Bewertung: 7

Review: #7.01 Enemy of the State

Foto: Claire Danes, Homeland - Copyright: 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment
Claire Danes, Homeland
© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment

Es sind nur wenige Woche vergangen, seit man im Finale der sechsten Staffel von "Homeland" Präsidentin Elizabeth Keane eine 180°-Wendung hat vollführen lassen. Dieser Linie bleibt sie nun treu und so erhalten wir einen Staffelauftakt, bei dem die USA wahrlich am Abgrund stehen. Und auch Carrie Mathison, die diesen zwar sieht und sich dagegen offenbar mit wenigen Verbündeten wehren will, ist privat in einer ziemlichen Krise. Irgendwie ist also alles beim Alten und doch haben wir offenbar eine Staffel vor uns, die sich gar nicht um Terroristen dreht, sondern den innenpolitischen Umgang mit möglichen Gefahrenquellen.

Brett O'Keefe

Wen wir in dieser Staffel wieder begrüßen dürfen, ist Brett O'Keefe, den ich mit seinen krassen Äußerungen und dem Nutzen von Fake News alles andere als leiden kann. Allerdings hat sich seine Rolle nun etwas umgekehrt. In gewisser Weise war er Teil des Komplotts gegen Keane, weil er polarisiert hat und dabei auch immer gegen den journalistischen Kodex verstoßen hat. Das macht er nun weiterhin, allerdings aus der Position heraus, dass er nun viel mehr recht hat. Das macht ihn sehr spannend als Charakter und irgendwie fast sympathisch. Er kämpft jetzt aus Zuschauersicht eher auf der richtigen Seite, klagt den Umgang mit den unrechtmäßigen Inhaftierungen an und drückt auch sonst den Finger in die Wunde. Deshalb wird er von diesem Regime verfolgt. Ich finde schon, dass ihm für seine Vergehen aus der letzten Staffel ein Prozess gemacht werden muss. Die Art und Weise, wie er Medien missbrauchte, um seine Stimmung zu machen, ist nicht zu akzeptieren. Allerdings sind die Methoden das eine, die Ursachen, dass man mit den Methoden erfolgreich sein kann, etwas anderes. Und unter der jetzigen Regierung bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als zu fliehen, denn auf einen rechtmäßigen Prozess kann er wohl nicht hoffen. Da ist es doch interessant, dass er viel Unterstützung erhält. Der Widerstand gegen Keane scheint sich ordentlich zu formieren und nicht nur durch O'Keefe repräsentiert zu sein.

Carrie und Familie

Auch Carrie versucht Keane zu stürzen, indem sie Senator Sam Paley mit Informationen unterstützt, die aber nie ausreichen, um wirklich was in der Hand zu haben. Ihr ist das auch bewusst, weshalb sie die Initiative ergreift und ihre Quelle, Dante Allen, in die Veröffentlichung zwingen will, indem sie einfach ein Treffen mit Paley organisiert. Nur ist Dante sein eigener Erfolg doch wichtiger, als dass er sich opfern wollen würde. Und die Art und Weise von Carrie macht auch verständlich, dass er aus Prinzip dagegen ist und flüchtet. Carrie hingegen hat alles auf diese Karte gesetzt und dabei auch noch ihre Geheimagentspielchen betrieben, weil sie sich beobachtet fühlt. Es wird bewusst offen gelassen, ob sie sich das nur einbildet oder ob sie einfach wieder viele Schritte weiter denkt und letztlich recht hat. Offenbar wird es in dieser Staffel auch viel um ihre Krankheit gehen. Jedenfalls geht sie definitiv ein paar Schritte zu weit, weil sie ihre Nichte mit einbezieht und damit ihre Schwester zurecht verärgert. Wenn man bedenkt, was diese alles für Carrie tut, ist es beeindruckend, dass sie so gefasst bleibt. Auf der anderen Seite ist sie als Ärztin natürlich auch so weit im Bilde, dass sie Carrie anders nicht wird helfen können. Man kann Carrie auch nicht absprechen, dass sie sich nicht bemühen würde, wenn sie beispielsweise Frühstück macht etc. Doch sie bleibt eine Last, denn ihre Arbeit, die sie auch umsetzt, wenn sie arbeitslos ist, treibt sie voran und macht ein Familienleben eigentlich unmöglich.

Etwas unklar bleibt mir die Aktion mit Max. Wieso dieser den Rucksack im Café abholen muss, kann man sich noch damit erklären, dass Maggie Mathisonvielleicht nicht wissen soll, dass sie Kontakt haben. Wieso Max aber bei David Wellington einmarschieren kann, woher sie also wussten, dass es überhaupt einen Einsatz dort gibt, erschließt sich mir nicht. Auch ist der Zweck dieser Überwachung bis hierhin eigentlich unbekannt. Um gegen Keane etwas in der Hand haben zu können, ist der Stabschef aber natürlich ein guter Anfang. Im Weißen Haus werden sie keine Wanzen einbauen können. Jedenfalls gibt es hier noch ein paar lose Fäden, die sich mit dem Rest verstricken dürfen.

Keane und Wellington

Auf der anderen, im Moment quasi bösen Seite steht Präsidentin Keane mit ihrem Stabschef. Sie ist immer noch rachsüchtig und versucht diese Rache mit der offiziellen Beseitigung von Jamie McClendon zu befriedigen, der letztlich der Hauptdrahtzieher des Anschlags auf sie war. Wellington ist das etwas gemäßigter, weil er das gesamte Bild im Blick hat und weniger emotional agiert und reagiert. Er hat möglicherweise politische Ziele, die er mit Keane gemeinsam umsetzen will. Dafür braucht es aber eine andere Wahrnehmung ist der Öffentlichkeit. Entsprechend versucht er hinter Keanes Rücken Saul Berenson auf seine Seite zu holen, der aber die Freilassung aller 200 Gefangenen fordert, was Wellington schlecht versprechen kann, auch wenn er dem vielleicht sogar nachgeben würde. So passiert hier erst mal nicht so viel, außer dass Keane bitter enttäuscht ist, dass McClendon nur lebenslange Haft statt einer Todesstrafe erhält und sie Wellington hierfür in die Verantwortung nimmt. McClendon überlebt die Folge entsprechend nicht, sondern wird vergiftet. Wellington hat seinen Job offenbar gut gemacht. Er will wohl unter allen Umständen in seiner Machtposition bleiben.

Fazit

Es ist kein überragender Auftakt in die neue Staffel, aber es werden interessante Geschichten angestoßen in einem düsteren Amerika, welches von einer rachsüchtigen und unsicheren Elisabeth Keane regiert wird.

Emil Groth - myFanbase


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