Australien gegen Californication

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Die Serie "Californication" beginnt mit einem Traum. Ein Mann namens Hank, gespielt von David Duchovny, träumt, dass ihm eine attraktive Nonne in einer Kirchen einen bläst. Dann wacht Hank auf und raucht mit seiner verheirateten Sexpartnerin einen Joint. Dies passiert, wie gesagt, in den ersten Minuten der Serie und es geht in diesem Stil nahtlos weiter. Wenn man gute Fernsehunterhaltung mag und überdies weiß, dass Offenheit durchaus etwas Gutes ist, dann genießt man diese Szenen unvoreingenommen und hat einfach seinen Spass. Oder aber man hält es wie die australischen Christen.

Foto: David Duchovny, Californication - Copyright: Paramount Pictures
David Duchovny, Californication
© Paramount Pictures

Am 27. August startete die Serie "Californication" im australischen Fernsehen auf dem Sender Network Ten. Wenige Tage später kritisierte der sehr konservative Journalist Andrew Bolt die Serie in der größten australischen Zeitung Herald Sun und griff den Sender Network Ten wegen der Ausstrahlung von "Californication" massiv an. In seinem Artikel bezeichnet Bolt die Verantwortlichen des Senders mehrfach als schamlose Pornographen, die aus reiner Geldgier nicht einmal davor zurückschrecken würden, eine Serie auszustrahlen, die einem Angriff auf Moral und Sitte gleichkomme und Szenen wie aus einem florierenden Puff zeige. Genauer gesagt hält der australische Journalist die Serie sogar für schlimmer als einen florierenden Puff, vermutlich, weil man sich "Californication" kostenlos im Fernsehen anschauen kann, während man im Puff ... na gut, lassen wir das.

Foto: David Duchovny, Californication - Copyright: Paramount Pictures
David Duchovny, Californication
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Mit dieser Meinung steht der gute Mann jedenfalls nicht alleine da. Jim Wallace, der Leiter der Australian Christian Lobby, rief zum großen Protest gegen "Californication" auf. So versammelten sich während der Ausstrahlung der zweiten Episode rund 40 Christen vor dem Gebäude des Senders Network Ten, um Kerzen hochzuhalten, zu singen und zu beten. Tja, so kann man seinen Abend natürlich auch verbringen. Mir persönlich drängt sich so ein wenig die Frage auf, ob es nicht schlimmere Dinge als eine fiktive Fernsehsendung gibt, gegen die man als Christ mit Gebeten und Kerzenlichter protestiert kann, wie z.B. Krieg, Hungersnot oder Todesstrafe, aber jedem das Seine.

Foto: David Duchovny, Californication - Copyright: Paramount Pictures
David Duchovny, Californication
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Es ist natürlich verständlich, dass nicht jeder Mensch diese Art von Offenheit mag. Man denke an das populäre Thema Umweltschutz - Jeder redet darüber, aber keiner tut es. Beim Sex ist es genau umgekehrt - Jeder tut es, aber keiner redet darüber.

Um noch einmal einiges zu verdeutlichen, was nicht falsch verstanden werden sollte: Bei dem Blowjob in der Kirche handelt es sich um den Traum eines Mannes, der seelisch alles andere als im Gleichgewicht ist. Freizügigkeiten von und mit Nonnen werden nicht als etwas Reales oder Erstrebenswertes dargestellt, sondern als die Fantasieprodukte eines emotional gestörten Mannes. Ganz nebenbei ist die Nonne nicht wirklich eine Nonne und legt, bevor die "Action" beginnt, auch noch fast ihre gesamte Nonnenkluft ab.

Ich bin ehrlich gespannt, wie die deutsche Öffentlichkeit auf "Californication" reagiert, wenn die Serie irgendwann den Sprung zu uns schafft. Meine Hoffnung ist, dass "Californication" als das erkannt wird, was es ist: eine unterhaltsame, offene, interessante und ganz und gar fiktive Serie.

Maret Hosemann - myFanbase

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