Bewertung: 7

Review: Alles am richtigen Platz (4.17)

Foto: Blair Brown, Fringe - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Blair Brown, Fringe
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Der Episodentitel von #4.17 Everything In Its Right Place basiert auf einem Song der Gruppe "Radiohead" und scheint wie für die Serie geschaffen zu sein, denn er beinhaltet unter anderem folgende Zeile: "I've got two colours in my head." Two colours – zwei Farben. Etwa ... rot und blau?! Auch wenn wir uns in der vierten Staffel in einem "bernsteinfarbigen Universum" befinden (Welt Eins + Welt Zwei), gibt es natürlich nach wie vor noch das blaue und das rote Universum, wo jeder seinen Platz hat. "Everything In Its Right Place". Doch was, wenn man sich in dem Universum, in dem man sich befindet, gar nicht so wohl fühlt und man feststellt, dass das vielleicht gar nicht der "richtige Platz" für einen selbst ist? Lincoln schien sich in dieser Folge zumindest öfter zu fragen, wo sein Platz ist und stand somit im Fokus dieser ereignisreichen, "rot"-lastigen Episode.

"Oh, you mean Mantis."
"Seriously? Your superhero is an flying insect?"
"Because nothing says badass like a flying bat?"


Dass Lincoln in dieser Episode einiges an Screentime gewidmet bekommen sollte, war mir zu Beginn der Folge noch alles andere als Recht. Zu genervt war ich noch von seinem pessimistischen, in Selbstleid zerfließendem Verhalten in #4.16 Nothing As It Seems und zu wenig begeistere ich mich generell für den Charakter, seit er durch Peters Rückkehr und seiner erneuten Teamzugehörigkeit relativ nutzlos geworden ist. Aber dadurch, dass ein Großteil der Episode im Paralleluniversum spielte und sich Lincoln somit nicht Olivia und Peter als Paar konfrontiert sah, war er gleich um einiges erträglicher. Ihn zusammen mit Bolivia oder seinem alternativen Ego Alt-Lincoln zu sehen, war sogar eine tolle Abwechslung, die hervorragend funktionierte und Spaß machte. Generell punktete die gesamte Episode durch den Charme der anderen Welt, denn nicht nur die alternativen Charaktere haben wieder für reichlich Unterhaltung gesorgt, sondern auch die kleinen Gimmicks, die man sich wieder einfallen ließ, wie beispielsweise die beweglichen Bilder in Zeitungen ("Harry Potter" lässt grüßen). Auch war es interessant zu hören, dass die Struktur des anderen Universums, das seit Walters Crossover 1985 ja erhebliche Schäden davontrug, sich seit der Entstehung der Brücke stabilisiert. Endlich wird überhaupt mal ansatzweise erwähnt, dass die Brücke Auswirkungen auf das andere Universum hat. Sowieso spielt die Verschmelzung der beiden Universe durch die Brücke nach wie vor eine viel zu geringe Rolle in der Staffel, zumindest wenn man bedenkt, dass man nach #3.22 Der Tag, an dem wir starben davon aus ging, dass besonders die Auswirkungen des Zustandekommens der Brücke im Fokus der vierten Staffel stehen würde. Leider war dem ja nicht so, aber hoffentlich holt man dies im letzten Viertel dieser Staffel noch ein wenig nach.

Immerhin stand uns ja schon in dieser Episode eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Universen bevor, die auch mit dem roten Faden rund um David Robert Jones zu tun hatte. Zwar war an dieser Zusammenarbeit nur Lincoln beteiligt, was schade war, da Bolivia in Kombination mit Walter und/oder Olivia fast noch besser funktioniert, aber die Szenen zwischen ihr und Lincoln bzw. zwischen den beiden Lincolns waren zweifelsohne sehr sehenswert. Der Fall, der das Team später dann zu Jones, Alt-Nina und den Gestaltwandlern führen sollte, wurde gegen Ende hin richtig spannend, auch wenn es mal wieder etwas störend war, welch große Parallelen man zwischen dem Fall und einer Situation, in der sich gerade einer der Charaktere befindet, ausmachen konnte. Die Szenen zwischen Lincoln und Canaan waren zwar keinesfalls schlecht, aber eben mal wieder Holzhammermethode vom Feinsten. Die Idee eines aus den Reihen tanzenden Gestaltwandlers war hingegen ganz interessant, auch wenn man das Thema so ähnlich schon in #3.04 Träumen Gestaltwandler von elektrischen Schafen? verarbeitet hatte.

Die mit beste Szene der Folge fand sich ziemlich am Schluss, als Alt-Nina von Canaan hereingelegt wurde und so am Ende festgenommen werden konnte. Mit Alt-Nina in den Fängen der Fringe-Division verspreche ich mir jetzt schon eine interessante nächste Folge, in der wir hoffentlich mehr über Jones' Plan oder nächsten Schritte erfahren werden, denn diesbezüglich blieben die neuen Informationen in dieser Folge mau. Und da die Fringe Division nun zu zahlreichen Daten Zugang hat, dürfte es eigentlich auch nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Alt-Broyles' doppeltes Spielchen auffliegt.

"I've been blown up before, this is nothing."

Dann hatte die Episode noch einen richtigen Schocker zu bieten, den so manche Fans erst einmal verdauen müssen: Alt-Lincoln ist an den Folgen einer Schussverletzung gestorben ... noch mal: Alt-Lincoln ist an den Folgen einer Schussverletzung gestorben. In der Serie, in der ein Antagonist längst gespalten wurde (#1.20 Nichts ist einzigartig), ist in dem Universum, in der ein angeschossener Walter binnen weniger Sekunden in einem Krankenhaus wieder geheilt werden konnte (#2.22 Die andere Seite (1)), der Charakter, der eine gewaltige Feuerwalze schwerverletzt überlebt hatte (ebenfalls #2.22), tatsächlich an einer Schussverletzung gestorben. Ich bin zwar definitiv kein Fan von effekthascherischen Todesszenen und wahrscheinlich sollte Lincolns Tod so unspektakulär sein, damit der Schock später tiefer sitzt, aber irgendwie möchte diese Art und Weise so gar nicht glaubwürdig rüberkommen.

Doch abgesehen davon, so sitzt der Schock über Alt-Lincolns Tod natürlich schon tief. Nicht nur, weil er uns schließlich seit Ende der zweiten Staffel schon durch die Serie begleitet, sondern auch, weil er durch seine lockere Art und der tollen Chemie zwischen ihm und Bolivia zu einem echten Liebling avanciert ist. Zurecht stellt man sich dann natürlich die Frage, weshalb die Autoren ausgerechnet diesen Charakter so unerwartet sterben lassen und gegen Ende der Folge wird dies einem dann klar, als Lincoln Bolivia anbietet, ihn von nun an auf dieser Seite zu unterstützen. Die Beweggründe sind klar: In der roten Welt fühlt sich Lincoln sichtlich wohler als in der blauen Welt bei Olivia und Peter, was auch immer wieder innerhalb der Folge deutlich wurde, zum Beispiel während der Szene, in der er sich partout verweigert hat, das rote Universum zu verlassen. Nun also, da Alt-Lincoln gestorben ist und da sich Lincoln von Bolivia gebraucht fühlt, glaubt er, seinen "richtigen Platz" vielleicht endlich gefunden zu haben. Natürlich ist diese Entwicklung schön und da mir die Szenen zwischen ihm und Bolivia in dieser Folge recht gut gefallen haben, ist es sicherlich keine schlechter Tausch, Lincoln nun öfter mit Bolivia agieren zu sehen als mit Olivia, für die er heimlich schwärmt und daher für unerträgliche Blicke sorgt. Andererseits bleibt ein unschönes Gefühl zurück, wenn man bedenkt, dass man solch eine Entwicklung erst durch den Tod eines beliebten Charakters erzwingen musste und noch kann man nicht wirklich sagen, ob es das ganze wirklich wert war.

Außerordentliche Brisanz bekommt das ganze aber dadurch verliehen, dass sowohl Lincoln als auch Bolivia nun aus persönlichen Gründen motiviert sind, David Robert Jones ein für alle mal zu stoppen. Beide haben schließlich durch Jones einen Menschen verloren, der ihnen viel bedeutet hat und es wird interessant sein zu sehen, welch Auswirkungen das nun noch haben wird und inwieweit ihr rationales Handeln darunter leidet. Besonders bei Bolivia kann man sich sehr stark vorstellen, dass sie vielleicht so einige Opfer bringen würde, um Jones endgültig auszuschalten. Generell hoffe ich, dass man sich in den kommenden Folgen mehr auf Bolivia und generell auf die andere Seite fokussiert, denn die momentanen Situationen "over there" sind einfach viel zu spannend, als dass man sie nun vorerst wieder auf Eis legen sollte. Allerdings darf dann ruhig wieder Walter zu sehen sein, ohne den doch ein wenig Charme verloren geht, nachdem besonders sein sorgsamer Umgang mit seiner vermeintlich depressiven Kuh zu Beginn der Folge ein wahrer Brüller war.

Fazit

Durchweg punkten konnte #4.17 Everything In Its Right Place mit der Tatsache, dass man sich seit langem mal wieder im anderen Universum befand und so der anderen Fringe Division bei der Arbeit zusehen durfte, was immer wieder großen Spaß macht. Ansonsten kam erst in der zweiten Hälfte der Episode Tempo rein, dann aber dank spannenden Actionszenen und teils sehr überraschenden Ereignissen, nämlich Alt-Lincoln Tod und Alt-Ninas Festnahme, so richtig. Und obwohl die Handlung um Jones nicht wirklich groß vorangetrieben wurde, so versprechen gerade diese letzten Entwicklungen eine hochinteressante nächste Episode, falls man überhaupt beabsichtigt, sich auf diese Entwicklungen bereits in #4.18 The Consultant einzulassen. Wünschenswert wäre es.

Manuel H. - myFanbase


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "Fringe" über die Episode #4.17 Alles am richtigen Platz diskutieren.

comments powered by Disqus