Bewertung: 6

Review: #3.14 Der Schlachthof

Foto: Mercedes Mason, Fear the Walking Dead - Copyright: 2016 AMC
Mercedes Mason, Fear the Walking Dead
© 2016 AMC

Wie so oft ist es gar nicht einfach, ein hohes Niveau zu halten, wenn man mit hohem Erzähltempo zu überzeugen wusste. Denn ein hohes Tempo bedeutet auch, dass neue Ideen kommen müssen. Dass man als Zuschauer nicht mit allen Ideen mitgeht, ist dann fast unablässig.

"Sagen Sie ihm, dass ich mich wirklich gefreut habe, ihn richtig kennen zu lernen."

Ofelia Salazar fällt erschöpft vom Wagen und es ist eigentlich sofort klar, dass sie die Kampf auf der Ranch doch nicht unbeschadet überstanden hatte. Das ist ein heftiger Auftakt dieser Episode, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass man nach dem Massensterben auf der Ranch nun hier gleich weiter macht. Nun konnte Ofelia in den letzten Folgen durchaus Sympathiepunkte sammeln, aber eigentlich ist sie irgendwie entbehrlich. Da man sie über lange Zeit in der Serie eh sehr stiefmütterlich behandelte und sie lange Zeit gar keine Rolle spielte, fand ich es eher befremdlich, dass man ihrem Ableben hier so derart viel Aufmerksamkeit schenkt. Es wäre auch nicht tragisch gewesen, wenn man ihr nicht so lange beim "bitte wach bleiben" zugeschaut hätte. Ihr letzter Dialog mit Madison Clark war dafür überaus gelungen und tatsächlich herzzerreißend, vor allem, weil Madison hier die richtigen Worte finden konnte. Dass man nach der langen Wartezeit dann aber nicht mal mehr dazu kommt, dass sie sich von ihrem Vater verabschiedet kann, finde ich brutal und unnötig. Das hätte niemanden geschadet, auch der Storyline um Daniel Salazar nicht, der trotzdem wütend auf Madison hätte sein können. Insofern war es für mich eine ungewöhnlich intensiver Abgang von Ofelia, der man dann unnötigerweise ihren Herzenswunsch verweigert. Ja, das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert, aber diese Entscheidung hat mich dann doch enttäuscht.

"Wir beide sind uns viel ähnlicher als du denkst."

Noch befremdlicher fand ich allerdings das Duo infernale Nick Clark und Troy Otto. Erst geben sie sich Alicia Clark sofort zu erkennen, sodass Nick natürlich nicht erfolgreich sein kann, wenn sich Alicia noch gar nicht mit den Nachteilen des Alleinseins zurechtfinden musste. Dann fährt er zu seiner Mutter, holt sich ein bedeutungsvolles "schön, dass du da bist" ab und entscheidet sich dann direkt mal dafür, Tabletten zu nehmen und den heftigsten Trip seit langer Zeit mit Troy abzuziehen. Irgendwie passt das für mich nicht zu dem Nick, der sich in der Serie entwickelt hat. Ich kann absolut nachvollziehen, dass er ein Bedürfnis hat, sich frei zu fühlen, den Druck loszuwerden und eben mal wieder einen Trip zu haben. Aber derart verantwortungslos? Er nimmt irgendein unbekanntes Zeug, für das er nicht mal was bezahlen soll? Das ging mir zu schnell, zu plump und wirkt für mich nicht durchdacht. Einzig stark an dieser Teilstory war Madisons Reaktion, die sofort gemerkt hat, dass mit Nick etwas nicht stimmt und sie zu ihm nicht durchdringen kann. Das muss ihr wieder enorm schwer gefallen sein aber sie hat es gut angestellt. Man kann also unter dem Strich konstatieren, dass es Madison gelungen ist, zu akzeptieren, dass sie ihre Kinder nicht beschützen kann und auch nicht muss. Die werden es schon hinkriegen. Wobei ich für Nick eher schwarz sehe, wenn er sich jetzt jedes Mal zudröhnt. So ein Ausflug durch die Infizierten wird nicht immer schadlos ausgehen.

"Ich bin müde und hungrig und habe einfach keine Lust dich zu töten."

Alicia geht auf der Suche fast im Bällebad unter. Das Setting hat mir gefallen. Es war ein bisschen absurd, hatte aber auch so etwas Alltägliches, Realweltliches. Mit etwas Glück bleibt sie am Leben und muss dann ansehen, wie ein anderer Mensch ihr die Kartoffeln klaut. Ihre Rückholaktion war dann dämlich. Vollkommen naiv glaubt sie, sich einfach alles nehmen zu können. Da hatte sie wohl einen Rückfall ins Kleinkind. Immerhin bekommt sie es dann hin, sich etwas zurück zu nehmen und eher auf Kooperation zu setzen. Es folgt ein interessanter Austausch über das Umherziehen alleine und die Gründe dafür, die die Motivation noch mal gut zur Geltung bringen. Allerdings werden Alicia auch die Augen geöffnet, dass die Suche nach dem Paradies durchaus erfolglos sein wird. Das defekte Auto sorgt dann dafür, dass Alicia wohl doch nicht ganz auf sich allein gestellt sein wird. Ist das eine kurzfristige Zweckgemeinschaft oder wird da noch mehr draus? Und vor allem bleibt die Frage, wohin die Reise nun gehen soll. Alicias Story kann jetzt nicht vollends begeistern, aber es ist ein guter Anfang für ihre neue Geschichte.

Fazit

Insgesamt ist die Episode eher durchwachsen, weil Ofelias Ableben zwar emotional aber doch etwas unbefriedigend ist und zu viel Zeit in Anspruch nahm. Alicias Reise beginnt gerade erst, könnte aber interessant werden, wohingegen Nick und Troy in erster Linie genervt haben. Bleiben sehr wohlwollende sechs Punkte übrig.

Emil Groth - myFanbase


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