Bewertung: 7

Review: #3.06 Snacks umsonst

Foto: Alex Karpovsky, Girls - Copyright: 2014 Home Box Office, Inc. All rights reserved.
Alex Karpovsky, Girls
© 2014 Home Box Office, Inc. All rights reserved.

Berufliche Neuerungen bei Hannah, Adam und Jessa, zwischenmenschliche bei Ray und Marnie - in dieser Folge werden fast alle Protagonisten vor Entscheidungen gestellt.

"Careful. You don't want the real GQ writers hearing you say you work at GQ." - "Wait, why?" - "They're really fucking snobby about the difference between editorial and advertorial..."

Hannah erklimmt auf der Karriereleiter die nächste Stufe - zumindest versucht sie, sich das schönzureden. Für ihren neuesten Job wird sie zwar fürs Schreiben und nicht fürs Kaffeemachen bezahlt, aber zum einen handelt es sich hierbei um das GQ Magazine statt eines Buches, und zum anderen muss sie auch noch Sponsored Ads schreiben. Das sind die Anzeigen, die auf den ersten Blick wie Artikel aussehen, sich bei näherem Hinsehen aber als Werbung entpuppen - der doppelte Seelenverkauf. Zwar leuchten Hannahs Augen beim Anblick der ganzen kostenlosen Snacks kurz auf, und auch bei der Redaktionssitzung macht sie einen sehr guten ersten Eindruck bei der Chefin Janice, aber das kann ihr auf Dauer den Alltag im Büro nicht verschönern.

Nach dem ersten Höhenflug, den Hannah wegen ihren guten Ideen bekommt, landet sie bereits am zweiten Tag wieder auf dem Boden der Tatsachen. Ihre Kollegen, die denselben Job ausüben, haben alle drei vorher auch "writer writer"-Texte, wie Hannah sie nennt, veröffentlicht: Joe im New Yorker, Karen in n+1, einer renommierten Literaturzeitschrift, und Kevin hat sogar den Yale Poetry Award bekommen. Aber jetzt sind sie in der Realität angekommen und schreiben Sponsored Ads für GQ.

Selten tat mir Hannah, die ich sonst wegen ihrer Egomanie immer schimpfe, so Leid wie in dieser Folge. Auf die Frage an ihre Kollegen, ob sie noch andere Sachen schreiben würden, antworten diese ausweichend und erläutern die Vorteile des Jobs bei GQ: Sie bekommen gutes Geld, können in New York bleiben und haben eine Krankenversicherung. Da kann man schon einmal die eigenen Ideale verraten. Soweit ist Träumerin Hannah aber noch nicht. Sie möchte nicht wahrhaben, dass so ihre Zukunft ebenfalls aussehen könnte, und versucht deswegen, den Job zu kündigen. Aber auch ihr ist die Bedeutung der Argumente ihrer Kollegen klar, und deswegen zieht sie diesen Schritt nicht durch. Stattdessen nimmt sie sich vor, jeden Abend nach der Arbeit drei Stunden lang eigene Texte zu verfassen. Das Vorhaben hält sie nicht einen Tag durch.

"Would you please sit down?" - "Why?" - "Because you have no-one else to eat lunch with. And neither do I."

Die Handlung um Marnie und Ray wird auf die bestmögliche Art weitergeführt. Weder sind sie plötzlich glücklich verliebt noch wird einfach ignoriert, was geschehen ist. Vielmehr wählen sie den Mittelweg: Sie zicken sich die ganze Zeit an, sind höchstens semi-freundlich zueinander und trotzdem ist eine wachsende Zuneigung, die beide noch nicht so richtig zeigen möchten, zu erkennen. Einen großen Schritt macht Ray, der nach Marnies "prove it" im Nullkommanix mit Kaffee und Muffins vor ihrer Haustür steht.

Wie die Sexszene, die "Girls"-typisch wieder einmal höchst unerotisch ist, beweist, haben die beiden auf der Ebene nicht sonderlich viel Chemie. In den tendenziell freundschaftlichen Szenen passen Ray und Marnie aber gut zusammen und haben auch einen der wenigen lustigen Momente der Episode, nämlich als sie sich vor den Adam- und Hannah-Doppelgängern verstecken, um bloß nicht miteinander gesehen zu werden. Auch ihre Streits sind amüsant, vor allem aber lassen sie durchblicken, dass Ray und Marnie trotz allem eine erstaunliche Innensicht des jeweils anderen haben. Vor allem Ray scheut nicht davor zurück, die Wahrheit zu sagen, was Marnie auf Dauer gut tun wird.

Am Ende wird deutlich, warum sich die beiden zueinander hingezogen sind: Beide sind einsam. Und das ist vielleicht ein trauriger Anlass, um Zeit miteinander zu verbringen, aber wenn man das Leben der beiden anschaut, ein plausibler. Und ein Grund, warum "Girls" nicht nur zu den lustigsten, sondern sehr oft auch zu den traurigsten Serien gehört.

"Ray is being written about in popular service publications and my life is a mess and I know that it was a personal choice but I feel like maybe it is time to unchoose that choice."

Die Talfahrt, die wir in Shoshannas Charakterentwicklung in den letzten Folgen beobachten durften, geht auch in dieser weiter. Anstatt sich für ihren Ex-Freund darüber zu freuen, dass Time Out New York sein Café lobt, muss sie ihre Erfolge mit seinen messen und will ihn übertrumpfen. Zu dem Zweck führt sie allen Ernstes Vorstellungsgespräche für eine neue Beziehung, bei denen sie ziemlich arrogant, anstatt lustig wie früher ist. Auch die Tatsache, dass sie einen Typen auswählt, den sie als absolut dumm erachtet, spricht nicht für sie. Der Sex ist kalt und Shoshanna hört nicht auf, zu reden und ihre eigenen Regeln erläutern. Die warme, unsichere, verträumte Shoshanna von früher ist verschwunden.

Jessa hat in der Tat den Job in der Kinderboutique bekommen. Zu schade, dass der Zuschauer nicht erfährt, wie sie das genau angestellt hat. Das wären bestimmt witzige Szenen gewesen. Aber auch so ist Jessas Verkaufstalent ungeschlagen: Mit ihrer leicht herablassenden und gelangweilten Art schafft sie es, die Mütter zum Kauf der unpassendsten Kleider zu bewegen. Mehr als eine Szene ist ihr diese Woche aber nicht vergönnt.

Und Adam, der eigenen Angaben zufolge nur aus Nervenkitzel für Schauspieljobs vorspricht, befindet sich im Leben derzeit woanders als Hannah. Er nimmt nichts ernst, das nicht vorhandene Geld, der nicht vorhandene Job scheinen ihn nicht zu beunruhigen. Und als Hannah am deprimiertesten ist, hat er den glücklichsten Tag, denn trotz der vorherigen Coolness freut sich Adam, als er eine Zusage bekommt.

Fazit

Jessa, Shoshanna und Adam sind wieder einmal nur Nebenfiguren, und was mit Adams Schwester Caroline geschehen ist, wird gänzlich ausgeblendet. Trotzdem gefällt mir die Folge gerade wegen des traurigen, aber realistischen Untertons. Die verquere Beziehung von Ray und Marnie wird auf die logischste Art weitergeführt, und Hannah muss sich - wie in der Episode zuvor - innerhalb kürzester Zeit dem Hoch der Gefühle und dem tiefen Fall nach der Enttäuschung stellen.

Isabella Caldart - myFanbase


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