Bewertung

Review: #4.03 Offenes Haus

Foto: Bryan Cranston & Anna Gunn, Breaking Bad - Copyright: 2011 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Bryan Cranston & Anna Gunn, Breaking Bad
© 2011 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.

Mittlerweile ist "Breaking Bad" nach vier Staffeln geradezu bekannt dafür, großartige Staffelauftakte abzuliefern, es in der folgenden Episode etwas ruhiger angehen zu lassen und die dritte Episode einige Grundlagen schaffen zu lassen, bevor es dann im Verlauf der Staffel so richtig losgeht. Auch in der vierten Staffel scheint dies nicht anders zu sein. Zwar liefert #4.03 Open House einige wichtige Erkenntnisse und deutet signifikante Entwicklungen an, man wurde von der Serie aber auch schon mit mehr Spannung, Action und Dramatik verwöhnt.

"Son of a …"

Walter, noch sichtbar gezeichnet von seinem Zusammentreffen mit Mike in der Bar, entdeckt Überwachungskameras im Drogenlabor. Wobei "entdecken" schon fast das falsche Wort dafür ist, denn sie sind nicht versteckt, sondern sehr offensichtlich angebracht und geben auch durchaus penetrante Laute beim Rejustieren und Schwenken von sich. Walter wird nun im Labor also auf Schritt und Tritt von Gus und dessen Entourage verfolgt, nachdem er sich gegenüber Mike ein wenig zu unvorsichtig äußerte. Walter schmeckt das natürlich gar nicht und er lässt sich in seinem Ärger sogar dazu hinreißen, einer Kamera seinen Mittelfinger zu zeigen. Ein wenig unfreiwillig komisch wirkt diese Geste schon, war Walter bisher doch alles andere als bekannt dafür, sich zu solchen Obszönitäten hinreißen zu lassen. Dass er sich diesmal aber nicht (bewusst?) zurückhalten konnte, zeigt, wie wütend ihn die Installation der Kameras macht. Nicht nur war das Labor bereits nichtsdestotrotz sein Territorium und mitunter auch Rückzugsbereich, er wird auch einmal wieder damit konfrontiert, dass Gus ihm einen Schritt voraus ist. Der Machtkampf geht weiter.

"Are you in danger?"

Walter hat genug und möchte erst einmal Ruhe haben, weswegen er sich in seinem Haus verbarrikadiert und nicht an sein Telefon geht. Damit hat er die Rechnung jedoch ohne Skyler gemacht, die nicht locker lässt und ihn aus seinem Haus klingelt, nur um dann sein Veilchen zu entdecken. Erwartungsgemäß ist sie besorgt um Walters Sicherheit. Walters halbherzige Erklärungsversuche helfen hierbei nur bedingt. Ziemlich naiv ist Skylers Vorstellung, Walter könne doch mit seinem Anliegen zur Polizei gehen, natürlich trotzdem. Skyler ist ohnehin eigentlich wegen etwas anderem zu Walters Haus gegangen und Walter versucht alles, um Skyler dadurch von ihren Sicherheitsbedenken abzulenken. Nachdem Bogdan bisher alles andere als empfänglich war für Skylers Angebot, seinen Autowaschsalon abzukaufen, müssen sie sich nun wegen der weiteren Vorgehensweise abstimmen.

"What are you talking about? Violence?" - "Attitude adjustment."

Dafür treffen sie sich mit Saul, der einmal wieder als Alternative den Nagelsalon anpreist, weil dieser perfekt für die Geldwäsche sei. Skyler lässt sich aber nicht von ihrem Plan abbringen, Bogdans Autowaschsalon zu übernehmen, weswegen sie auch nicht auf den Vorschlag Walters, sich doch einfach einen anderen Salon zu suchen, eingeht. Der Grund dafür? "It's a stomach thing." Klar, dass das Walter und Saul nicht überzeugen kann. Auch für den Zuschauer macht Skylers Versteifen auf eben genau diesen Autowaschsalon einen sehr engstirnigen Eindruck und wirkt in Verbindung mit Sauls Reaktion darauf auch eher witzig, passt allerdings perfekt zu ihrem Charakter. Mit Argumenten kann Skyler die zwei nicht überzeugen, was also tun? Sie entscheidet sich dazu, Walter auf emotionaler Ebene anzusprechen, indem sie ihm erzählt, dass Bogdan seine Männlichkeit in Frage gestellt habe. Und plötzlich ist Walter Feuer und Flamme. Schön, dass auch ein Genie wie Walter leicht zu manipulieren ist, wenn er von Hass zerfressen und zu kaum einem vernünftigen Gedanken fähig ist.

"How're you doing?"

Walter merkt vielleicht auch deswegen gar nicht, wie sehr Jesse, der immer noch unter seiner Tat an Gale leidet, nach Gesellschaft und Ablenkung lechzt, als dieser ihn fragt, ob er eventuell Lust dazu hätte, mit ihm Go-Kart zu fahren. Walter verneint und nach ein paar halbherzigen Interessensbekundungen an der Gemütslage des anderen gehen beide getrennte Wege. Für Jesse bedeutet das an jenem Abend, zuerst Go-Kart zu fahren – allein, sichtbar aufgewühlt und mit gequälten Schreien, als er eine Kurve nimmt. Danach fährt Jesse heim, in ein Haus, das er durch seine zahlreichen Parties zu einer Ansammlung an Junkies gemacht hat, die munter Drogen nehmen, vögeln und sich prügeln. Wenigstens hat Jesse Gesellschaft und heizt die teils lethargische Stimmung gezielt an, indem er im wahrsten Sinne des Wortes mit Geld um sich wirft. Man kann fast froh sein, dass Jesse nebenher noch arbeiten muss, sonst wäre er wahrscheinlich noch eine Spur drastischer und schneller abgestürzt. Auch in dieser Episode ist Aaron Pauls Schauspiel gar nicht hoch genug zu loben. Aus Storygründen bekommt er momentan die Möglichkeit, stärker zu spielen als beispielsweise Bryan Cranston, und nutzt diese mehr als eindrucksvoll. War der Emmy vergangenes Jahr für ihn schon verdient, ist er allein für die ersten drei Episoden schlichtweg Pflicht.

"Are you seriously doing this to me again?"

Unterdessen geht Marie auf ihre Art mit Hanks Zustand und seiner Zurückweisung um. Sie geht zu Hausbesichtigungen (womit man den Bogen zum Episodentitel "Open House" geschlagen hätte), erfindet interessante Identitäten, Jobs und Familienmitglieder und lässt schließlich Dinge aus den Häusern mitgehen. Dass es bei Dingen wie einem Löffel, einer Porzellanfigur und insbesondere einem Foto eines fremden Ehepaars kaum um den Wert der Gegenstände an sich geht, bleibt nur eine ernüchternde Erklärung: Maries Kleptomanie ist zurück – und sie ist vielleicht schlimmer denn je. Sie wird von einer Maklerin schließlich überführt und auf die Polizeiwache gebracht. Dort arbeitet Hanks Kollege Tim, der ihr, nachdem auf eine Anklage verzichtet wurde, mitteilt, dass sie nun wieder nach Hause gehen dürfe, woraufhin sie in Tränen ausbricht. Marie ist ganz offensichtlich mit der ganzen Situation rund um Hank überfordert und kann insbesondere seine gehässigen Kommentare nicht mehr ertragen. Nach der Dekonstruktion der Ehe der beiden, die in der dritten Staffel begann, ist nun der Tiefpunkt erreicht. Auch wenn dadurch insbesondere Betsy Brandt, bisher vor allem zum comic relief eingesetzt, beweisen kann, dass sie sich vor dem Rest des Casts nicht verstecken muss, ist es doch schmerzlich mit anzusehen. Tim, weil er zum einen sieht, wie Marie unter Hank leidet und weil es zum anderen bisher keinen Durchbruch im Fall des Mordes an Gale gab, versucht, Hank in die Ermittlungen einzubeziehen, indem er ihm eine Kopie von Gales Notizbuch überlässt. Erst zögert Hank noch, doch dann schlägt er es auf und liest interessiert darin. Man darf gespannt sein, wann Hank dadurch bedingt seine Apathie hinter sich lässt, um seinen Kollegen zu helfen. Vor allem wird aber spannend, ob Hank die Verbindung zu Heisenberg herstellt und inwiefern er vielleicht sogar nichtsahnend Walter um Unterstützung bittet. Die zahlreichen chemischen Formeln und Beschreibungen wird er kaum selbst entziffern und verstehen können.

"What are you doing?" - "I'm negotiating."– "Why?" – "Because I want to pay less."

Gewalt, um Bogdan dazu zu bewegen, den Autowaschsalon zu verkaufen, steht für Skyler außer Frage, ebenso ein Besuch der Steuer- oder der Einwanderungsbehörde. Eher zufällig kommt Skyler die Idee, es einmal mit der Umweltbehörde zu versuchen. Also besucht jemand, der sich als deren Inspektor ausgibt, Bogdan und lässt sich von Skyler durch einen Knopf im Ohr mitteilen, was er zu sagen hat. Das Abwasser sei kontaminiert und das Abwassersystem marode. Bogdan müsse den Betrieb einstellen, bis er das System erneuert hat, was Kosten von etwa 200.000 $ nach sich zieht. Nach dieser Hiobsbotschaft ruft Bogdan wenige Stunden später bei den Whites an und willigt ein, den Autowaschsalon für die von Skyler angebotenen 879.000 $ zu verkaufen. Skyler, die natürlich weiß, in welchen Problemen sich Bogdan befindet, will den Preis auf 800.000 $ drücken. Warum? "Because he's an unpleasant person." Skylers Verhandlungstaktik treibt Walter in den Wahnsinn, weil er befürchtet, dass Bogdan nun absagt. Doch er sagt zu. Die Whites besitzen nun einen Autowaschsalon. Glückwunsch. Lasset die Geldwäsche beginnen.

"One slip-up in our story — that could ruin us."

Als Walter und Skyler ihre Neuerwerbung entsprechend feiern möchten, wird deutlich, wie nachlässig Walter geworden ist. Er kauft eine sündhaft teure Champagnerflasche, was dem Bild, das die Whites nach außen hin kommunizieren möchten – arm, gerade so über die Runden kommend – widerspricht. Skyler weist ihn darauf an, woraus sich zumindest kurzzeitig die interessante Lehrer-Schüler-Konstellation ergibt, die sonst Walter gegenüber Jesse inne hatte.

Fazit

Hank nimmt langsam aber sicher die Fährte auf, Walter und Skyler haben nun das erwünschte Objekt für ihre Geldwäsche gefunden und Gus beweist auch in seiner Abwesenheit, dass er Walter überlegen ist. #4.03 Open House leitete einige für den weiteren Staffelverlauf wichtige Entwicklungen ein. Jetzt kommt es darauf an, in den kommenden Episoden die angefangenen Storylines ansprechend fortzuführen.

Andreas K. - myFanbase

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