Bewertung: 5

Review: #14.08 Out of Nowhere

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Für das Winterfinale wurde uns vorweg eine unglaublich nervenaufreibende und dramatische Folge versprochen. Eine Cyberattacke, die das komplette Krankenhaus zum Erliegen bringt und die Welt der Ärzte ins Chaos stürzt. Nur irgendwie hat mich die Episode #14.08 Out of Nowhere leider so überhaupt nicht in ihren Bann gezogen. Die große Katastrophe der Folge wirkte zeitweise einfach skurril und unrealistisch und bis auf die letzten 30 Sekunden hat sich bei den Charakteren auch nicht wirklich viel getan.

"Back to the Stone Age"

Grundsätzlich war die Idee einer Cyberattacke nicht schlecht. Inwieweit es tatsächlich realistisch ist, dass ein Hacker es schafft, das komplette Krankenhaus zum Erliegen zu bringen, ist wieder eine andere Sache. Man muss doch eigentlich davon ausgehen, dass das alles viele verschiedene Netzwerke sind, beziehungsweise diese Geräte auch manuell funktionieren müssten. Schon alleine, falls es mal zu einem technischen Defekt kommen sollte. Die Technik kann doch immer mal versagen und dann soll das Krankenhaus wirklich derart hilflos dastehen? Für solche Fälle muss es doch Notfallpläne geben. Irgendwie kam mir die ganze Geschichte eh ein bisschen so vor, als wolle man sich über die Abhängigkeit der heutigen Gesellschaft von der Technik lustig machen.

Wie gesagt, grundsätzlich ist es ein spannender Gedanke, aufzuzeigen, wie abhängig die Krankenhäuser inzwischen von ihren Computern sind und auch die Gefahr vor Hackerangriffen, die in der Gesellschaft Chaos stiften, ist aktuell und real. Trotzdem wurde das Ganze auf schon fast lustige Art und Weise überspitzt dargestellt. Ich meine, klar ist es eine dramatische Situation, wenn die Herzmonitore plötzlich nicht mehr funktionieren und man nicht mehr auf die Krankenakten der Patienten zugreifen kann. Aber dass Leute geschockt werden, obwohl schon eine Weile sämtliche Geräte im Raum verrücktspielen und alle super entrüstet über die Klemmbretter sind, obwohl sie ihre tollen Tablets auch erst seit einigen Staffeln haben, das war dann doch etwas zu viel des Guten. Immerhin konnte Richard so mal wieder sein Wissen einbringen - das aus der Steinzeit, wie April es so herrlich formuliert hat. Trotzdem müsste doch zumindest auch Owen als Militärarzt wissen, wie man ohne Technik arbeitet, oder?

Da haben mir die Geschichten von Meredith und Alex besser gefallen. Denn die hatten um einiges glaubwürdigere Reaktionen auf die Situation. Beide haben ruhig und professionell darauf reagiert und das Beste aus ihren jeweiligen Gegebenheiten gemacht. Dabei fand ich besonders Meredith toll, die einfach kurzerhand ihren Anfänger als lebende Blutkonserve verwendet. Bei Alex war alles schon um einiges komplizierter. Er muss eine lebensentscheidende Wahl praktisch aus dem Bauch heraus treffen, obwohl er mit einer kleinen Info genau wissen würde, was zu tun ist. Eine echt schwierige Lage, weswegen mich der weitere Verlauf dieses Falls auch am meisten interessiert.

"Some people sneak up on you."

Anfangs war ich Maggie und Jackson gegenüber noch ziemlich neutral eingestellt. Ich kann beide Charaktere gut leiden und dank "Türkisch für Anfänger" und "Game of Thrones" sind mir komplizierte Familienkonstellationen auch nichts Neues. Aber so sehr, wie die Serie uns die beiden zur Zeit aufdrängt, bildet sich bei mir da langsam so etwas wie eine Trotzreaktion. Denn dieses ewige Rumgereite auf der Familie (denn natürlich haben ausgerechnet Jackson und Maggie den merkwürdigen Familienfall) und ihren zufälligen Gemeinsamkeiten kommt mir irgendwie immer etwas erzwungen vor. Das hätte man von Anfang an ganz anders angehen müssen. Die beiden hätten sich doch einfach so näher kennenlernen können, ohne die ganzen Verbindungen, einfach, weil Jackson nach April nach jemand Neuem sucht (was ich immer noch nur als Zwischenlösung ansehen will) und Maggie ja auch. Von mir aus bei einem Blinddate, nachdem zur Zeit ja ständig von Datingapps die Rede ist. Oder eine Freundschaft, aus der sich langsam mehr entwickelt. Oder irgendetwas anderes. Aber so, wie das jetzt gemacht wird, versaut man mir einfach nur jedes Interesse an den beiden, was echt schade ist, weil sie prinzipiell durchaus Potential hätten.

Was ihre Storyline in der Folge angeht, bin ich mir nicht ganz sicher, ob die beiden jetzt so etwas wie einen Cliffhanger darstellen sollten. Okay, die Szene im Hubschrauber, als sich plötzlich das Kabel gelöst hat und überall Blut herumgespritzt ist, war schon herrlich schockierend (und hat mich nebenbei an die geplatzte Aorta aus #4.10 Lebensretter erinnert). Aber abgesehen davon, dass die beiden jetzt blutüberströmt, verständlicherweise erschrocken und der Patient wohl gerade in keinem allzu guten Zustand sind, war das Ganze jetzt nicht unbedingt etwas, was mir die nächsten Monate über schlaflose Nächte bescheren wird. Der Helikopter wird im anderen Krankenhaus landen, der Patient wird sterben oder auch nicht, die Tochter deswegen eventuell traurig sein und Jackson und Maggie werden sich durch das Erlebnis vielleicht etwas näher kommen. Da hätte ich einen feststeckenden Aufzug spannender gefunden, auch wenn wir das jetzt schon ein paar Mal gehabt haben (hat mich eh gewundert, dass der Hacker die nicht auch lahmgelegt hat).

"Hey Brooke. Or is it Jo now?"

Abgesehen von ein paar lustigen oder spannenden Momenten, war das der einzige Augenblick, der für mich wirklich als Herbstfinale-würdige Überraschung kam. Der einzige richtige Cliffhanger, der glücklicherweise (oder wohl eher wohlbedacht) ganz am Schluss der Episode kam, nur damit man eben doch mit Spannung auf das neue Jahr wartet. Denn auch wenn mir bewusst war, dass Jos Ex früher oder später auftauchen würde und das Ganze sicher überraschend käme – irgendwie war ich dann doch komplett überrascht. Dabei ist das Timing perfekt: Herbstfinale, Jo ist Chefassistentin, hat ihr Leben und ihre Karriere wieder im Griff und mit Alex läuft es auch gerade gut.

Der Auftritt von Paul war wirklich hervorragend inszeniert. Durch die Ereignisse davor war man völlig darauf konzentriert, ob Jo es wohl noch schafft, Alex rechtzeitig zu stoppen. Ich persönlich bin davon ausgegangen, dass entweder der Aufzug stecken bleibt oder Jo gerade zu spät in den Raum schlittert. Aber nein, es ist ausgerechnet Paul, der plötzlich wie aus dem nichts vor ihr steht. Trotz der wenigen Augenblicke, dem Lächeln und dem einen kurzen Satz hat es Matthew Morrison geschafft, eine echt bedrohliche Ausstrahlung zu generieren. Gemeinsam mit dem puren Schock, der auf Jos Gesicht geschrieben stand und der Kameraführung war das eine eindrucksvolle Szene, die für mich auch dann der beste Moment der Folge gewesen wäre, wenn sie nicht ganz am Schluss als Cliffhanger eingebaut worden wäre. Manchmal schafft "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" eben immer noch diese genialen Plottwists.

Randnotizen:

  • Bilde ich mir das ein, oder gibt es jetzt in jeder Folge einen Zeitsprung?
  • Es freut mich sehr, wie professionell Bailey die Krise angegangen ist. Besonders die Diskussion aktuelle Menschenleben gegen die Gefahr zukünftiger Angriffe hat einen interessanten ethischen Aspekt in die Sache hineingebracht und ich bin gespannt, wie die ganze Geschichte am Ende aufgelöst wird: Fängt das FBI den Hacker? Zahlt Bailey das Geld?
  • Ben ist zwar nur einer der weniger wichtigen Charaktere, trotzdem wäre vielleicht doch angebracht, ihm zumindest noch ein bisschen etwas zu tun zu geben bis er die Serie verlässt.
  • Ähnlich sieht es bei April aus. April hatte in dieser Staffel noch keinen echten Handlungsbogen und wird gerade ziemlich aufs Abstellgleis verfrachtet. Nachdem alles dafür getan wird, Jackson in Richtung Zukunft zu bringen, ist es nur fair, dass auch April diesen Weg einschlagen darf, schließlich waren beide lange ein Paar und gehören noch länger zur Serie. Wenn es schon keine Reunion (in nächster Zeit) gibt, dann bitte gebt April entweder einen neuen Flirt oder noch besser ordentliche Karriereaussichten.
  • Wann erfahren wir eigentlich, was es mit Andrew und Sam auf sich hat?
  • Und wieso sind Owen und Carina immer noch eine Sache, wenn Owen sich damit eindeutig nur ablenken will und Carina und Arizona nach wie vor eine tolle Chemie haben? Immerhin haben wir dadurch wieder eine der typischen Aufzugsszenen bekommen.


Fazit

Obwohl die Folge an sich so aufgebaut war, dass wir mittendrin in die Winterpause geschickt werden, ist es eigentlich nur die Storyline rund um Jo, die mich gespannt auf die neuen Folgen warten lässt. Der Hackerangriff an sich ist trotz mühevoll aufgebauter Panik für mich irgendwie lange nicht so interessant, wie er es hätte sein können. Gleiches gilt für die Handlung von Maggie und Jackson, wobei ich an deren Privatgeschichte leider immer weniger Gefallen finde. Nur die Fälle von Meredith und Alex konnten mich schon um einiges mehr überzeugen und waren auch wirklich spannend zu verfolgen. Es ist schon ein bisschen schade, dass die Serie nach der hervorragenden 300. Folge von letzter Woche jetzt etwas schwach in die Pause einzieht. Vielleicht bin aber auch nur ich enttäuscht und andere waren von dem Drama begeistert. Auf jeden Fall freue ich mich trotzdem sehr auf den Handlungsstrang von Jo, der wohl einen Großteil der zweiten Hälfte von Staffel 14 einnehmen wird. Denn der sieht wirklich vielversprechend aus.

Denise D. - myFanbase


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