskraft verloren und ich bin mir noch nicht sicher, wie ich als Zuschauer die Leerstelle füllen soll, die sich zwischen den beiden aufgetan hat.

Eva Kügerl - myFanbase


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