Bewertung: 8

Review: #13.17 In guten und in schlechten Zeiten

Foto: Jerrika Hinton, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios
Jerrika Hinton, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios

Sprachlosigkeit dominiert diese Folge und wird immer wieder aufs Neue eindrücklich in Szene gesetzt: Maggies Sprachlosigkeit, als sie von der Krebserkrankung ihrer Mutter erfährt; Nathans Überforderung, als Meredith ihn nach Gründen fragt, ihn zu mögen; Richards emsiges Schweigen, um mit Arizona nicht über Eliza reden zu müssen; die Funkstille, die Owen überwunden wollte, nur um sich daraufhin den schlimmsten Streit mit Amelia liefern zu müssen. All diesen, großartig geschauspielerten Momenten, liegt zugrunde, dass Veränderungen geschehen, die unsere Ärzte und Ärztinnen nicht einschätzen können, sie überfordern und verängstigen. Für uns Zuschauer heißt das: Endlich geht es wieder dramatisch zu, endlich macht "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" wieder Spaß!

Dafür sorgte auch der Fokus auf die drei Schwestern, die im Vordergrund der drei Hauptstorylines dieser Folge standen. Mit einer einzelnen Szene wurde dieses wunderbare Feeling, das mich bereits in Staffel 12 so begeistert hat, zurückgebracht und dieses Gespräch, aus dem alle drei ihre Lehren zogen und für ihre eigene Probleme benutzten, gehört für mich zu einer der besten Szenen dieser Folge – Merediths und Amelias liebevolle Augenverdrehen, Maggies nicht zu bremsende Fragenflut und Amelias und Merediths komplett gegensätzliche Antworten… Genau solche Details haben in den letzten Folgen schmerzlich gefehlt.

Den wohl emotionalsten Handlungsstrang durften Owen und Amelia für sich beanspruchen. Das Patientenpaar konnte mich zwar nicht wirklich vom Hocker reißen (dafür hat man uns in all den Jahren schon zu viele solcher Paare oder sterbende Ärzte präsentiert), dennoch konnte man hier für einige emotionale Höhepunkte sorgen – vor allem die Szene, in der Amelia voller Tatendrang ins Patientenzimmer marschiert und die tote Elsie vorfindet, drückte ordentlich auf die Tränendrüse.

Doch auch darüber hinaus fühlte sich dieser Handlungsstrang wie ein emotionales Bombenfeld an – mit jedem Gespräch, jedem Streit kam man der Wahrheit ein Stück näher und insbesondere Amelia kann man vorwerfen, es eindeutig übertrieben zu haben. Owen vorzuwerfen, allen seine Vorstellungen aufzudrücken, das kann ich grade noch so nachvollziehen, doch der Vorwurf, sie mit seinen Wünschen zu ersticken, geht ohne Frage zu weit und ist unterste Stufe: Owen hat erst vor wenigen Folgen zugegeben, wie sehr er noch darunter leidet, Cristina einst gewürgt zu haben und nun wirft Amelia ihm vor, sie zu ersticken? Aber es ist auch schwer, kein Verständnis für Amelia zu haben: Ihre Ängste sind ihr anzusehen und man sieht, wie sehr sie mit ihrem Trauma hadert. Dennoch bin ich hier (ausnahmsweise) auf Owens Seite und verstehe so langsam nicht mehr, wie Amelia jeden Schritt, den Owen auf sie zuzugehen versucht, ignoriert und sich noch weiter in ihrem Schneckenhaus versteckt. Der Blick zum Schluss hingegen stimmt hoffnungsvoll – vielleicht haben diese, hochemotionalen, Gespräche endlich die beiden zu einem Punkt gebracht, an dem sie nun gemeinsam zu einer Lösung dieses Problems kommen können?

Maggies Storyline beinhaltete zunächst die größten Fremdschämmomente (beispielsweise, als sie Alex darum bat, die Brüste ihrer Mutter näher zu betrachten) und konnte mich aufgrund von Maggies oft sehr kindischem Verhalten nicht ganz überzeugen, doch spätestens in dem Moment, als sie von Dianes Krebserkrankung erfuhr, konnte die Storyline wirklich überzeugen. Maggies schockierte und bestürzte Reaktion, ihr emsiges Recherchieren über die Krankheit ihrer Mutter und das nervöse Warten auf Neuigkeiten wurden von Kelly McCreary großartig und sehr berührend gespielt. Wenig überraschend war natürlich, dass Dianes Krebs doch schlimmer als gedacht ist (was mich zum Teil an Georges Vater erinnert hat, der seine Krankheit auch verharmlost hat) und dass dies nur die erste OP von vielen sein wird. Dennoch bin ich dank Kelly McCrearys Schauspiel nun gefesselt und gespannt, wie es mit Diane und Maggie weitergehen wird.

Auch die anderen Beteiligten an dieser Storyline haben mir gefallen – allen voran Jackson, der sich behutsam und rücksichtsvoll mit Dianes Wünschen auseinandergesetzt hat, ihr aber auch im richtigen Moment die sprichwörtliche Pistole auf die Brust gesetzt hat und sie zu ihrem Geständnis zwang. Jackson, der selbst in der letzten Staffel am eigenen Leib musste, wie es ist, etwas von jemand Außenstehendem erfahren zu müssen, hat sich hier absolut vorbildlich verhalten und hat mir sehr imponiert. Des Weiteren gefällt es mir sehr, wie Meredith in diese Storyline eingebunden ist: Diane darf mit ihren Kindern spielen (die man endlich wieder sieht!), um sich abzulenken, und sie ist die erste, die gerufen wird, um sich um Maggie zu kümmern. Ich hoffe inständig, dass diese Freundschaft der beiden Schwestern nicht aufs Spiel gesetzt wird, jetzt, nachdem wohl wirklich was zwischen Meredith und Nathan läuft.

Denn in dieser Folge wird uns wieder die unwiderstehliche Chemie zwischen den beiden präsentiert. Mit wenigen Szenen wird uns erneut gezeigt, wie gut die beiden miteinander funktionieren und harmonieren und was man uns einen Großteil dieser Staffel wirklich entgehen lassen hat! Aber dafür waren die vielen Szenen der beiden hier Entschädigung: Insbesondere die letzte Szene, in der Nathan die Gründe auflistet, warum er an Meredith interessiert ist, war einfach zum Dahinschmelzen! Deswegen war es auch nicht weiter verwunderlich, warum Meredith endlich seinem Drängen nachgegeben hat und ihn dazu aufgefordert hat, sie nach einem Date zu fragen. Meredith kann in dieser Folge darüber hinaus seit langem wieder komplett überzeugen – nach ihren fragwürdigen Handlungen und Aussagen die meiste Staffel hindurch, zeigte sie sich von ihrer besten Seite und ich würde mir wünschen, weiterhin mehr davon sehen zu dürfen. Dagegen könnte ich auf die Unehrlichkeit gegenüber Maggie verzichten und ich hoffe, dass das Love Triangle nicht erneut wieder als unnötiges Stoppschild zwischen eine aufkommende Beziehung von Meredith und Nathan geschoben wird.

Kurze Eindrücke

  • Ben und Bailey stauben wieder mal den Preis für die stabilste Beziehung der Serie ab: Wunderbar kitschfrei und doch zuckersüß sorgten sie mit ihrer kleinen Szene in der Galerie für den Wohlfühlmoment der Folge.
  • Dagegen ist Baileys Freude, dass Webber nun auch auf Arizona wütend ist und dies so viel schlimmer sei, unfassbar. So großartig sie als Chief begonnen hat, in dieser Staffel ist Bailey leider nur noch enttäuschend.
  • Wunderbar war hingegen die überraschend undramatische Konfrontation zwischen Arizona und Webber – wie die beiden sich jeweils für ihr Verhalten entschuldigten und Verständnis für den jeweils anderen aufbrachten, war einfach nur schön mitanzusehen. Davon könnten sich so manche Ärzte eine große Scheibe abschneiden.
  • Nachdem es in der letzten Woche endlich wieder zwischen Jackson und April gefunkt hat, ist deren Abwesenheit schon schade. Ich hatte mich bereits auf eine Weiterentwicklung gefreut.
  • Andrew meinte es zwar gut, aber seine Offenbarung, in Jo verliebt zu sein, kam im denkbar schlimmsten Augenblick: Die arme Stephanie hat eine Existenzkrise und er sagt dabei so was? Das nächste Love Triangle ist damit sowas von gesetzt. An dieser Stelle kann ich auch die Sekundenauftritte von Alex und Jo bemängeln, die zwar beide gut in Szene gesetzt wurden, aber durchaus länger hätten ausfallen können. Auf das Love Triangle habe ich hingegen jetzt schon keine Lust - zumal Jo ja überhaupt kein Interesse an Andrew hat.
  • Stephanies Existenzkrise ist sowieso interessant, steigt Jerrika Hinton zum Ende der Staffel ja aus der Serie (leider) aus. Ist dieser, erneute, Zweifel am Ärzteberuf der erste Schritt für Stephanies Abschied?


Fazit

Drei tolle, mitreißende Storylines mit Luft nach oben, viele kleinere Entwicklungen, die sich unter der Oberfläche zu verbergen scheinen, und mit Meredith, Amelia und Maggie die drei Schwestern im Vordergrund und at their best! Endlich scheint die Staffel ihren Schwung gefunden zu haben und mit diesen Handlungssträngen, die viel Potential haben, schafft man Vorfreude auf die letzten Folgen.

Lux H. - myFanbase


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