Bewertung: 8

Review: #5.02 The Thing About Heroes

Die Auftaktepisode der fünften Staffel war mich vor allem als Rahmenbildung wichtig, denn durch Castveränderungen und Rückkehrer musste sich die Serie ein Stück weit neu erfinden. Nachdem dies etwas plump angegangen wurde, dafür aber die großen Handlungsstränge stimmten, fokussiere ich mich nun ab der zweiten Episode wieder vordergründig auf den Inhalt und die Charaktere.

Diese Episode gefiel mir alleine deswegen schon sehr gut, weil der Inhalt mit dem Fall der Woche sehr fokussiert war und auch aus der Intelligence Unit nur eine Figur besonders heraus stach und das war Kim Burgess. Die ehemalige Streifenpolizistin ist über die vergangenen vier Staffeln schnell zu einem Lieblingscharakter von mir geworden, da sie sich grandios weiterentwickelt hat und das untermalt diese Episode noch einmal anschaulich. Einst noch die naive Ex-Stewardess, die sich von Trudy Platt und anderen Kollegen ständig lumpen ließ, wurde sie durch zahlreiche Folgen, die sie dominierte, immer mehr zu der Polizistin, die es würdig war, in die Unit aufgenommen zu werden. Sie arbeitet akribisch, ist mutig, tough und hat unheimlich an Selbstbewusstsein gewonnen. All diese positiven Charakterentwicklungen spielt sie in dieser Episode hervorragend aus. Zu Beginn wird ihre neue Beziehung angesprochen und offenbart, dass sie mit einem Anwalt ausgeht, den sie während des Prozesses gegen sie selbst kennengelernt hat. Da diese Figur auch bereits gecastet wurde, bin ich sehr gespannt, wie diese Liebesgeschichte eingearbeitet wird. Meist werden solche mit den Hauptfiguren involvierte Nebenfiguren ja nur eingeführt, weil sie Dreck am Stecken haben oder für irgendwelches Drama sorgen sollen.

Im Fall der Woche ist Kim dahingehend involviert, als dass sie mit dem vermeintlichen Verursacher eines Bombenattentats einmal als Streifenpolizistin zusammengearbeitet hat. Diese Zusammenarbeit haben wir als Zuschauer zwar nie gesehen, aber durch Kims Überzeugung wird schnell klar, dass sie in Frank Toma einen guten Menschen sieht. Da ihre Kollegen und vor allem das FBI aber sehr skeptisch sind, muss Kim eben all die Werte und Fähigkeiten, die sie dazu gelernt hat, ausnutzen. Sie vertraut ihrem Instinkt und beharrt darauf, dass Toma unschuldig ist. Ihr Gespräch mit dem selbstmordgefährdeten Toma war dabei grandios, denn sie gab alles dafür, ihn zur Niederlegung der Waffe zu überreden. Sie scheitert letztlich, aber ihre Trauer um den ihr wichtigen Menschen war absolut greifbar und sehr authentisch. Da ihre Kollegen und das FBI diesen Selbstmord als Schuldeingeständnis sehen, wird sie nur noch kämpferischer und gewillter, seine Unschuld zu beweisen und handelt sogar ohne Hank Voights Wissen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch positiv hervorheben, dass ihr Antonio Dawson als Partner zur Seite gestellt wurde. Diese Konstellation hat es so noch nicht gegeben, aber sie funktioniert in meinen Augen wunderbar. Antonio glaubt zwar zunächst auch nicht an Tomas Unschuld, aber er ist ein sehr loyaler Mensch und als solcher steht er zu 100 % hinter seiner Partnerin und das Zusammenspiel der beiden hat Lust auf mehr gemacht. Am Ende behält Kim recht, kann sich aber dennoch nur bedingt freuen, da sie ihren Kollegen ja dennoch nicht vom Selbstmord abhalten konnte. Genau diesen Selbstvorwurf münzt sie dann in Wut auf den Ex-Partner von Toma um, der diesen wegen seiner Homosexualität und Glaubensrichtung gemobbt hat. Da zeigt sich zugespitzt, wie moralisch integer Kim ist, denn sie will jedes Verbrechen überführt sehen und lehnt den Dschungel an Korruption und Vetternwirtschaft entschieden ab.

Bereits in der Auftaktepisode hatte mir gefallen, wie aktuell die Themenwahl derzeit ist und auch die geplanten Bombenattentate auf ein Stadtfest und eine High School könnten aktueller nicht sein. Tragisch wurde diese Folge sogar, als Jay Halstead gegenüber einem Verdächtigen behauptete, dass der Anschlag über 50 Todesopfer gefordert hätte und damit das größte Verbrechen der Geschichte sei. Mit Blick auf Las Vegas zeigt sich da, wie eng Fiktion und Realität manchmal miteinander verknüpft sind. Doch in dieser Episode geht es nicht um Waffengewalt, sondern um radikale Islamisten und das Thema wurde in dieser Episode klug behandelt, da mit Frank Toma ein praktizierender Muslim selbstständig undercover gearbeitet hat, um eine Terrorzelle, die angeblich im Sinne desselben Glaubens handelt, aufzudecken. Angesichts der Tatsache, dass die zahlreichen Terroranschläge in Europa und eben in den USA die Skepsis gegenüber Muslimen ungerechtfertigt ansteigen lassen, setzt diese Episode ein tolles Statement!

Ebenfalls fortgesetzt wird die Fehde zwischen Hank und Denny Woods. Sie nimmt in dieser Episode nur einen kleineren Teil ein, aber es wird erneut deutlich, wie explosiv die Stimmung zwischen den beiden ist. Hank verzweifelt erneut an den aufgestellten Überwachungskameras, da er den zweiten Terroristen am liebsten auf seine eigene Weise ausquetschen würde. Aber nicht nur dieser Hank wird gezeigt, auch sein ambivalentes Gegenbild, das des väterlichen Unitleiters wird wieder schön bedient. Wie er sich nach dem verhinderten zweiten Attentat zu Kim setzt und ihr gut zuspricht, zeigt berührend, wie wichtig ihm seine Leute sind und dass er ein großes Empathievermögen hat. Zwar rät er Kim davon ab, Tomas Ex-Partner zu drohen, aber er weiß, wie viel ihr das bedeuten würde, wenn Rose belangt werden würde, dass er sich in die Höhle des Löwen zu Woods vorwagt. Auch das ist ein tolles Statement von Hank, der auch gegenüber seinem ehemaligen Freund bestimmt ausdrückt, dass er keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht und sich gerne auch mal zurückhält und dann nur auf den richtigen Zeitpunkt wartet. Das ist so wunderbar doppeldeutig sowohl auf die Situation mit Rose als auch auf die mit Woods selbst zu münzen, dass ich wirklich gespannt bin, was dieser Kleinkrieg noch bereithält.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich an dieser Folge dennoch, denn Hailey Upton hat mir so gar nicht gefallen. Direkt von ihrer ersten Szene an wirkte sie sehr aggressiv und später auch rechthaberisch. Im Verhör mit einem potenziellen Attentäter spielt sie dann regelrecht brutal aus, dass dieser noch nichts vom Tod seiner Frau weiß. In dieser Szene wirkt sie unheimlich kaltschnäuzig und ich weiß noch nicht wirklich, was ich davon halten soll. Ich sehe sie zwar im Gegensatz zu Kim als härtere Persönlichkeit, aber das war mir dann doch zu viel. Vielleicht wollte sie auch nur Hank und Alvin Olinsky beeindrucken, aber eigentlich sprach sie sich bei ihrer ersten Begegnung mit ihrem Chef, gegen seine Methoden aus, so dass sie etwas out of character wirkte. Mal abwarten...

Fazit

Mit der zweiten Episode wird eine inhaltlich sehr fokussierte Folge geboten, die Kim Burgess in den Vordergrund stellt und ihre Charakterentwicklung noch einmal beeindruckend aufzeigt. Das Thema ist wieder brandaktuell und da sich ein Muslim gegen seine vermeintlichen Glaubensbrüder stellt, wurde die Auflösung sogar durch ein starkes Statement begleitet. Etwas besorgt blicke ich jedoch auf Hailey Upton, da wir eine zweite Erin Lindsay ganz sicher nicht brauchen!

Lena Donth - myFanbase


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