Wer ist die Mutter?

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Kein Ende der Mutter-Odyssee in Sicht – oder wann genug, genug ist

"How I Met Your Mother" – eigentlich gibt der Titel schon das Programm der Serie vor. Es geht um die Suche nach der Mutter, um Teds Begegnung mit seiner Traumfrau. Egal, wie oft Serienmacher Carter Bays betont, dass der Titel unglücklich gewählt sei und es nicht wirklich um die Mutter an sich gehe – die Aussage wird nicht wahrer, indem sie wiederholt wird. Von Anfang an standen Teds Frauen im Mittelpunkt. Nicht umsonst ist die Serie als Geschichte verpackt, die ein älterer Ted Mosby seinen Kindern erzählt. Dass Charaktere wie Lily und Marshall jahrelang zu Sidekicks degradiert wurden, schwächt diesen Eindruck nicht gerade ab, auch wenn man mit Marshalls Storyline in der aktuellen sechsten Staffel ein bisschen Wiedergutmachung betrieben hat.

Ted und Zoey

Man könnte schwache Geschichten für den Rest des Casts verkraften, wenn wenigstens Teds Storys Potential besäßen. Leider ist das selten der Fall. Zoey, in der Serie Teds neue Herzensdame, wurde kürzlich in einem Flash-Forward gleich als Mutter ausgeschlossen. Besonders ausgezahlt hat sich die Geduld der Zuschauer also nicht. Zwischen Ted und Zoey herrscht kaum Chemie, ihre Liaison kam abrupt zustande und ihnen fehlen die liebenswerten Szenen, die kleinen Gesten, die ein TV-Paar zu einem Fanfavoriten aufsteigen lassen. Würde man sich die Mühe machen, ein Youtube-Video zusammenzuschneiden, das die romantischsten Szenen zwischen den beiden umfasst – man würde nicht einmal eine Minute damit füllen können.

In der Tat fällt mir nur eine einzige interessante Szene ein – als sie sich zum ersten Mal treffen und am Bürgersteig zusammensitzen, um Gemeinsamkeiten auszutauschen. Dieser Moment hatte eine natürliche und unbeschwerte Komponente, die man danach kaum noch antraf. Insgesamt also eine wahrlich magere Ausbeute für Ted, wenn man bedenkt, dass Zoey Teds erste ernstzunehmende Romanze seit Stella ist. Ted und Zoey sind als Paar nicht nur nicht romantisch, sie sind mitsamt ihrer infantilen Konflikte schlicht nervig. Man weiß jetzt schon, dass man sich eine Staffel lang mit ihr abgeplagt hat, obwohl sie nicht einmal die Mutter ist, was dem Ärgernis das Krönchen aufsetzt. Hallo Carter Bays und Craig Thomas, der geneigte "How I Met Your Mother"-Fan hat angerufen und möchte seine verschwendete Lebenszeit zurückhaben!

Ted und Robin

Dabei hatten Teds Liebesgeschichten in der Vergangenheit durchaus Potential. Ted und Robin in den ersten beiden Staffeln? Nach wie vor TV-Romantik vom Feinsten. Teds sofortiges Liebesgeständnis, sein Partyorganisationsmarathon bis zu Robins Ankunft, das gestohlene blaue Horn, der Besuch um zwei Uhr morgens – ein toller Moment reichte dem nächsten die Hand. Trotz oder gerade wegen der Art ihrer Unterschiede wirkten Ted und Robin wie das Traumpaar schlechthin. Sie waren sich ähnlich genug, um als Paar zu funktionieren, unterschieden sich aber ausreichend, um nicht langweilig zu wirken. Selbst wenn sie sich stritten, konnte man ihre Probleme ernstnehmen, da es um unterschiedliche Zukunfts- und Familienvorstellungen ging, nicht um reine Machtkämpfe der Selbstgerechtigkeit.

Dass man sie nach der zweiten Staffel vorerst getrennt hat, war in Ordnung. Dass aus ihnen aber nie wieder ein Paar werden wird - unverzeihlich. Doch bereits von der ersten Staffel an ließ man Saget-Ted seinen Kindern von "Tante Robin" erzählen, was sie als Mutter schon damals kategorisch ausschloss. Carter Bays und Craig Thomas haben immer wieder betont, dass sie Robin nicht zur Mutter machen wollten, um die Serie nicht in banale, faule Gewässer abdriften zu lassen. Fragt sich nur, was an der Liebesgeschichte Ted/Zoey nicht banal oder faul ist. Dass Robin überlebensgroße Fußstapfen hinterlassen hat, die keine ihrer Nachfolgerinnen ausfüllen kann, schien den Produzenten erst im Laufe der Zeit aufgefallen zu sein. Womöglich ist diese Erkenntnis auch schuld daran, dass sie irgendwann einmal begonnen haben, Robin kaputtzuschreiben, um sie als promiske, abgestürzte Versagerin darzustellen.

Victoria und Stella

Zugegeben, Teds zweite große Liebe, Victoria, für die er sich entschied, als Robin ihn zunächst abblitzen ließ, hatte Potential. Manche mögen das Cupcake-Mädchen als zu süßlich und die Art der Begegnung als zu kitschig empfunden haben, aber insgesamt hatte die Geschichte viele nette Momente und es fiel einem leicht, sich auszumalen, warum Ted ausgerechnet sie zu seiner Frau und Mutter seiner Kinder küren könnte. Doch es sollte nicht sein und man schickte Victoria für ein Stipendium nach Deutschland. Die Fernbeziehung ging nicht lange gut, dank Teds noch immer vorherrschender Gefühle für Robin.

Teds dritte größere Frauengeschichte, Stella, war schon gewöhnungsbedürftiger. Sie wirkte älter als Ted, hatte bereits ein Kind und schien in puncto Liebesbeziehung und Familiengründung schon all die Stationen durchgemacht zu haben, die Ted noch bevorstanden. Gleichzeitig herrschte zwischen den beiden durchaus Chemie und dass sie durch ihre Lebensgeschichte eine ungewöhnliche Wahl für Ted schien, machte sie interessant. Ob nun Teds Zwei-Minuten-Date mit ihr, die Planung des gemeinsamen ersten Mals, sein Beschluss, für sie nach New Jersey zu ziehen oder die Verlobung – diese Romanze brachte die Handlung voran und zeigte Ted in einem reiferen, erwachsenerem Licht. Doch Pustekuchen, auch hier ließ man es nicht zum Äußersten kommen, denn Stella ließ Ted für ihren Ex-Freund am Traualtar stehen und die Liebe der beiden nahm so ihr Ende.

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