Bewertung: 8

Review: Die Zeitverschiebung (5.01)

Eines muss man den Machern von "Eureka" lassen. Sie wissen absolut, wie man zu Beginn einer Staffel die Ausgangssituation vollkommen auf den Kopf stellt. Auch nach dem Cliffhanger des letzten Staffelfinales hat man eine Neukonstellation geschaffen. Die Weltraum-Crew war vier Jahre weg, empfand es aber nur wie wenige Minuten.

What about the kids

Die Autoren sind wirklich schmerzfrei, wenn es darum geht, den Charakteren größtmögliches, emotionales Leid anzutun. Da sind sowohl Jo und Zane sich langsam wieder näher gekommen, als auch Carter und Allison, doch die lange Abwesenheit und schier hoffnungslose Suche hat Jo und Carter zusammen geführt. Das ist als Entwicklung durchaus nachvollziehbar, denn gut befreundet waren sie schon immer und der Verlust ihrer geliebten Menschen muss mit Freunden verarbeitet werden. Sie konnten die Situation des jeweils anderen gut nachvollziehen und dann führt eben eins zum anderen. Für Zane und insbesondere Allison ist das ein enormer Schock und auch als außenstehender Zuschauer wird man von den Emotionen tief getroffen. Wie Allison plötzlich Jo und Carter zusammen sieht und dann die Bedeutung des Bildes ihrer inzwischen vier Jahre älteren Tochter versteht, ging einem sehr nahe. Wie brutal ist das?! Man stelle sich vor, man wacht am nächsten Morgen auf und es sind vier Jahre vergangen, alle haben sich weiterentwickelt und geliebte Menschen gestehen, dass sie mit anderen Menschen zusammen leben. Heftig.

It's a brave new world

Doch es gibt noch deutlich mehr Veränderungen, welche die Stadt beeinflusst haben. Andy ist für die Sicherheit von GD verantwortlich, hat sich vervielfacht und sorgt für eine extreme Form der Überwachung, die jegliche negative Emotionen verhindern soll. S.A.R.A.H. ist als Chefin von GD wunderbar maschinell einfach gestrickt, aber nicht weniger gefährlich. Die Maschinen haben die Kontrolle und die Menschen ertragen es und versuchen nicht aufzufallen. Da sind selbst die konspirativen Tendenzen von Henry eher schwach. Überhaupt verwundert es eher, dass man sich offenbar recht einfach den Entwicklungen hingegeben hat. Warum nun ausgerechnet die Rückkehrer die einzigen Retter sein sollen, ist etwas plump inszeniert, auch wenn jede andere Alternative nicht gepasst hätte. Mir hätte es dann aber doch besser gefallen, wenn man dieser Entwicklung mehr Zeit gegeben hätte und man erklären könnte, warum Carter und Co. bisher so machtlos gewesen sind. Viel ärgerlicher war dann allerdings, dass es doch recht simpel war, das Problem zu beheben. Kurz ins System gehackt, Gehirnwäsche umgepolt und fertig. Alles kann wieder so sein wie früher. Der fulminante Auftakt wird durch diese zu einfache Lösung etwas abgeschwächt. Das ist vor allem deshalb schade, weil man auch ungeheuer viel Potenzial verschenkt, mit dem man eine maschinell dominierte Gesellschaft hätte zeigen können. Schade.

Everything she's experiencing feels absolutely real to her.

Eine Überraschung bietet diese Episode allerdings noch. Das Ende ist ein erneut heftiger Cliffhanger, der im Prinzip alles aus dieser Episode in Frage stellt. Beverly hat mal wieder ihre Finger im Spiel. Irgendwie hat sie die gesamte Crew in ihre Gewalt gebracht und angezapft. Alles, was Allison und Co. erlebt haben, spielte sich ausschließlich in ihrem Kopf ab. Man wird als Zuschauer aber auch ganz schön an der Nase herum geführt. Was das jetzt alles bedeutet, wird man erst in der nächsten Episode erfahren. Sind nun wirklich vier Jahre vergangen oder handelt es sich doch nur um ein paar Wochen und Henry und Carter sind noch eifrig bei der Suche? Welches Ziel hat Beverly genau? Klar, sie will die besten Wissenschaftler der Welt kontrollieren. Manchmal fragt man sich allerdings, ob sie diese überhaupt braucht, wenn sie mit ihren Leuten in der Lage ist, solche Situationen überhaupt zu erschaffen. Es ist jedenfalls wieder absolute Höchstspannung angesagt und die Autoren haben mal wieder bewiesen, dass es im Prinzip nichts gibt, womit man nicht rechnen kann. Zeitreisen, Kontrolle des Unterbewusstseins, Schaffen neuer Realitäten, Parallelwelten..., was wird noch kommen? Dem Unterhaltungsfaktor der Serie tut es jedenfalls keinen Abbruch, weil die immer wieder neuen Konstellationen so viel Potenzial offenbaren und man immer jede Möglichkeit in Betracht ziehen muss. Nun ist schon gewiss, dass dies die letzte Staffel der Serie sein wird. Man kann also alle Ideen verprassen, die es noch so gibt. Und offenbar mangelt es daran nicht.

Fazit

Der Staffelauftakt hatte alles, was das "Eureka"-Fan-Herz begehrt. Wieder wurde alles auf den Kopf gestellt und man hängt noch völlig in der Schwebe, in welche Richtung es gehen wird. Man darf sich auf eine abwechslungsreiche letzte Staffel einstellen. Leider wurde die zentrale Problematik der Episode um Andy zu schnell aufgelöst, als dass man diesem Auftakt die volle Punktzahl geben könnte. Vielleicht hätte man hier noch ein paar Minuten mehr opfern sollen. Solch einen Auftakt hätte man auch gerne mal als extralange Episode inszenieren können. Inhaltlich gab es genügend Gründe und Möglichkeiten dafür.

Emil Groth - myFanbase


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Diskussion zu dieser Episode

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