Bewertung: 5

Review: #13.10 Nicht anfassen!

Nach der Winterpause startet "Grey's Anatomy" überraschenderweise mit einer Stand-Alone-Episode in die zweite Hälfte von Staffel 13. Das war keine taktische Meisterleistung, denn obwohl #13.10 You Can Look (But You'd Better Not Touch) eine sehr emotionale Folge war, bleibt am Ende eigentlich nur Enttäuschung zurück, da die Ereignisse der letzten Folge fast komplett ignoriert wurden.

Grundsätzlich habe ich nichts gegen Stand-Alone-Episoden. Ganz im Gegenteil - gerade bei einer Serie wie "Grey's Anatomy", die einen so großen Cast hat, kann es sogar ganz interessant sein, sich mal nur auf ein paar der Charaktere zu konzentrieren. Wie zum Beispiel in #13.08 The Room Where It Happens, als man erfahren hat, was Richard, Owen, Stephanie und Meredith zu ihrem Beruf inspiriert. Bei den komplexen Geschichten aus deren Vergangenheit hat man einfach etwas mehr Zeit gebraucht, um sie sinnvoll darzustellen. Nur sollten solche Folgen eben nicht als Winterauftakt gewählt werden, wenn alle Zuschauer gespannt sind herauszufinden, was aus den ganzen Cliffhangern geworden ist, die man in der letzten Folge noch so herrlich dramatisch in Szene gesetzt hat. Aber nein, die Entscheidung von Alex wird schnell schnell während der Autofahrt erwähnt und von Amelias Verschwinden und den anderen Geschichten hört man überhaupt nichts. Wie auch, wenn man während der ganzen Folge nur drei der Charaktere zu sehen bekommt.

"She's just another patient."

Wie so oft beginnen wir die Folge mit einer Autofahrt. Nur sind es diesmal nicht Meredith und Co., die ins Krankenhaus fahren, sondern mit Arizona, Bailey und Jo ein eher ungewohntes Trio. Schon da hat man gemerkt, dass es diesmal etwas anders laufen wird als sonst. Okay, der Spannungsbogen war vielleicht ein bisschen zu überspitzt, bei ihren kryptischen Aussagen darüber, wohin sie denn fahren, hätte man ja schon fast eine Mars-Mission erwartet. Aber nein, es ist "nur" ein Hochsicherheitsgefängnis. So ganz zufällig wird die Wahl der Serienmacher wohl auch nicht auf ein Gefängnis gefallen sein, schließlich passt das Thema ja wunderbar in unsere Hauptgeschichte.

Mit der Patientin Kristen Rochester hat man einen faszinierenden Charakter eingebaut, die der Folge trotz ihres kleinen Rahmens die nötige Spannung gab. Es war schon eine beeindruckende schauspielerische Leistung von Anna Jacoby-Heron, die auf den ersten Blick so harmlos wirkende Kristen derart unheimlich darzustellen. Denn wie die Ärztinnen ist man zuerst positiv überrascht von dem kleinen, blonden Mädchen - bis sie sich dann urplötzlich auf die Ärztin stürzt. Überraschung. Aber trotz ihres bedrohlichen und unberechenbaren Auftretens hat einem Kristen am Ende eben doch leidgetan. So sehr sie sich auch gegen die Ärzte und das Gefängnispersonal gewehrt hat, ihre Familie hat ihr einiges bedeutet. Umso trauriger war es, als ihre Mutter sie nicht mal sehen wollte, während Kristen fest darauf vertraut, dass sie ihr beisteht. Dabei war es fast genauso grausam von der Mutter, das Baby, den Wünschen ihrer Tochter zum Trotz, einfach anders zu nennen. Ein anderer Name, eine andere Mutter, ein anderes Leben. Niemals Kristen kennenlernen. Klar, wir haben nie erfahren, was zwischen den beiden vorgefallen ist und warum Kristen im Gefängnis sitzt. Aber das war in diesem Moment irgendwie nebensächlich. Da hat man richtige Genugtuung verspürt, als Arizona der Mutter noch mit auf den Weg gab: "If this one makes a mistake, will you leave her, too?"

"Stuff doesn't just happen to you. You happen to stuff."

Im Verlauf des Tages konnte man mit ansehen, wie Bailey ihre vorgefertigten Meinungen eine nach der anderen überdenken musste. Von Anfang an fand ich es etwas merkwürdig, dass Bailey sich so vehement gegen den Fall sträubt. Dass Bailey vorsichtig und mit Bedacht an die Patientin herantritt, ist verständlich, aber so eine Reaktion war dann doch etwas unpassend. Immerhin sprechen wir hier von der Miranda Bailey, die sich eigentlich vor nichts fürchtet. Aber nun gut, irgendjemand musste in diesem Szenario wohl die eher distanzierte Position belegen. Nur zu gut, dass sie im Laufe der Folge wieder mehr zu der Bailey zurückfindet, die wir gewohnt sind und doch noch auf Kristen eingeht. Die Szenen mit der Gefängnisärztin waren auch sehr interessant anzusehen. Langsam aber sicher hat man mit Bailey zusammen erfahren, warum Dr. Eldridge ihren Krankenflügel derart streng regiert.

"I want the world to be happy for once."

Einer der besten Punkte der Folge war es, dass Jo so nun endlich mal zu mehr Screentime kommt. Denn sie war es, die den besten Zugang zu Kristen finden konnte. Und zwar mit Ehrlichkeit (was ja schon fast ein bisschen ironisch ist). Die Szene, in der Kristen ihr von ihrer Kindheit erzählt war wirklich sehr schön, vor allem, nachdem Jo das am Ende der Folge nochmal aufgegriffen hat, um Kristen zu ermutigen.

Was ist nun also die Moral von der Geschichte? Dass man sein Schicksal nicht immer selbst bestimmen kann? Dass manchmal schlimme Dinge geschehen und man nichts dagegen tun kann? Dass jeder ein bisschen Sympathie und Mitleid verdient hat, egal was man getan hat? Oder, dass man alles durchstehen kann, solange man nicht alleine ist? Vermutlich etwas von allem. Nur war das der Grund, warum man die Folge so platziert hat, genau dann, wenn Alex' Entscheidung noch unbekannt ist? Schließlich haben wir das alles ja eigentlich schon abgehakt. Alex' Taten wurden zwar vielleicht nicht unbedingt verziehen, aber doch zumindest nicht länger verteufelt. Er hat Freunde, allen voran Meredith, die hinter ihm stehen. Das alles wäre also wirklich nicht nötig gewesen.

Randnotizen:

  • War es eigentlich geplant, dass man Camilla Luddington ihre Schwangerschaft derart offensichtlich ansieht, oder ist das nur Zufall?
  • Ganz nebenbei dürfte diese Folge wohl den höchsten Frauenanteil der Serie gehabt haben.
  • Alex hat den Deal nun also anscheinend angenommen. Wobei, das ist ja nur die Entscheidung, die er Bailey im Büro mitgeteilt hat. Theoretisch könnte sich da also bis zum Weg ins Gericht noch etwas getan haben. Wir werden sehen.


Fazit

Wäre die Folge irgendwann mitten während der Staffel gelaufen, hätte sie echt viel Potential gehabt. Es gab Spannung, ein ungewohntes Setting und sehr interessante Charaktere. Aber wir befinden uns nun mal nicht mittendrin, sondern am Anfang der Staffelhälfte und als Auftakt war diese Folge einfach falsch gewählt. Dadurch wurde den Cliffhangern aus dem Herbstfinale nämlich ein ziemlicher Dämpfer verpasst. Immerhin scheint es ja nächste Woche endlich wieder geregelt weiterzugehen. Dann werde ich diese Episode hier einfach mal ausklammern und #13.11 Jukebox Hero als meinen persönlichen Start in Staffel 13B wählen.

Denise D. - myFanbase


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Grey's Anatomy" über die Folge #13.10 Nicht anfassen! diskutieren.

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren.

Mehr zum Datenschutz Schließen