Bewertung
Lisa Azuelos

Ein Augenblick Liebe

"Damit eine Geschichte niemals aufhört, darf sie gar nicht erst beginnen."

Foto: Copyright: Alamode Film
© Alamode Film

Inhalt

Der seit 15 Jahren glücklich verheiratete und erfolgreiche Anwalt Pierre (François Cluzet) trifft auf einer Buchpremiere die geschiedene Buchautorin Elsa (Sophie Marceau) und beide finden sich schnell sympathisch und beginnen, miteinander zu flirten. Für Elsa sind verheiratete Männer aber Tabu und auch Pierre führt mit seiner Frau und den zwei gemeinsamen zwei Kindern im Grunde ein glückliches Leben, welches er nicht aufs Spiel setzen will. Trotzdem bekommen die beiden Verliebten den anderen nicht aus dem Kopf und lassen den Gedanken einer Affäre langsam in ihr Leben gleiten.

Kritik

Der deutsche Titel „Ein Augenblick Liebe“ suggeriert auch durch das kitschige Werbeplakat und die Ankündigung auf das romantische Sommerhighlight des Jahres einen typischen Schmachtfetzen ohne große Überraschungen. Diesem setzt "LOL"-Regisseurin Lisa Azuelos aber ein verspieltes, locker-leicht erzähltes romantisches Drama im Konjunktiv entgegen, in dem nicht nur "Ziemlich beste Freunde"-Star Francois Cluzet und die "La Boum"-Legende Sophie Marceau wunderbar miteinander harmonieren, sondern auch die Geschichte einige schöne Hacken schlägt und eine spannende und gefühlvolle Auseinandersetzung mit der Schicksalsthematik bietet.

Die Ausgangssituation des kleinen französischen Dramas ist eine Party-Begegnung zwischen einer erfolgreichen Autorin und eines erfolgreichen, verheirateten Anwalts, bei der sofort die Funken sprühen und Sympathien aufgebaut werden. Die bekannte Thematik der Liebe auf den ersten Blick wird hier aufgegriffen und der Frage gegenübergestellt, was diese Erfahrung mit einem Menschen macht, der eigentlich bereits glücklich verheiratet ist, sich ein geregeltes Familienleben aufgebaut hat und trotz manch alltäglichem Konflikt glücklich mit seinem Leben ist. Die plötzliche Liebe, plötzliche Gefühle als überwältigender Moment, der viele Fragen aufwirft und einen über vergangene und zukünftige Entscheidungen nachdenken lässt.

Die außereheliche Affäre ist ein beliebtes Thema vieler Filmproduktionen aus verschiedenen Jahrzehnten und Regisseurin Azuelos macht nicht den Fehler, wieder ein großes Drama über Verrat, Betrug und alltägliches Leid zu inszenieren, sondern wählt einen ganz anderen Ansatz, in dem sie die im Zentrum stehenden Charaktere mit verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten spielen und hantieren lässt und diese Gedankenspiele geschickt in die Handlung des Films einflechtet. Dadurch tun sich verschiedene Zeitlinien und mögliche Entwicklungen auf, die eine einzelne Entscheidung in Gang setzten können. Diese Gedankenspielsequenzen werden dann inszenatorisch auch imposant in Szene gesetzt und vermögen es, einen immer wieder zu überraschen und in einen Zustand des Träumens zu versetzen.

Durch diese inszenatorischen Spielereien, zu denen unter anderem auch das Anhalten des Bildes und eine wilde Split-Screen-Sequenz gehören und die nie ins unangenehm-dramatische abrutschende Stimmung des Films hebt dieser sich angenehm von anderen Ehebruch-Dramen ab und geht in eine ganz andere, viel analytischere Richtung, bei der vieles schlichtweg nur in den Tagträumen der Protagonisten verhandelt wird. Dies und die nebenher auch klug in die Geschichte integrierte Auseinandersetzung mit der Thematik des intergenerationalen Dialogs zwischen Eltern und Kindergeneration, zu der der Film einige schöne und berührende Momente einfangen kann, machen diesen Film zu einer stets kurzweiligen und häufig auch nachdenklich stimmenden Angelegenheit und eben zu keiner standardisierten Kuschelromanze.

Fazit

Auch wenn der Titel anderes verspricht, handelt es sich bei dem französischen Romantik-Drama nicht um einen klassischen Liebesfilm nach Bewährten Muster, sondern um eine inszenatorisch-verspielte und glaubhaft gespielte Liebesgeschichte in Gedanken. Ein schöner kleiner Geheimtipp.

Moritz Stock - myFanbase
07.08.2014

Diskussion zu diesem Film