Bewertung: 8

Review: #13.18 Seelenfrieden

Foto: Justin Chambers & Ellen Pompeo, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios
Justin Chambers & Ellen Pompeo, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios

Eltern und "Grey‘s Anatomy – Die jungen Ärzte" – das ist nicht wirklich eine gute Mischung. Und so müssen wir auch in dieser Folge von einem weiteren Elternteil einer unserer Ärzte Abschied nehmen – und das obwohl wir Diane nicht allzu lange kennen und Maggie selbst bis vor kurzem nicht wusste, was überhaupt mit ihrer Mutter passierte. Vergleicht man die Konzipierung dieser Storyline mit dem Sterben anderer Elternteile (vor allem mit Ellis, Merediths Mutter oder auch Georges Vater), so ist es schwierig zu verstehen, warum sich nicht wie die oben genannten länger aufgebaut wurde und wir Dianes Sterben nicht noch länger begleiten konnten. Dies ist für mich persönlich ein Punkt, den ich nicht nachvollziehen kann – dieser Staffel mangelte es immer wieder an Spannungsaufbau und hier wird eine Storyline mit vielem Potenzial in einer Folge abgehandelt?

Es ist aber auch um ehrlich zu sein der einzige grobe Schnitzer, den sich diese Episode erlaubt. Ansonsten wird uns hier eine der emotionalsten, berührendsten Folgen der Staffel geliefert. Wir erleben eine Kelly McCreary in Höchstform – noch nie durfte sie so groß aufspielen, so viele verschiedene Gefühle und Gedanken darstellen, so sehr die anderen Schauspieler in den Schatten stellen, dass man allein hierfür beeindruckt sein kann. Kelly McCreary demonstriert in dieser Folge eindrücklich, dass sie sich nicht hinter Ellen Pompeo oder Caterina Scorsone zu verstecken braucht, wenn es um schauspielerische Höchstleistungen geht.

Im Prinzip ist der reine Inhalt der Folge in wenigen Sätzen abgeklärt – Dianes Krebs ist schlimmer als gedacht, die Eingriffe sind nur eine erste Hilfe, Chemo ist keine wirkliche Lösung, eine klinische Studie soll Diane helfen, doch schlussendlich kann sie diese nicht meistern und entschließt sich, die Studie abzubrechen. Die Geschichte an sich ist nicht wirklich neu, doch in ihrer Machart gelingt es der Folge, wirklich mitzufiebern und mitzuleiden – die Hoffnung, dass es Diane, dieser wunderbaren warmherzigen Frau, bald besser geht, steigt immer mehr und findet ihren Höhepunkt in dem großartigen Abendessen von Maggie und ihren Freunden. Immer wieder wird deutlich, wie nah die beiden Frauen, Maggie und Diane, sich stehen, wie sehr Diane Maggie beschützen will und sich deswegen auf ihre Leitung verlässt, ihr zuliebe Höllenqualen durchleidet, um ihr nicht das Gefühl zu geben, Maggie aufzugeben. Die Liebe zwischen den beiden wird sehr deutlich und so werden schon einige Taschentücher verbraucht, als Diane schlussendlich verstirbt.

Interessanterweise werden in dieser Folge auch Parallelen zwischen der Beziehung von Maggie und Diane sowie Meredith und Ellis gezogen und uns auf eindrückliche Art und Weiße dargestellt. Wieder ist es die Tochter, die sich um ihre Mutter kümmern muss – doch wo Meredith und Ellis keine besonders enge Beziehung hatten und Meredith immer unter der Strenge und Unnachgiebigkeit ihrer Mutter leiden musste, wird die Liebe zwischen Maggie und Diane immer demonstrativ gezeigt. Dazu spielen die Autoren in der Szene, in der Maggie und Diane zum Krankenhaus gebracht werden, deutlich mit dieser Parallele, indem sie die "Karussell"-Musik abspielen – gepaart mit Maggie, die hier den Platz von Klein-Meredith einnimmt, sorgt diese Szene wirklich für Gänsehaut. Dass Maggie diese Rolle viel später als Meredith einnehmen muss, die ihre Mutter bereits im Alter von fünf Jahren retten musste, ist nur abermals ein Beweis für die Unterschiedlichkeit zwischen den beiden Schwestern, die doch auf so verschiedliche Weiße aufgewachsen sind.

Und so ist es auch kein Wunder, dass Maggie und Meredith in dieser Folge ordentlich aneinander rasseln. Dies ist aber nur selbstverständlich in Anbetracht ihrer so unterschiedlichen Erfahrungen und Charaktere: Meredith, die über die Jahre mit ansehen musste, wie ihre eigene Mutter leiden musste, will Diane nicht durch unnötige Qualen schicken. Maggie, die laut eigener Aussage nie Schmerz oder Trauer erfahren musste, geht in Kampfposition, will in ihrem optimistischen Tatendrang nichts unversucht lassen, um ihre Mutter zu retten. So bricht es einem das Herz, als Maggie Meredith erklärt, ihre Mutter zu lieben und nicht wie Meredith sie einfach im Waschbecken runterzuspülen – beide Sichtweißen sind absolut verständlich, man kann mit beiden Frauen mitfühlen und doch ist es Maggies Schmerz, der in dieser Szene heraussticht. Schlussendlich ist es aber Meredith, die am besten für Maggie da sein und ihr am besten beistehen kann und so ist die letzte Szene, in der sie gemeinsam mit Amelia stumm die Lasagne verspeisen, eine der eindrücklichsten – nie waren sich die drei Schwestern wohl so nahe und ähnlich wie in diesem Moment.

Amelia gefällt mir in dieser Folge sowieso sehr gut – wo sie sonst vor Emotionen übersprudelt und ihre eigene Gefühlswelt kaum im Griff hat, hält sie sich hier zurück und ist auf sehr ruhige, gefasste Weise für Amelia da. Auch Nathan kann sich in dieser Episode hervortun: Im genau richtigen Moment ist er für Maggie da und trotz der Schwierigkeiten, die die beiden zuvor miteinander hatten, tut er genau das, was Maggie in diesem Moment braucht und umarmt sie einfach. Abermals kann hier Nathan demonstrieren, was für ein großartiger Typ er doch ist – als einzigem gelingt es ihm, Maggie ihre Wände brechen zu lassen.

Und auch Webber versucht in dieser Folge, für Maggie da zu sein und der Rolle als ihr Vater nachzukommen: Er ist es, der die unangenehmen Gespräche mit Diane führt und sie darauf hinweist, dass ihr Behandlungsplan sie nur kränker macht, er ist es, der für Maggie da sein möchte. Doch auch hier gibt es eine Parallele zu Meredith und Ellis, denn Webber ist auch bei Maggie außen vor, ist er "nur" der leibliche Vater. Auch wenn es für ihn Familie ist, er hat Maggie nicht großgezogen und hat somit kaum eine Funktion, obwohl er Maggie hier ebenfalls beistehen möchte. Eine ähnliche Rolle hatte Richard damals bei Meredith eingenommen – auch hier hatte er vaterähnliche Züge angenommen, die ihm Meredith teils mehr, teils weniger durchgelassen hatte, doch auch hier war er stets ein Stück außen vor. Damit hat Webber durchaus etwas Tragisches – eine eigene, richtige Familie ist ihm nie vergönnt gewesen.

Doch welchen Einfluss hat diese Folge auf den Gesamtverlauf dieser Staffel? Insbesondere Maggies Charakterisierung wird nun interessant – erstmals wurde sie mit Trauer und Schmerz konfrontiert und es wird spannend, in wieweit das doch Maggies sonniges, sehr niedliches und teils nerdiges Gemüt verändern wird. Dazu hat Diane ihre Tochter explizit aufgefordert, aufzuhören in ihrer eigenen Welt zu leben, sondern ihr Leben zu leben, ohne etwas zu bereuen und doch etwas zu riskieren – wird Maggie tatsächlich den Rat ihrer Mutter annehmen und etwas "schlampiger" werden? Ich bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung von Maggie und bin mir sicher, dass Kelly McCreary diese ähnlich großartig wie in dieser Folge darstellen wird - und dass wir uns auf weitere Szenen der drei Schwestern freuen dürfen.

Kurze Eindrücke

  • Dafür, dass das Ellen Pompeos erste Folge als Regisseurin war, war Meredith ganz schön oft in dieser Folge zu sehen, was mich auf angenehme Weiße sehr überrascht hat.
  • Ich bin unschlüssig bezüglich der Annäherung von Bailey und Webber. Auch wenn ich die gemeinsamen Szenen wunderbar fand und die Freundschaft der beiden sehr vermisst habe, finde ich es schwierig, Bailey so einfach davonkommen zu lassen. Ich bin sowieso gespannt, inwiefern die "Minnick vs. Webber"-Storyline weitergeht, die in den letzten Folgen überhaupt nicht weitergeführt wurde.
  • Meredith und Nathan haben einfach absolut das schlechteste Timing – doch abermals die süßesten Szenen. Mir ging jedes Mal das Herz auf, wenn Meredith Nathan anlächelte oder als Nathan sich um Meredith kümmern wollte – nach Folgen wie diesen, in denen man an Merediths sämtliche Verluste erinnert wird, gönnt man ihr das Glück umso mehr.
  • An Folgen wie dieser habe ich immer Probleme mit der Zeitspanne – aber nicht wegen der gezeigten Geschichte, sondern wegen den anderen. Es muss ja ein Monat vergangen sein – und dann werden uns die anderen Storylines in den nächsten Folgen so dargestellt, als hätten diese komplett stagniert. Das finde ich immer etwas merkwürdig.


Fazit

Ein grandioser Showcase für Kelly McCreary, eine wunderbar emotionale und tief berührende Folge, eine der besten dieser Staffel – mehr ist nicht zu sagen.

Lux H. - myFanbase


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